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Experte: Junge Saarländer schauen schon früh Pornos

Saarbrücken. Eine merkwürdige Schieflage: Bevor die meisten Jugendliche den ersten, ziemlich unschuldigen Kuss tauschen, das sagen Studien, haben sie schon längst Pornofilme gesehen. Vor allem im nahezu uneingeschränkt zugänglichen Internet. Ein drängendes Thema, und so kamen gestern mehr als 70 Pädagogen und Jugendarbeiter in die Landesmedienanstalt Saarland zum Vortrag „Jugendliche und Pornografie“.

Dauerpotenter Mann, stets willige Frau?

Birgit Kimmel von der Initiative klicksafe, die über das Internet aufklärt, fasste einige Studien zusammen: Die pornografischen Filme, von der Hälfte der Jugendlichen im Freundeskreis gemeinsam gesehen, dienten in ihrer sozialen Funktion als Statusaufwertung – wer einen Porno hat und zeigt, gibt sich als reif und erfahren (ob er es nun ist oder nicht). Zudem dient der Porno auch als Anstoß, miteinander über Sexualität zu sprechen, notwendigerweise. „Denn auch wenn die Jugendlichen aufgeklärt sind“, sagte Kimmel, „wissen sie im Grunde noch nicht, wie das alles geht.“ Nur: Welche Wirkung hat das Menschenbild der meisten Pornos, die einen dauerpotenten, dominanten Mann und eine stets willige, oft devote Frau zeigen? Da könne man bisher nur spekulieren, erklärte Kimmel, Sozialstudien hätten naheliegende Befürchtungen bisher nicht bestätigen können. Zudem sähen sich die Jugendlichen die Filme zwar an, gleichzeitig sei die Ekelschwelle bei hartem Porno und den Grenzfällen (etwa mit Tieren) schnell erreicht.  Dennoch müsse, „damit das Weltbild der Jugendlichen nicht von der Porno-Industrie bestimmt wird“, ausführlich über das Thema gesprochen werden.



Handbuch „Let’s talk about Porno“

Um das an Schulen und in der Jugendarbeit zu unterstützen, haben klicksafe, das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und Pro Familia das Handbuch „Let’s talk about Porno“ erarbeitet, das die Co-Autorin Kimmel vorstellte: Vier Schwerpunkte können mit Jugendlichen diskutiert werden, unterstützt von Unterichtsmaterial, Informationen und auflockernden Comic-Strecken. Um das Durchleben der Pubertät geht es, den Druck durch Schönheitsideale, die Pornografie im Internet und die zunehmend sexualisierte Alltags- und Schulhofkommunikation, nicht zuletzt durch HipHop-Texte. Grundlegend wichtig sei, dass die Pädagogen sich so in das Material einarbeiten, dass sie wissen, wovon sie sprechen – also sich zur Vorbereitung durchaus mal einen Porno ansehen. Und die Pädagogen müssten die Eltern einbeziehen, die oft beim Wort „Porno“ abblockten und somit auch keine Gesprächsadresse mehr für ihre Kinder seien. „Bei Porno gibt es kein richtig und kein falsch“, findet Kimmel, „sondern nur verschiedene Standpunkte“.

Das Handbuch „Let’s talk about Porno“ gibt es kostenlos bei der Landesmedienanstalt. Tel. (0681) 3898812.
:: www.klicksafe.de
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