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Fachärzte im Stress: Patienten müssen warten

Saarbrücken. Arztpatienten müssen ihre Ansprüche zurückschrauben: „Leistungen werden weniger, Wartezeiten länger, Termine knapper und Rezepte seltener.“ So klar und unverblümt haben es die saarländischen Fachärzte am Wochenende beim 5. Fachärztetag im Saarbrücker Schloss auf einer Schautafel am Treppenaufgang dargestellt. Grund der Misere aus Sicht des Forums: Zu wenig Ärzte für immer mehr ältere und kranke Patienten – und ein trotz steigender Krankenkassenbeiträge kaum noch solidarisch zu finanzierendes Gesundheitswesen.



Alles tun, was man für richtig hält

„Sind wirklich alle Herzschrittmacher erforderlich?“ Und: „Dürfen drei Monate Lebensverlängerung 100 000 Euro und mehr kosten?“, fragte Professor Fritz Beske (selbst 88 Jahre) vom renommierten Kieler Institut für Gesundheit/System-Forschung. Seine Antwort: „Wie die gesetzliche Krankenversicherung auf Dauer bedarfsgerecht finanziert werden soll, ist mir ein Rätsel.“ Die Zahl Demenzkranker und Pflegebedürftiger werde sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln. Jeder Arzt müsse zwar auch künftig bei jedem Patienten alles tun können, was er für medizinisch richtig halte. Er dürfe aber nur etwas verordnen, dessen Nutzen auch wissenschaftlich erwiesen sei.

Weitere Wege  und längere Wartezeiten

„Weitere Wege zum Facharzt und längere Wartezeiten müssen akzeptiert werden“, mahnte der Präsident der Ärztekammer Saar, Dr. Josef Mischo. Er verlangte zudem eine größere Eigenverantwortung der Bürger für ihre Gesundheit. Dr. Thomas Lamberty vom saarländischen Gesundheitsministerium befürchtet, der schon vorhandene Ärztemangel werde durch den demographischen Wandel noch verstärkt. Schon heute sei jeder fünfte Bürger über 65 Jahre, bis zur Mitte des Jahrtausend werde es jeder Dritte sein. Das belaste die sozialen Versicherungssysteme zusätzlich.

Nachwuchsmangel trifft auch die Hausärzte

Facharzt-Forum-Vorsitzender Dr. Dirk Jesinghaus bekam viel Applaus, als er mit der Vokabel „Sauerei“ öffentlich erhobene Anschuldigungen zurückwies, wonach viele Ärzte nicht ethisch handeln würden. Seine Leistungen müssten außerdem adäquat vergütet werden.

Dr. Jürgen Bethscheider vom Saarländischen Hausärzteverband, meinte, der Nachwuchsmangel treffe auch die Hausärzte. Michael Keck von der Barmer Ersatzkasse bestritt dagegen, dass es im Saarland einen aktuellen Ärztemangel gebe. „Einzige Ausnahme vielleicht: Die Augenheilkunde.“ Der Saarlouiser Orthopäde und Chefarzt Dr. Michael Kunz mahnte, auch in den Kliniken mehr an die Patienten zu denken. „Es kann nicht sein, dass jemand jeden Tag einen anderen Arzt am Krankenhausbett sieht.“

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