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Ex-Freundin gequält: Ist Saarländer schuldig?

Saarbrücken. Mit einem klassischen Fall von Aussage gegen Aussage hatte es kürzlich das Landgericht im Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung zu tun. Am Ende des zweitägigen Prozesses glaubten die Richter und Schöffen dem mutmaßlichen Opfer und nicht dem angeklagten Ex-Lebensgefährten der Frau. Ihr Fazit: Weil er seine Freundin unter dem Einfluss von Drogen eine ganze Nacht lang gequält, gedemütigt, misshandelt und vergewaltigt habe, werde der Mann zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der 29-Jährige hatte vor Gericht die Vorwürfe seiner Ex-Lebensgefährtin zurückgewiesen und gesagt: „Das Ganze ist nicht passiert.“ Er und seine beiden Verteidiger bleiben bei dieser Linie. Die beiden Anwälte haben deshalb Revision eingelegt. Nun muss der Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Fall aus dem Saarland auf mögliche Rechtsfehler prüfen.

Dabei werden die Bundesrichter sich auch mit dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ und mit der Würdigung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen befassen. Dies hatte auch das Landgericht Ende März getan. „Wir haben hier eine typische Aussage-gegen-Aussage-Situation“, sagte der Vorsitzende Richter damals. Dies komme gerade bei Sexual- und Gewaltdelikten sehr häufig vor. Ein Gericht habe dann an Hand von verschiedenen Kriterien zu bewerten, wem man glauben könne und wem nicht. Eines dieser Kriterien sei die Entwicklung der Aussage eines mutmaßlichen Opfers bei verschiedenen Behörden. Daraus lasse sich Einiges ableiten. Wenn jemand beispielsweise einen anderen zu Unrecht belasten wolle, dann komme es häufig vor, dass gleich zu Beginn richtig dick aufgetragen werde. Dies sei im konkreten Fall aber nicht passiert, so das Gericht weiter. Hier sei die Frau nicht von selbst zur Polizei gegangen. Ihre Mutter und ihre Schwiegermutter hätten sie dazu gedrängt.

Und bei ihrer ersten Anzeige habe sie lediglich von körperlichen Misshandlungen durch ihren damaligen Partner im Januar und im Februar 2010 berichtet. Von sexuellen Übergriffen erzählte sie noch nichts. Das machte sie erstmals bei ihrer zweiten Vernehmung bei der Polizei – noch sehr zaghaft und zurückhaltend. Wobei sie zudem betonte, dass es zwar noch mehr zu erzählen gebe, dass sie dies aber noch nicht schaffe.

Erst bei ihrer dritten polizeilichen Aussage berichtete die Frau dann von der Horrornacht in der gemeinsamen Wohnung des Paares, in der im Zimmer nebenan ihr kleines gemeinsames Kind schlief. Die Frau erzählte, wie ihr damaliger Lebensgefährte nach einer Art Zechtour nach Hause gekommen sei. Richtig „durchgeknallt“ sei der unter Drogen stehende Mann gewesen. Und dann hätten seine brutalen Übergriffe begonnen. Angeregt von laufenden Pornofilmen habe er immer abartigere sexuelle Dinge von ihr gefordert oder ihr angetan. Bei ihrer vierten Vernehmung, nun bei der Staatsanwaltschaft, berichtete sie erstmals von einem extrem demütigenden sexuellen Übergriff.

Und selbst da erzählte sie noch nicht alles. Das machte sie erst am Zeugentisch des Landgerichts. Es war so übel und demütigend, dass selbst hartgesottene Prozessbeobachter Mühe hatten, die Fassung zu bewahren. Fazit der Richter: Dieses Aussageverhalten sei eindeutig. So verhalte sich eine Frau, die über eine tatsächlich durchlebte Nacht berichte. Eine ganze Nacht ausgeliefert dem Willen und Tun des im Drogenrausch vermindert schuldfähigen Angeklagten. Der 29-Jährige wirkte bei der Verkündung des Urteils ruhig und gefasst. Bis zur Rechtskraft des Urteils bleibt er auf freiem Fuß, danach bekommt er eine Ladung zum Haftantritt. Ob das Urteil rechtskräftig wird, hängt nun von den Bundesrichtern ab. Wann sie über den Fall aus dem Saarland entscheiden werden, ist offen.

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