Saarland: B 269 - Ortslage Tholey; es kommt zu Verkehrsbehinderungen im Zuge eines Feuerwerheinsatzes. (12:06)

B269

Priorität: Dringend

4°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
4°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

FCS-Trainer appelliert an die Fans

Fuat Kilic, Trainer des 1. FC Saarbrücken, zu Gast auf der Redaktionscouch. Er beschwerte sich auch über Kritik aus dem Internet.

Fuat Kilic, Trainer des 1. FC Saarbrücken, zu Gast auf der Redaktionscouch. Er beschwerte sich auch über Kritik aus dem Internet.

Ich bin Fuat Kilic und möchte, dass die Menschen mich als Individuum beurteilen und nicht mit irgendjemanden in eine Schublade stecken“, betont der 41-jährige Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken beim Besuch in der Sportredaktion der Saarbrücker Zeitung . Und: „Ich wünsche mir, dass die Fans die Geduld haben, mir die Chance zu geben, mit dem Verein etwas zu erarbeiten.“

 Seit 10. Februar ist Kilic Cheftrainer beim FCS, konnte die unter seinem Vorgänger Milan Sasic begonnene Talfahrt in der 3. Liga aber nicht bremsen. „Der Abstieg hat mich sehr mitgenommen“, gesteht Kilic, „ich bin jemand, der sich oft hinterfragt. Vielleicht habe ich mich in den letzten Monaten zu oft vor die Mannschaft gestellt, statt einige Spieler auch öffentlich mit in die Verantwortung zu nehmen. Manche haben das vielleicht als Alibi angenommen.“
Doch die Misere ist abgehakt. Kilic hat das Vertrauen der Vereinsführung, seinen Lebenstraum zu erfüllen. „Darauf habe ich Jahre hingearbeitet, ohne irgendeinen Zeitplan zu verfolgen“, sagt der Deutsche mit türkischen Wurzeln, „jetzt habe ich die Chance, selbst eine Mannschaft zusammenzustellen. Eine Chance, die ich ergreifen muss.“
Kilic ist ein Arbeiter. Urlaub hat er keinen gemacht. Schon zum Ende der Saison hat er sich parallel zur Spielvorbereitung beim FCS viele potenzielle Neuzugänge angeschaut, dabei Tausende von Fahrtkilometern heruntergespult. „Die letzten Wochen waren hart“, sagt Kilic und erklärt das, was er in der Vergangenheit immer als „den Weg“ bezeichnet hat, den er gehen möchte: „Ich brauche Spieler, die verstehen, wie ich Fußball entwickeln möchte. Ich brauche Spieler, die sich zu 100 Prozent mit ihrem Beruf identifizieren und nicht jeden Tag den Trainer als Animateur brauchen. Wir wollen eine Mannschaft aufbauen, die wir dann punktuell verstärken, um letztendlich dahin zu kommen, dass wir aufsteigen.“

Aber Kilic sagt auch, dass der direkte Wiederaufstieg nicht das Ziel sein könne. „Wir wollen uns etablieren und oben festsetzen“, sagt der Trainer, „ich möchte, dass wir Dominanz auf dem Platz ausüben. Ballbesitz muss immer eine klare Richtung zum gegnerischen Tor haben. Ich möchte dynamisches Umschaltspiel sehen, dabei aber nie die Ordnung verlieren.“ Dies mit der gänzlich neu formierten Mannschaft umzusetzen, bedürfe Zeit. Darum sei man sicher kein Favorit in der Regionalliga. „Elversberg liegt, wenn man den Marktwert betrachtet, klar vor uns. In vielen anderen Mannschaften hat es auch große personelle Veränderungen gegeben. Darum muss man sehen, wie schnell die neuen Mannschaften zusammenfinden und funktionieren.“ Dabei sei man beim FCS auf einem guten Weg. Einige Spieler hätten Wohngemeinschaften gegründet, die Identifikation mit Stadt und Verein sei bereits enorm groß.

