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Experte: Kurzarbeit verhindert Jobabbau im Saarland

Im Gegensatz zu vielen anderen Ökonomen rechnet der Chef des Saarbrücker Iso-Instituts, Professor Daniel Bieber, nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit im Herbst.

Von SZ-Redakteur Norbert Freund

Saarbrücken. Der Leiter des Saarbrücker Iso-Instituts, Professor Daniel Bieber (Foto: SZ), hat sich zuversichtlich im Hinblick auf die saarländische Arbeitsmarktentwicklung in den nächsten Monaten geäußert. Bieber sagte der SZ, Kurzarbeit werde jetzt offenbar auf breiter Front auch in kleinen und mittleren Unternehmen genutzt. Es gebe deutliche Anzeichen für einen veränderten Umgang der Betriebe mit den Arbeitskräften. Bieber führte dies darauf zurück, dass viele Betriebe im letzten Aufschwung die Erfahrung gemacht hätten, „wie schwierig es ist, bei einer wieder anziehenden Konjunktur neue Fachkräfte einzukaufen“.

Unterstützend komme hinzu, dass die Arbeitsagenturen seit dem 1. Juli die Sozialbeiträge ab dem siebten Monat Kurzarbeit in voller Höhe übernähmen. Zuvor sei dies nur möglich gewesen, wenn Kurzarbeit mit einer Qualifikation der Beschäftigten verbunden wurde. Wenn ein Betrieb zum Beispiel das Arbeitsvolumen über Kurzarbeit halbiere, habe er nicht mehr Kosten zu tragen, als wenn er dasselbe über Entlassungen mache, unterstrich Bieber. „Im Gegenteil: Entlassungen haben oft Abfindungen zur Folge, die Geld kosten.“ Viele Saar-Betriebe überlegten daher, in Richtung Kurzarbeit einzusteigen. „Da ist noch sehr viel Bewegung drin.“
Der Chef des Iso-Instituts sieht bei den Automobilzulieferern im Saarland eine gespaltene Entwicklung. Einerseits gebe es Betriebe, die von einer Sonderkonjunktur infolge der Abwrackprämie profitierten. „Andere dagegen, die für BMW, Daimler und Audi produzieren, haben immer noch Probleme und werden sie auch nicht so schnell verlieren“, prognostizierte Bieber.

Er verwies dabei auf das Beispiel Halberg Guss: „Dort macht man viele kleine Motorblöcke. Aber die Produktion ist so organisiert, dass es sich nur rechnet, wenn auch entsprechend große Stückzahlen an großen Blöcken gegossen werden. Gerade das ist jedoch nicht der Fall.“ Bieber hob zugleich hervor, dass das Instrument Kurzarbeit bei prekär Beschäftigten, also beispielsweise Leiharbeitnehmern, ungleich schlechter greife als bei Normalbeschäftigten. Die Betriebe unterschieden in der Krise noch stärker zwischen Stamm- und Randbelegschaften. Sie pflegten einen „sehr fürsorglichen Umgang mit ihrer Stammbelegschaft“, trennten sich aber relativ schnell von der Randbelegschaft. Zu dieser gehörten ebenso befristet und geringfügig Beschäftigte. Auch gering Qualifizierte hätten jetzt auf breiter Front das Nachsehen. nof



Zur Person


Professor Daniel Bieber ist Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (Iso-Institut) in Saarbrücken. Er ist für die Saar-Regierung im Rahmen des Landesprogramms „Weiterbildungsberatung für Unternehmer“ tätig. Dabei erhebt das Iso-Institut auch Daten zur wirtschaftlichen Situation saarländischer Betriebe , zu ihrer technologischen Ausstattung und Entwicklung sowie zur Qualifikations- und Altersstruktur ihrer Belegschaften. nof



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