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FCS-Fanclub: Die Akte „Saarlandbrigade“

Um den Fanclub Saarlandbrigade gibt es Ärger.

Um den Fanclub Saarlandbrigade gibt es Ärger.

9. November, Ludwigspark. Heimspiel gegen Münster. Zur Halbzeit steht es 0:1. Peter Thielges, ehrenamtlicher Fanbeauftragter des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken, steht mit einem Mikro auf der Laufbahn. Neben ihm warten drei Jungs des Fanclubs „Saarlandbrigade“. Sie sind zum „Fanclub des Monats Oktober“ auserkoren. Ein Fünf-Liter-Fass Bier gibt es, eine Urkunde, ein paar nette Worte.

 Fünf Minuten dauert die Ehrung. Die Brigade hatte in Gersweiler eine Fangarage eröffnet. „Als Treffpunkt für alle FC-Fans“, erklärt Thielges. Daher habe sie jemand zur Ehrung vorgeschlagen, und „daher haben wir sie geehrt“, sagt der Fanbeauftragte. Die drei Jungs auf den Bildern liegen sich in den Armen. Zwei mit akkurat rasierter Glatze sind dabei, einer trägt eine Lonsdale-Jacke. Sie kleiden sich wie Rechte. „Der FCS ehrt Nazis“, denken nicht wenige der 7000 Zuschauer. Und das am 9. November 2013. Am 75. Jahrestag der Reichspogromnacht. Ein Skandal – das ist der erste Reflex.

Rücktritt von Palm

Einen Tag später gibt es erste Briefe ans Fanprojekt unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt. Die Fanbeauftragten des Vereins, Thielges und Meiko Palm, haben zunächst keine Beschwerden erhalten. Knapp vier Wochen später erscheint auf einem Internet-Blog und bei der Antifa-Seite „linksunten.indymedia.org“ ein offener Brief aus der Feder von „fcs.antiraciste“. Er kritisiert anonym die Ehrung heftig, dieser Brief kommt auch zu Thielges und Palm. In den Reihen der Saarlandbrigade befänden sich „rechtsoffene bzw. rechtsradikale Personen. So zum Beispiel?.?.?.“, schreibt „fcs.antiraciste“. Er nennt den Klarnamen, zeigt Bilder der Person dazu. Immer mehr Leute interessieren sich für die Ehrung – unter anderem auch der Verfassungsschutz. Der Druck auf Verein, Fanbetreuung und Brigade wächst. Palm erzählt, dass er „fcs.antiraciste“ zu Vier-Augen-Gesprächen eingeladen habe. „Er hat immer abgesagt, wollte nicht aus der Anonymität raus.“

Palm versichert, dass er und Thielges die Brigade vor der Ehrung gegengecheckt haben. „So gut es halt geht zwischen Ehrenamt und Job“, meint Palm. Die Brigade habe „keinen Stadionverbotler in ihren Reihen. Sie sind im Stadion noch nie mit rechter Symbolik auffällig geworden“, sagen beide. Dass sie Lonsdale-Klamotten und Kategorie-C-Shirts (Hooligan-Band und Hooligan-Kategorie) tragen, sei im Fußballkontext nicht zwingend ein Zeichen für rechts. „Wir bewerten niemanden nach seinem Aussehen“, sagt Thielges: „Wir können nur bewerten, wie sie sich im Stadion geben.“ Warum die Brigade am 9. November geehrt wurde, ist für die Fanbeauftragten kein Kritikpunkt. Wenn sie sauber seien, sei auch der 9. November zur Ehrung okay.

Am 10. Dezember zog der Verein den Preis dennoch zurück. Das tat er auf der FCS-Internetseite. Eine offizielle Pressemitteilung verschickte der FCS nicht. Unter der Überschrift „Mitteilung der Fanbetreuung des 1. FC Saarbrücken“ stand da: „Bei nachträglicher Überprüfung wurde festgestellt, dass der Fanclub offen ist für Personen mit nationalsozialistischem Gedankengut. Dies ist für uns in keinster Weise akzeptabel und tolerierbar.“
Von dieser Mitteilung wusste Palm nichts, Thielges schon. „Es gab so viel Druck von außen, dass wir irgendwie handeln mussten“, sagt Thielges. Offenbar vorschnell. Einen Tag, bevor der FCS die Ehrung entzog, hatte die Saarlandbrigade den Preis von sich aus zurückgegeben. „Das hat sich mit unserer Mitteilung überschnitten, ich habe die der Brigade zu spät wahrgenommen“, sagt Thielges.

Palm hat auch deswegen am 12. Dezember angekündigt, sein Amt ab dem kommenden Jahr ruhen zu lassen. „Die undifferenzierte Aufarbeitung dieser Ehrung hat dazu geführt, dass es nur noch Verlierer gibt“, sagt er: das Image des FCS, die Fanbetreuer, auch die 38 Mitglieder der Saarlandbrigade, für die keine Grautöne mehr gelten.

Brigade bestreitet Vorwürfe

 Am 9. Dezember schrieb die Brigade an den FCS und nahm zu den Rassismus-Vorwürfen und zum von „fcs.antiraciste“ benannten Mitglied Stellung. Es wurde längst aus dem „Fanclub verwiesen“, heißt es. Palm erklärt, dass er dies nicht wusste, dass „wir ja auch nicht von jedem aktuellen und ehemaligen Fanclubmitglied ein polizeiliches Führungszeugnis vorliegen haben“. Und die Brigade bestreitet auch, „dass wir in unserem Fanclub ein gewalttätiges und nationalsozialistisches Gedankengut pflegen würden. Dem widersprechen wir vehement.“ Die Brigade gibt also zu, dass sie Radikale in ihren Reihen hatte, sich aber davon distanziert. Das Schwarz-Weiß-Denken fällt daher schwer.
Jörg Rodenbüsch, Leiter des Saarbrücker Fanprojektes „Innwurf“, kennt die Gruppe und erklärt: „Ich würde sie nicht in eine politische Schublade stecken wollen. Das wäre zu einfach. Doch wer den Namen Brigade wählt, definiert sich auch über Stärke und Macht. Früher ordnete man solche Gruppen wohl bei den Halbstarken ein.“ In Bierseligkeit würden sie mal Maß und Ordnung vergessen, da wären auch Grenzüberschreitungen dabei, die bedrohlich wirken und „auch sind“. Sie hätten auch ein entsprechendes Auftreten. Geehrt hätte er sie daher nicht. „Letztlich ist die Saarlandbrigade ein gutes Beispiel dafür, bei dem man dazu neigt, zu sagen: Die meinen es nicht so. Dabei sollte man stets genau hinschauen. Erst recht, wenn man ehrt.“

Den Fanbeauftragten macht er dennoch keinen Vorwurf, sie seien schlicht überfordert: „Die Ehrung wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht passiert, wenn die Fanbetreuung hauptamtlich arbeiten könnte. In der 3. Liga ist das Pflicht.“

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