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Ex-FCS-Profi: Neues Herz als Weihnachtswunsch

Oberriexingen. Wünsche und Träume sind nicht nur Schäume. An Weihnachten können sie wahr werden. Besonders bei Kindern. Aber auch Erwachsene hegen sehnsüchtig Wünsche. Wenn auch ungewöhnliche. Wie zum Beispiel ein Spenderherz. Auf ein solches hofft und wartet Reinhold Zech. Der ehemalige Fußballprofi des 1. FC Saarbrücken wünscht sich nichts Sehnlicheres als das Herz eines Spenders. "Dann würde für mich und meine Familie Weihnachten, Neujahr und Ostern auf einen Tag fallen", sagte der 62-Jährige, den die SZ im 3000-Seelen-Städtchen Oberriexingen im Landkreis Ludwigsburg besuchte.

Ein Tag in der Adventszeit, kurz vor Weihnachten: Draußen ist es nass-kalt, Nieselregen, neblig, duster - kurz Schmuddelwetter. Drinnen, im schmucken Flachdach-Bungalow, wartet eine wohlige Atmosphäre: knisterndes Kaminfeuer, vorweihnachtliche Dekoration. Der Duft von selbstgebackenen Plätzchen und Lebkuchen hängt in der Luft.

Kinder, jüngere und ältere - Tim, 39, Benny, 33 und Colin, 25, - kommen zu Mama Rose und Papa Reinhold, sagen kurz Hallo und sind irgendwann wieder weg. Vier Enkelkinder, "alle Buben", wirft Opa Reinhold ein, tollen mit Anton herum, einem neun Jahre alten deutschen Hütehund. Der Star im Hause Zech, wenn keine Kinder oder Enkel vorbeischauen.

Es klingelt. Ein alter Bekannter aus FCS-Zeiten, der 33-malige Ex-Nationalspieler Bernd Förster, besucht seinen alten Freund und Kumpel Reinhold. Bernd, ein Gentleman: Blumenstrauß für Reinholds Frau Rose und im Arm zwei Flaschen Rotwein der Marke Sasso Al Poggio 2006 Toscana.  "Den Bernd habe ich vom SZ-Besuch informiert, und prompt hat er sein Kommen zugesagt", erklärt uns der H

ausherr die Stippvisite seines Freundes. "Wir sind zu alten FCS-Zeiten gemeinsam in Saarbrücken um die Häuser gezogen", erinnert sich Reinhold.

Intaktes Familienleben und Idylle pur im Hause Zech - so scheint es. Doch hinter dieser schönen Fassade verbirgt sich ein Schicksal - ein brutales, bei dem es um Leben oder Tod geht. "Seit zwei Jahren warte ich sehnsüchtig auf einen Anruf", sagt Reinhold Zech mit bewegter Stimme und blickt dabei traurig auf seine beiden Handys auf dem Tisch. Es ist nicht irgendein Anruf. "Ich warte so sehr auf einen Anruf aus dem Herztransplantations-Zentrum der Uniklinik Heidelberg", klärt Zech auf. "Nur durch eine Herztransplantation kann ich am Leben bleiben. Ich hab' ständig zwei Telefone eingeschaltet. Und warte - und warte."

Wie verzweifelt muss ein Mensch sein, dessen Hilferuf seit zwei Jahren unerhört bleibt? "Ich bin ein positiver Mensch, schaue optimistisch nach vorne und hoffe, dass irgendwann alles mal wieder okay ist", gibt sich Zech tapfer. Irgendwann - und das weiß der Schwabe - darf aber nicht erst in ein paar Jahren sein. "Ich habe zum Beispiel 55 Puls und einen Blutdruck von 90 zu 70." Zech nimmt zwei Dutzend Tabletten über den Tag verteilt. Einige Medikamente werden prophylaktisch verabreicht für die Zeit nach der Operation. Andere muss Zech nehmen, damit der Herzmuskel überhaupt noch stabil arbeitet.

"Ewig behalten die Tabletten auch nicht ihre Wirkung", sagt Zech. "Bei einem Medikament etwa laufe ich Gefahr, immer schlechter zu sehen, im schlechtesten Fall zu erblinden. Die Nebenwirkungen sind schon happig, und länger als noch ein Jahr werde ich die Medikamente nur schwer ertragen können."

Seit zwei Jahren ist Zechs Koffer gepackt, steht griffbereit zum Mitnehmen in die Klinik. Wenn der erlösende Anruf aus Heidelberg kommt, muss alles sehr schnell gehen. "Ich muss dann sofort los, denn die Uhr läuft dann. Innerhalb von vier Stunden vom Hirntod muss nach Entnahme

des Spenderherzens die Operation durchgeführt werden", erklärt Zech. Es kommt also auf die Minute an. Allein aus diesem Grund "möchte ich nicht länger als eine Dreiviertel-Stunde vom Wohnort entfernt sein. Ausgerechnet in dieser Zeit könnte ja das Handy klingeln, und ich würde mir doch die größten Vorwürfe machen, nicht rechtzeitig in der Klinik einzutreffen. Daher fahren wir auch nicht in Urlaub", schildert der geduldige Ungeduldige.