Die Runde beginnt für den FCS mit dem Saarderby am 1.? August beim FC Homburg. Für Kilic nur eines von vielen Freitagabend-Spielen: „Flutlichtspiele finde ich geil. Ob es geil ist, in Homburg zu beginnen, weiß ich nach dem Spiel. Aber letztendlich haben alle Spiele die gleiche Bedeutung. Wobei es natürlich wichtig ist, gut in die Saison reinzukommen.“ Sollten die geplanten Baumaßnahmen im Ludwigspark tatsächlich beginnen, ist Kilic dafür, eine Ausweichspielstätte zu suchen. Spiele in der Baustelle soll es nach Möglichkeit nicht geben.

Bleibt eine Baustelle zu klären, die viele Anhänger kritisch sehen: Die Funktion und Zusammenarbeit mit seinem bei einigen Fans beinahe verhassten Vorgänger. „Ich habe ein freundschaftliches Verhältnis zu Milan Sasic, und er ist so lange im Geschäft, dass ich mir gerne Ratschläge bei ihm hole“, sagt Kilic, stellt aber sofort klar: „Milan Sasic ist beim Hauptsponsor angestellt. Damit habe ich kein Problem, weil er keine Entscheidungen trifft. Alle sportlichen Entscheidungen treffe ich. Natürlich auch in Absprache mit dem Präsidenten, dem Schatzmeister und dem Aufsichtsratsvorsitzenden. Ich bin in meiner Handlungs- und Entscheidungsweise völlig frei.“

Dass Sasic, einige Spieler, aber auch Kilic selbst in Internetforen zum Teil massiv attackiert wurden, ärgert den Cheftrainer. „Das ist keine sachliche Kritik. Da wird in der Anonymität des Internets regelrecht Hetze betrieben. Ich habe gesehen, wie der Mensch Milan Sasic unter dem Misserfolg gelitten hat. Aber er hat sich nicht verpisst, will jetzt in anderer Funktion mithelfen, die Dinge zu korrigieren.“

Knapp zwei Wochen vor dem Saisonstart ist die Kaderplanung des FCS noch nicht abgeschlossen sei. Ein auf allen Positionen der Viererkette flexibel einsetzbarer Abwehrspieler soll noch kommen. „Und wir werden noch in der Offensive nachlegen. Drei Stürmer sind für die lange und harte Saison zu wenig“, sagt Kilic und redet am Ende seines Besuchs doch noch über das Thema Aufstieg: „Die Aufstiegsregelung in der Regionalliga ist einfach beschissen. Wenn einer Meister wird, dann sollte er auch aufsteigen dürfen.“ Die beiden Tabellenersten der Regionalliga Südwest müssen durch die Relegation. Und für nicht wenige Anhänger des Gründungsmitglieds der Bundesliga ist einer dieser Plätze das Minimalziel.
  Schwan freut sich auf die neue Truppe Betreuer des FCS zufrieden mit den neuen Spielern – „Sehr ordentlich“

Saarbrücken.
Seit über 30 Jahren ist Helmut Schwan beim 1. FC Saarbrücken tätig. Ehrenamtlich. Als Betreuer, als 2. Vorsitzender oder als Anti-Doping-Beauftragter. Wieviele Spieler er kommen und gehen sah, weiß er nicht mehr. „Rechnen Sie mal so zehn bis 15 Neue pro Saison, dann sind wir bei 400 oder 450. Alles unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichem Charaktären“, sagt der 73-jährige St.Arnualer und fügt lächelnd hinzu: „Mittlerweile könnte ich ja schon der Opa von den Jungs sein.“
Vom eigenen Charakter dieser neuen Mannschaft ist Schwan sehr angetan. „Sie sind ausgesprochen höflich, hilfsbereit und diszipliniert. Was mir besonders auffällt, ist die Ordnung. Da bleibt kein Papier liegen, da kommen Bananenschalen sofort in die Mülltonne. Das war nicht immer so, aber es ist eigentlich das erste Gebot.“
Auch intern scheint es zu stimmen. „Es ist unglaublich, wie sehr wir in den wenigen Wochen zusammengewachsen sind. Sowas habe ich selten erlebt“, erklärt Mittelfeldspieler Jan Fießer, der mit Teamkollege Timo Kunert die Mannschaftskasse verwaltet, „das ist charakterlich eine geile Truppe.“ Nach der Katastrophen-Saison 2013/14 hoffen die Fans nun, dass die „geile Truppe“ endlich wieder „geilen Fußball“ spielt. Und das am Besten schon bei einem Auftaktsieg beim FC 08 Homburg. cor

 
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein