L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Ex-SS-Mann verklagt Saarpfalz-Kreis

Der Turm der Pfarrkirche St. Anna sollte im Krieg gesprengt werden. Beherzte Bürger entfernten den Sprengstoff.

Der Turm der Pfarrkirche St. Anna sollte im Krieg gesprengt werden. Beherzte Bürger entfernten den Sprengstoff.

Saarbrücken/Blieskastel. Ein kleines Stück Heimatgeschichte im Saarpfalz-Kreis muss im Zuge eines Zivilprozesses umgeschrieben werden. Der Grund dafür ist die Klage eines früheren SS-Soldaten gegen den Saarpfalz-Kreis vor dem Landgericht. Dort schlossen die beiden Prozessparteien gestern auf Anregung des Gerichts einen Vergleich. Danach wird der Landkreis künftig nicht mehr behaupten, dass im Jahr 1945 Soldaten der 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ den „infamen Plan“ fassten, den Turm der katholischen Pfarrkirche Biesingen zu sprengen.

Das hatte so in dem vom Kreis vertriebenen Saarpfalz-Kalender des Jahres 2007 gestanden und den rüstigen Münchner Rentner aus der SS-Kameradschaft Götz von Berlichingen auf den Plan gerufen. Der Ex-Soldat sagte dazu vor Gericht: „Es geht uns darum, solche Unterstellungen künftig zu unterbinden. So etwas wollen wir nicht mehr.“ Denn nach dem Kriegstagebuch der Division und der Erinnerung seiner Kameraden stehe fest: „Von uns war keiner an dem Kirchturm. Wirklich nicht.“

Die Heimatforschung in Blieskastel sah dies bislang anders. Nach deren Erkenntnissen, fußend auf der örtlichen Überlieferung, sollen Soldaten der SS während des großen Rückzugs der Deutschen Armeen im März 1945 beschlossen haben, den Kirchturm der Pfarrkirche St. Anna zu sprengen. Der Turm, der als Richtpunkt für die Artillerie der Alliierten geeignet schien, sollte weg. Aber, so die Chronisten: Am 15. März 1945 hätten beherzte Bürger den Sprengstoff am Kirchturm entfernt, damit die Kirche und die angrenzenden Wohnhäuser gerettet. Zwei Tage später seien SS-Leute gekommen, um den Turm zu sprengen. Vergebens. Daraufhin verließen sie das Dorf und drohten: „Wir kommen wieder.“ Die Chronik weiter: Doch nicht die SS sondern die Amerikaner kamen am 17. März 1945. Und für Biesingen war der Krieg zu Ende.

Aber nicht für die 17. SS-Panzergrenadier-Division. Die mehrere Tausend Mann starke Truppe hatte im Sommer 1944 in der Normandie und der Champagne gekämpft, dann an der deutschen Grenze im Gebiet Maginot-Linie. Von dort ging es dann weiter zurück nach Franken und München bis Kriegsende. Anfang 1945 müssen demnach Soldaten dieser Division im Raum Saar/Pfalz unterwegs gewesen sein. Ob sie aber auch in Biesingen waren, ließ sich bislang nicht zweifelsfrei klären. Von daher machte der Landkreis nun einen Rückzieher. Und die Divison „Götz von Berlichingen“ ist raus aus der Ortsgeschichte von Biesingen. Die SS-Soldaten – nun – unbekannter Herkunft dürfen bleiben.
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