In Deutschland ein Spenderherz zu finden, ist nicht einfach: "Nur 350 Herzen stehen in einem Jahr für etwa 900 bis 950 Personen zur Verfügung", weiß Zech und hat eine weitere Statistik parat: "Leider gibt es in Deutschland nur etwa 1100 von 3000 möglichen Organspendern. Und von diesen 1100 Spendern werden nur 350 Herzen zur Verfügung gestellt." Der Blick zum Nachbarn Österreich kann da fast neidisch machen. "Jeder Österreicher, der stirbt und als Spender geeignet ist, muss sein Herz oder seine Organe zur Verfügung stellen - außer, er würde sich zu Lebzeiten dagegen aussprechen", erklärt Reinhold Zech.

Zechs Herzspender muss auf jeden Fall die gleiche Blutgruppe, etwa die gleiche Größe und das gleiche Gewicht haben wie er. "Und es muss eine gewisse Gewebeverträglichkeit übereinstimmen. Diese Daten sind alle in Holland bei der Firma Euro-Transplant hinterlegt. Dort wird auch die Warteliste geführt. Da sind sieben Länder zusammengefasst, für die dann die verschiedenen Organe verteilt werden", sagt Zech.

Wo aber war der Ursprung, und wie begann die Leidensgeschichte des Reinhold Zech? "Als ich mit 60 Jahren als Sportinvalide in die Frührente ging, als ich eigentlich alles erledigt hatte und die Familie funktionierte und mich auf die Zeit danach freute, habe ich auf einmal eine schwere Thrombose im linken Bein bekommen. Da wurde festgestellt, dass ich einen taubenei-großen Thrombus, einen Blutpfropf, in der linken Herzkammer hatte und das Herz nur noch etwa 20 Prozent Leistung bringt. Das war vollkommen überraschend, weil ich körperlich gar nicht gehandicapt war. Aber das Herz war, wie der Arzt mir sagte, richtig ausgelutscht, weil es immer mehr a

rbeiten musste als normal. Ein stiller Herzinfarkt, den ich schon als Profi vielleicht beim FCS oder schon früher beim VfB Stuttgart bekam, schädigte wohl die Kranzgefäße. Ich habe den Infarkt nicht gemerkt, aber das gibt es leider."

Bei Reinhold Zech äußerte sich der Umstand irgendwann auf dramatische Art und Weise. "Ich wurde zu Hause ohnmächtig und bekam danach einen Defibrillator eingebaut. Der hat angeschlagen. Ich habe innerhalb von zehn Minuten 16 Stromschläge gehabt. Das nennt man den so genannten elektrischen Sturm." Konsequenz: Die Klinik in Heidelberg, eine Universitätsklinik mit einem zugelassenen Transplantations-Zentrum, eröffnete Zech nach eingehenden Untersuchungen, dass er ohne eine Herztransplantation nicht weiter am Leben bleiben kann. "Und jetzt warte ich seit zwei Jahren auf ein Spenderherz und bin natürlich sehr enttäuscht."

Trotz Enttäuschung und ungeduldigem Warten - für Reinhold Zech "stirbt die Hoffnung zuletzt. Der Blick geht nach vorn. Wenn die Operation gut überstanden wird und ich das Herz gut annehme, dann bin ich zu 95 Prozent wieder der Alte und leistungsfähig." Dann will Reinhold Zech das Leben mit einem Spenderherz genießen - und verrät auch schon seine Pläne: "Dann werden meine Familie, meine Frau und ich die Ziele angehen, die wir seit zwei Jahren nicht verwirklichen können. Ich hoffe, dass wir dann endlich mal wieder in Urlaub fahren können."

Bis dahin aber heißt es warten - warten auf das Klingeln des Handys, den ersehnten und erlösenden Anruf aus der Uniklinik in Heidelberg. "Vielleicht wird ja mein sehnlichster Wunsch, mein Herzenswunsch, zu Weihnachten oder im nächsten Jahr ja wirklich wahr", sagt Reinhold Zech leise, als er uns in die nass-kalte, dunkle Nacht nach Hause verabschiedet. Eine Hoffnung, die am "Fest der Geburt" nicht stirbt. "Ich hab' ständig zwei Telefone eingeschaltet.  Und warte - und warte." Ex-FCS-Profi Reinhold Zech

 

 

 

 

Zur Person

Reinhold Zech, geboren am 27. Mai 1948 in Stuttgart, verheiratet mit Frau Rose, 59, drei Kinder, wohnt in Oberriexingen. Zech kam 1963 vom SV Roth in die Jugendabteilung des VfB Stuttgart, schaffte über die Amateure den Sprung in die Lizenzspielermannschaft und debütierte als Abwehrspieler 1969 für den VfB in der Bundesliga. Bis 1975 blieb er dem Club treu und absolvierte 197 Bundesligaspiele (vier Tore). 1975 heuerte Zech beim 1. FC Saarbrücken in der 2. Bundesliga an. In 28 Einsätzen trug er unter Trainer Slobodan Cendic zur Meisterschaft und zum Bundesliga-Aufstieg bei. Bis Weihnachten 1979 absolvierte Zech 57 Erst- und 40 Zweitligaspiele für den FCS und beendete dann seine Karriere. Danach war er beim VfB als Jugendmanager tätig. Nach drei Jahren beim VfB wurde er Vertriebsmanager und Geschäftsführer bei einem großen Mineralbrunnen in Süddeutschland. Als Sportinvalide ging er mit 60 in Frührente. kos

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