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FCK-Chef über Geld, Werte und Fritz Walter

Saarbrücken. Stefan Kuntz hat eine vorstechende Fähigkeit: Er redet geradeaus. Wenn der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern über seinen Verein spricht, erklärt er, gestikuliert, holt aus und fügt oft die Nebensätze „?.?.?. das ist wie daheim auf dem Fußballplatz“ und „?.?.?. das hat schon meine Oma gesagt“ hinzu. Kuntz ist in der Redaktion zu Besuch und erzählt beispielsweise, wie der Transfer des israelischen Stürmers Itay Shechter von Hapoel Tel Aviv zum Bundesligisten zu Stande kam: „Eigentlich ist alles klar. Dann verweigert einer der Präsidenten von Hapoel die Unterschrift. Darauf schalten sich Dutzende Anwälte ein, und wir müssen Schreiben aus dem Hebräischen übersetzen. Das ist ein Hickhack über acht Wochen, und am Ende sieht die letzte Version des Vertrages aus wie die erste.“

Der 49-Jährige wirkt amüsiert, wenn er den offenbar normalen Wahnsinn bei einem Transfer beschreibt: „Mit Abpfiff des letzten Spieltags beginnt für mich die stressigste Zeit des Jahres. Alle gehen in Urlaub, einer muss da bleiben und die Sachen unterschreiben.“ Drängt sich die Frage auf, wie der Chef in der stressigsten Zeit des Jahres reagiert, wenn die Meldung kommt, dass Stürmer Adam Nemec vom Kirschbaum fällt und sich an der Schulter verletzt. Oder Torwart Tobias Sippel betrunken Fahrerflucht begeht. „Einerseits geht man da an die Decke, andererseits weiß ich auch, dass junge Menschen Sachen machen, auf die sie später nicht stolz sind. Gerade Tobias’ Umfeld ist jetzt gefordert. Es ist diese unkonventionelle Art, die den Ex-Polizisten beliebt macht.

Seit 2008 sitzt er in Kaiserslautern auf dem Chefsessel, hat gerade den Vertrag bis 2015 verlängert. Seit er da ist, geht’s aufwärts. Er hat den FCK vom Fast-Abstieg in die 3. Liga auf Rang sieben der 1. Liga geführt. Aber vor allem hat er die Identifikation der Fans mit dem FCK zurückgebracht. Statt „Die da oben auf dem Berg“ heißt es wieder „Unsere Jungs“. Der FCK lag vergangene Saison mit durchschnittlich 42?982 Zuschauern pro Spiel auf Platz 16 im europäischen Vergleich. Kuntz: „Wir müssen nicht drüber reden, dass die Unterstützung wichtig ist. Wir sehen ja bei Srdjan Lakic vergangene Saison oder nun bei Manuel Neuer, welchen Einfluss Fans haben. Das ist wie daheim auf dem Fußballplatz. Wenn zehn eigene Leute ‚Du Blinder’ schreien, wurmt das auch.“

Ein volles Stadion hat Kuntz erreicht, ein voller Geldbeutel ist die schwierigere Aufgabe. „Es ist kein Geheimnis, dass wir zur finanziellen Konsolidierung drei Jahre Bundesliga spielen müssen.“ Mit 15 Millionen Euro liegt der FCK auf Platz 17 der Etat-Tabelle. Nur der SC Freiburg hat weniger Geld (13,5 Millionen).

Trotzdem wehrt sich Kuntz gegen Vermarktung um jeden Preis. Das Fritz-Walter-Stadion wird weiter so heißen, der Stadionname wird nicht verkauft: „Wir haben mit Fritz Walter und den Werten, die er verkörpert, ein Alleinstellungsmerkmal.“ Kuntz wird euphorisch, wenn er über die Tugenden des Ehrenspielführers spricht, mahnt aber: „Ich glaube, diese Werte geraten in Vergessenheit. Gerade deshalb müssen wir sie wahren. Dafür sind wir bereit, einen Preis zu zahlen.“

Werte vermitteln tut offenbar auch Marco Kurz. „Es gibt Trainer, die sich gut verkaufen können, und Trainer, die sich auf den Inhalt konzentrieren. Meine Oma hat gesagt: Man darf kein Besserwisser sein, man muss ein Bessermacher sein. Ich bin froh, dass Marco zur zweiten Sorte gehört. Ich kenne keinen, der Spieler so gut entwickeln kann.“ Geht es nach Kuntz, soll Kurz bald auch eigene Jugendspieler entwickeln. „Wir wollen ein Nachwuchsleistungszentrum haben, das unabhängig von den Profis finanziert wird. Hat sich die Stimme Kuntz’ bei Fritz Walter mit Euphorie gefüllt, zieht er beim Thema Jugendspieler die Stirn zusammen. Fällt das Wort „Berater“, schwillt sein Hals an. „Ich habe das Gefühl, dass die Jungs extrem unselbstständig sind. Sie entscheiden nichts selbst. Es fehlt noch, dass ihre Berater ihnen sagen, ob sie den Kaffee mit Milch oder mit Zucker trinken sollen.“ Jede Oma der Welt würde das wissen.

Auf einen Blick

An diesem Sonntag erwartet der 1. FC Kaiserslautern den FC Augsburg um 15.30 Uhr zum ersten Heimspiel. Nach dem 0:2 zum Saisonauftakt bei Werder Bremen will FCK-Chef Stefan Kuntz, „dass wir wieder die Besessenheit und Konsequenz haben wie vergangene Saison. Das habe ich in Bremen in den Zweikämpfen etwas vermisst. Wir müssen jeden Tag kämpfen, um in der Liga zu bleiben“. msc

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