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Experte: Psychische Störungen bei Kindern früh behandeln

Welches sind die gravierendsten psychischen Störungen im Kleinkindalter und welche Ursachen liegen dafür vor?

Von Gontard: Die Rate von psychischen Störungen ist im Vorschulalter genauso hoch wie bei Schulkindern und Jugendlichen. Es gibt viele bevölkerungsbezogene Studien, die zeigen, dass etwa zehn Prozent Störungen mit klinischer Relevanz haben. Vor allem die Drei- bis Sechsjährigen, in geringerem Maße die unter Dreijährigen. Zu den Störungen zählen Depressionen, Angststörungen, Störungen des Sozialverhaltens, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), posttraumatische Belastungsstörungen, Bindungsstörungen, Regulationsstörungen, Fütterstörungen, Schlafstörungen, exzessives Schreien. Diese Störungen kann man gut erkennen und man kann sie sehr gut behandeln. Wichtig ist, die  zu erkennen.

Werden diese psychischen Störungen bei den U-Untersuchungen von den Kinderärzten erkannt?

Von Gontard: Kinderärzte sind immer der erste Ansprechpartner. Sie kennen die Kleinkinder von Geburt an. Der Kinderarzt ist oft auch der, der den ersten Verdacht äußert. Zusätzlich wichtig sind aufmerksame Erzieherinnen, die in den Kindergärten aufmerksam werden auf ein bestimmtes Problemverhalten der Kinder. Und natürlich die Eltern, die ihr Kind am besten kennen. Wir haben an der Klinik eine Spezialambulanz für Kinder bis sechs Jahre. Dort kann die gesamte Diagnostik durchgeführt werden. Für Fälle, die etwas schwerer sind, haben wir die Möglichkeit, zwei Eltern-Kind-Paare in der Tagesklinik aufzunehmen. Ab Mai 2014 haben wir in unserem Neubau eine spezielle Eltern-Kind-Station, in der dann die Eltern mit aufgenommen werden.

Wie viele Fälle haben Sie jährlich?

Von Gontard: Jetzt sind es etwa 100 bis 150 Fälle im Jahr. Wenn Eltern Sorgen haben oder der Verdacht geäußert wird, ist es immer besser, eine Abklärung durchzuführen. Wenn keine Störung vorliegt, sind die Eltern erleichtert. Wenn tatsächlich eine Störung vorliegt, kann man sehr gut behandeln.

Was sind die Ursachen psychischer Störungen bei Kleinkindern?

Von Gontard: Es gibt Störungen, bei denen Anlagen, genetisch bedingte Ursachen eine Rolle spielen. Bei anderen sind Umweltfaktoren entscheidend. Oft ist es ein Zusammenspiel von beiden. Bei ADHS, die man im Alter von drei bis vier Jahren feststellen kann, spielen genetische Faktoren zu 70 Prozent eine Rolle. Bei Kindern, die eine autistische Störung haben, sind es 90 Prozent Genetik. Bei posttraumatischen Belastungsstörungen ist das erlebte Trauma ausschlaggebend. Risikofaktoren liegen in der Familie, wenn etwa ein Elternteil selber eine depressive Störung hat, weiß man, dass dies ein sehr hohes Risiko darstellt.

Welches sind die wichtigsten Fragen für die Fachtagung?

Von Gontard: Wir haben wichtige Störungen rausgesucht: die Schlafstörungen, Fütter- und Essstörungen, die depressiven Störungen und die Angststörungen. Am Samstag stehen ADHS und Störungen des Sozialverhaltens auf der Tagesordnung. Wir wollen auch gerne die neuen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung psychischer Störungen bei jungen Kindern vorstellen. Die werden nach der Verabschiedung durch die ärztlichen Fachgesellschaften online für jeden zur Verfügung gestellt.
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