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Expertenteam der Saarbrücker Polizei über Jugendkriminalität

Dieses Verbrechen hat Menschen im ganzen Saarland wütend gemacht. Wer verwüstet die Brebacher Kirche „Maria Hilf und St. Martin“ und ergreift, von einer Zeugin aufgescheucht, die Flucht? Der Schaden geht in die Tausende. Schon kurz nach der Tat ermittelt die Polizei zwei Haupttäter und zwei Komplizen. Allesamt Kinder und Jugendliche. Typisch! Wirklich?

Nein, sagen die Experten, die nach der guten Vorarbeit der Wache Brebach den spektakulären Fall von Vandalismus weiterbearbeiten. Sie gehören zum Sachgebiet Jugendkriminalität des Kriminaldienstes Saarbrücken und stellten der Saarbrücker Zeitung gestern ihre Arbeit vor. 17 Männer und Frauen arbeiten sich jedes Jahr durch rund 2500 Kriminalfälle. Das macht 150 Fälle je Ermittler, bedeutet Vernehmungen, Aktenstudium, Gespräche mit anderen Behörden, Aussagen vor Gericht. „Eine Entspannung beobachten wir nicht“, sagt Patrik Siegwart, der Leiter des Jugendsachgebiets, auf die Folgen der alternden Gesellschaft angesprochen. „Außerdem hat sich das Anzeigeverhalten geändert. Nach jugendtypischen Auseinandersetzungen, die die Familien früher unter sich regelten, gehen Opfer und Eltern heute zur Polizei.“

Die Klientel ist maximal 21 Jahre alt. Vandalismus wie die Kirchenschändung in Brebach spielt keine große Rolle. „Das war eine für Jugendliche ganz untypische Tat“, sagt Siegwart.

Viel häufiger sind die Ermittler mit Ladendiebstählen, Körperverletzungen und Graffiti konfrontiert. Ein anderes Delikt ist seit einigen Jahren im Kommen: Handyraub, im Jugendjargon „Abrippen“. Ein Verbrechen, auf das im Normalfall mindestens ein Jahr hinter Gittern steht.

Siegwart schildert den typischen Hergang: „Der Täter fragt nach der Uhrzeit, das Opfer nimmt dafür das Handy raus. Schon ist es weg. Manchmal ahnten die Beraubten aber schon, was auf sie zukommt.“ Doch eine Chance, den Verbrechern zu entgehen, sahen sie nicht mehr. Vor allem, wenn die Gegenseite sich in Überzahl zur Drohkulisse aufgebaut hat.

Die kriminellen Karrieren, die das Siegwart-Team beenden soll, sind oft lang. „Die Intensivtäter machen nur fünf Prozent unserer Klientel aus, aber sie verüben 40 Prozent der Taten“, sagt ein langjähriger Ermittler aus dem Sachgebiet. Typisch für diese Gruppe? Mit Schulschwänzen geht’s los. Grenzen gibt’s mangels Erziehung nicht, Respekt vor dem Eigentum und der Würde anderer auch nicht.

Aber Aufgeben gehört nicht zum Tätigkeitsprofil der Jugend-Experten. „Wir arbeiten eng mit der Jugendgerichtshilfe und dem Jugendamt zusammen. Deshalb haben wir wegen des erzieherischen Ansatzes im Jugendstrafrecht mehr Möglichkeiten, noch etwas zu bewirken, als das bei Erwachsenen der Fall ist.“ Und mitunter nutzt sogar gerade der heftigste Denkzettel noch was: der Aufenthalt im Ottweiler Jugendknast. Auf dem Weg dorthin sahen die Polizisten schon etliche scheinbar Hartgesottene weinen. Aber so mancher junge Kriminelle hat auch erst dort den Schulabschluss geschafft.
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