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FCK spendet Gage für Gewaltopfer Britta aus Scheuern

Bei einer Benefizveranstaltung 2013 kam  Britta im Rollstuhl zusammen
mit ihrer Mutter Regina Backes. Herzlich wurden beide von den vielen Gästen begrüßt. (Archivfoto)

Bei einer Benefizveranstaltung 2013 kam Britta im Rollstuhl zusammen mit ihrer Mutter Regina Backes. Herzlich wurden beide von den vielen Gästen begrüßt. (Archivfoto)

Scheuern. Eine Mannschaft in roten Trikots und elf Spieler in weiß gekleidet versammeln sich am Mittelkreis des Scheuern Kunstrasenplatzes. Soweit nichts Ungewöhnliches. Immerhin soll gleich der Anpfiff erfolgen. Die Teams stellen sich auf und plötzlich ist ein ganz besonderer Gast in ihrer Mitte. Reiner Schug schiebt den Rollstuhl mit seiner Tochter Britta über den Rasen. Die 27-Jährige lächelt, klatscht mit den Spielern ab. „Ach, wie schön“, geht ein kollektives Raunen durchs Publikum. Und Regina Backes, Brittas Mutter, greift zum Taschentuch. Sie kann nichts gegen die Tränchen tun, die in den Augenwinkeln aufblitzen. Ein ganz besonderer Moment. Mit dem Wimpel der Traditionself des FCK in der Hand kommt Britta zurück an den Spielfeldrand. „Für wen sollen wir denn die Daumen halten? Wer hat die hübscheren Spieler?“, fragt eine Bekannte der Familie in die Runde. „Die Roten“, antwortet Britta spontan und grinst. Die 27-Jährige ist Fußballbegeistert, hat während der Weltmeisterschaft in Brasilien kein Spiel im Fernsehen verpasst. Ihre Lieblinge in der deutschen Elf heißen Manuel Neuer und Mario Götze. Die stehen an diesem Sonntag in Scheuern nicht auf dem Platz. Dafür die Traditionself der Roten Teufel und eine Ü40-Auswahl aus der Region. Als Höhepunkt der Sportwerbewoche hat der SV Scheuern diesen Benefiz-Tag „Gemeinsam für Britta“ organisiert.

Insgesamt fünf Fußballspiele gibt es über den Tag verteilt. Los geht es schon am Morgen mit dem Frühschoppen und den Jugend-Kickern des Heimatvereins. „Da ist schon ordentlich viel los gewesen“, sagt Manfred Wagner, Mit-Organisator vom SV Scheuern am frühen Nachmittag zufrieden. Zwischendrin wird es etwas ruhiger. Doch pünktlich zum Anpfiff des Höhepunktes sind knapp 500 Leute am Sportplatz. „Es gefällt mir gut heute“, sagt Britta und kommt aus dem Strahlen gar nicht mehr raus. Hier eine Umarmung, da ein Händeschütteln.

Die Menschen kommen gerne zur Benefiz- Veranstaltung und sie kommen für Britta. Es ist diese Solidarität, die auch ihrer Mutter Regina Backes viel bedeutet. Diese Geste sei noch mehr wert als das Geld, das bei der Veranstaltung für die 27- Jährige gesammelt wird. Der Erlös des Benefiz-Tages „Gemeinsam für Britta“ fließt komplett in die Renovierung von Brittas Wohnung. Die wird derzeit rollstuhlgerecht umgebaut.

Die Traditionself des FC Kaiserslautern hat ihre Antrittsgage von 2500 Euro gespendet. Einen zweiten Scheck in Höhe von 250 Euro gibt es an diesem Sonntag aus der Fanregion Saarland/Luxemburg des 1. FC Kaiserslautern. Mit 6:1 gewinnen die Ex- Profis schließlich gegen die Ü40-Auswahl aus der Region. „Das Ergebnis ist nebensächlich. Es geht um die Sache“, sagt Hardy Höfli, Teammanager der Traditionself. Er kommt zum Plaudern bei Britta vorbei. Schon per Facebook hat er den Kontakt zu der jungen Frau gesucht. „Es ist schlimm, wenn man von einem solchen Schicksal hört“, sagt Höfli.

Aus Zeitungsartikeln weiß er von dem Gewaltverbrechen, dem Britta 2012 zum Opfer fiel. Für ihn und sein Team ist es selbstverständlich, zu helfen. Den Ausflug ins Saarland hat er genossen: auch die tolle Atmosphäre.

Britta weiterhin in Reha

Auch Manfred Wagner ist beim Blick auf die Zuschauerschar zufrieden: „Er hat Spaß gemacht.“ Sportverein und die Aktionsgruppe „Gemeinsam für Britta“ haben Hand in Hand eine gelungene Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Neben den aktiven Mannschaften, den vielen Helfern und Zuschauern hat noch jemand zum Erfolg beigetragen: das Wetter. Die vorausgesagten Unwetter bleiben aus. „Das erste, was mich Britta heute Morgen gefragt hat, war: Regnet es?“, erzählt Regina Backes. Ihre Tochter habe sich schon lange auf die Veranstaltung gefreut. Und so hat der Himmel dann auf Fritz-Walter- Wetter verzichtet. Britta ist zurzeit in Reha in der Bosenberg-Klinik in St. Wendel. Dort arbeitet sie hart an ihren Fortschritten. Zwei Sekunden kann sie jetzt selbstständig stehen. „Wir verdanken den Therapeuten sehr viel. Sie leisten tolle Arbeit“, sagt Regina Backes.

Innerhalb eines Jahres hat ihre Tochter unglaublich viel erreicht. Jetzt wünscht sich Britta, die früher gerne geritten ist und eigene Pferde hatte, eine Reit-Therapie. Kaum ausgesprochen, lächelt sie wie so oft an diesem Tag. Könnte nur jedes Wochenende so sein, habe sie zu ihrer Mutter gesagt. Denn vor dem sportlichen Tag in Scheuern hatte am Samstag ein Konzert in Kastel angestanden (Bericht folgt).
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