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Ex-Minister Hartmann managt Luxushotel in Polen

Christoph Hartmann

Christoph Hartmann

Saarbrücken. Wenn Christoph Hartmann (39) ins Headset spricht, ist nicht immer sein Headhunter dran. Sondern auch schon mal eine junge Polin, seine Hoteldirektorin. Dann geht es um Management-Fragen oder touristische Marketing-Strategien. Und wenn sich der arbeitslose Ex-Wirtschaftsminister ins Auto schwingt, geht er nicht nur auf Bewerbungs-Tour, sondern fährt auch schon mal ins Hirschberger Tal nach Polen – in sein Schloss. Um dort, im malerischen Park des 14 Hektar großen Familienbesitzes, Rhododendren und Rosen zu pflanzen. In einem Tal, das man einst das „Schlesische Arkadien“ nannte, weil hier der europäische Hochadel Sommersitze und Lustschlösser in einzigartiger Dichte baute. 30 gibt es heute noch – eine der herausragenden, freilich fast vergessenen Kulturlandschaften Europas. Der touristische Boom ist absehbar. Mit Schloss Wernersdorf kam das achte Schlosshotel hinzu. Es soll sich als eines der exklusivsten profilieren. 18 individuelle Zimmer, delikate historische Details wie ein 50 Quadratmeter großes Deckengemälde, vom Künstler der Dresdner Frauenkirche erstellt. Klingt wie ein Märchen. War aber über rund sechs Jahre knallharte Sanierungs-Arbeit.

Seit 1. April hat das Schlosshotel Wernersdorf geöffnet. Es gehört Christoph Hartmann, seinen Eltern und Geschwistern. Wieder. Vor 1945 wuchs dort Hartmanns Großmutter auf. Die Exilierten nahmen den verlorenen Traditions- als Sehnsuchtsort mit in ihr neues Leben, Hartmanns Vater wuchs mit Geschichten auf, die seinen Sohn Christoph heute noch ziemlich stolz klingen lassen: Dass der Alte Fritz in Wernersdorf zu Besuch war oder dass sich der 6. Präsident Amerikas, John Quincy Adams, dort, im Bach-umflossenen Park, die Leinenproduktion und das Bleichen erklären ließ. Eben jene Schleierstoff-Branche, mit der Hartmanns Urahnen, die Hess’sche Familie, so reich geworden war, dass sie sich ein Riesen-Anwesen bauen konnte.

Als Hartmanns Eltern, beide als Ärzte tätig, Areal und Gebäude 2002 kauften, war es in einem erbärmlichen Zustand. Millionen-Investitionen standen an. „Den Löwenanteil der Aufbau-Arbeit haben meine Eltern geleistet, das war mir in meiner aktiven politischen Zeit nicht möglich“, sagt Hartmann. Doch die gesamte Familie trug die Entscheidung mit, sich in ein Dreifach-Abenteuer zu stürzen: Polen, denkmalgerechte Sanierung, unerprobtes Hotelfach. „Das kann man nur mit einer großen Emotion erklären. Dieses Haus ist als Familienerbe eben etwas ganz Besonderes“, sagt Hartmann.

Künftig möchte der Diplom-Kaufmann steuernd mitwirken: „Meine berufliche Perspektive wird sicher nicht darin liegen, Hoteldirektor in Polen zu sein“, sagt er. Doch er habe sich immer schon für die Gastro-Branche interessiert und fühle „Mitverantwortung“ dafür, dass der Betrieb zumindest keine roten Zahlen schreibe: „Das Projekt muss sich langfristig tragen.“ Er sieht dafür beste Chancen, nicht nur weil die Polen sehr viel Geld ausgäben für Hochzeiten, wofür sich das Haus blendend eigene. Auch sei das nahe gelegene Breslau eine „Boomtown“. Der Mittelstand entdecke das gute Leben. Da komme ein gehobenes kulinarisches Angebot gerade richtig. Auf Schloss Wernersdorf könnten Polen, die schon mal „Kaffee zum Fisch“ bestellten, jetzt entdecken, was ein „Amuse bouche“ ist. Dafür sorgt Sternekoch Jörg Glauben (Fasanerie Zweibrücken). Die in Schwarzenbach lebenden Eltern von Hartmann kannte seine Küche bestens. Ein Glücksfall, dass er sich verändern wollte. Er wurde als Berater engagiert, kocht in der Anfangsphase auch selbst vor Ort. Der Koch-Profi hat jetzt mit Christoph Hartmann einen Branchen-Frischling zum Chef, auch das ist ein Abenteuer. Doch keine bange: Minister können bekanntlich alles.

Hintergrund

Der 2400 Quadratmeter große Barockbau wurde 1725 für den Bürgermeister von Hirschberg, Johan Martin Gottfried, gebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es durch Heirat in den Besitz der Fabrikanten-Familie Hess, aus der Christoph Hartmann stammt. Das schlossartige Gebäude diente der Leinen-Herstellung (Lager- und Werkstatträume im Untergeschoss) wie auch als Wohnhaus und Repräsentations-Raum. Bis zur Vertreibung in der NS-Zeit blieb es im Besitz der Hartmannschen Familie. Es verfiel nach 1945, wurde als Kinderheim genutzt. Zuletzt lebte in einem Teil des Schlosses ein polnischer Privatmann. 1768 und 1777 ist ein Besuch König Friedrich des Großen in Wernersdorf belegt. Er stieg vermutlich im Schloss ab. Auch US-Präsident John Quincy Adams (1767-1848) besuchte die so genannte Wernersdorfer Bleiche. ce

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