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Event-Läufe haben im Saarland Hoch-Konjunktur

Dillingen. Wer heute eine Veranstaltung, ein Fest, einen Wettbewerb oder selbst ein Spektakel ankündigt, der ist von gestern. Nichts geht mehr, ohne den Zusatz „Event“. Das Saarland will eine Event-Halle bauen, Tickets für Konzerte oder Fußballspiele gibt es auf der Internetplattform „eventim.de“. Auch die saarländische Laufszene macht vor der „Eventisierung“ nicht halt. (Fotos: Firmenlauf Dillingen 2010)

Das liegt vor allem an Ralf Niedermeier und seiner Event-Agentur „niedermeier plus“. Seitdem der von ihm veranstaltete Wochenspiegel-Firmenlauf Teilnehmerzahlen erreicht, die normale Lauf-Veranstaltungen um das Zehnfache übersteigen, stellt sich die Frage, was andere Volksläufe falsch, beziehungsweise er richtig macht.

Zunächst die Fakten: Im vergangenen Jahr nahmen 45 235 Teilnehmer an Volksläufen teil. Der Firmenlauf war mit 12 114 Läufern im Ziel die mit Abstand bestbesuchteste Veranstaltung. Auf den weiteren Plätzen folgen die Schullaufmeisterschaften in Losheim mit 3 800 Teilnehmern, die drei Marathons in St. Wendel (1 763 Teilnehmer), Saarbrücken (1 461) und Merzig (1062). Die einzigen Zehn-Kilometer-Straßenläufe, die die Tausender-Marke knackten, sind der Martinslauf in Losheim und der Saarbrücker Silvesterlauf.

Der Firmenlauf in Dillingen nimmt in jeder Hinsicht eine Sonderstellung ein. Er ist der Lauf mit den schnellsten Einzelzeiten des Saarlandes (17 Läufer unter 17 Minuten über fünf Kilometer). Gleichzeitig ist er auch der durchschnittlich langsamste Lauf. Von 12 000 Teilnehmern schaffen 10 000 keinen Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer.

Und er ist mit der teuerste Lauf des Landes. 52 Euro kostet das Startgeld einer Vierer-Mannschaft. Wer das mit den Teilnehmerzahlen multipliziert, kommt auf eine stattliche Summe. „Dafür stimmt aber auch das Preis-Leistungsverhältnis, die Bahnfahrt ist ja im Preis mit drin“, sagt Ralf Niedermeier. Gibt aber auch zu, dass seine Werbe-Ausgaben im „deutlich sechsstelligen Bereich“ liegen.

Event-Läufe wie der Firmenlauf haben auch deutschlandweit wahnsinnig hohe Teilnehmerzahlen. Der von Niedermeier veranstaltete Firmenlauf in Kaiserslautern zieht ohne Zeitmessung 7000 Leute an, heute Abend wird der Santa-Lauf stattfinden. 700 als Nikolaus verkleidete Läufer werden, auch ohne Zeitnahme, durch Dillingen rennen. Der Firmenlauf in Frankfurt am Main hatte sogar 70 000 Teilnehmer.

Alle diese Läufe haben eines gemeinsam: Sie bieten Bands, DJs, die obligatorische Samba-Gruppe, das Massenerlebnis. Sie sind Events. Und werben damit nicht zu knapp. Der Volkslauf, der am Sonntagmorgen an der Saar entlang oder durch den Kirkeler Wald führt, kann da nicht mithalten. Während nach den Event-Läufen zur After-Run-Party geladen wird, gibt es nach Volksläufen Kaffee und Kuchen. Das eine klingt nach Spaß und Action, das andere nach Seniorennachmittag.

Obwohl es prinzipiell im Kern um die gleiche Sache, nämlich Laufen, geht, sind die Unterschiede gravierend. Machen die Rahmenbedingungen wirklich soviel aus? Die Antwort liegt in der Tatsache, dass es vielen eben nicht um Laufen im sportlichen Sinne geht. Während bei Volksläufen eher Läufer mit einem sportlichen Ziel antreten, spielt dies bei Event-Läufen nur eine untergeordnete Rolle. Dort zählen Party, Spaß, Miteinander. Ralf Niedermeier gibt zu, dass „einfach jeder“ mitmachen kann und keine „bierernste Bestzeitenjagd“ stattfinden soll. Es geht um das Event, der Sport ist nur das Mittel zum Zweck. Firmenläufe sind Partys mit Laufcharakter, keine Läufe mit Partycharakter. Eventuell jedenfalls.

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