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Fachmann bestärkt Taubenschützer: Saarbrücker Verein kämpft seit einem Jahrzehnt für verkannte Stadtbewohner

Was für ein Jahr. Es gab Lob von der Ministerpräsidentin, einen respektablen 75. Platz beim Deutschen Engagementpreis und sehr viel Arbeit. Bei Wind und Wetter. In luftigen Höhen. Immer dann, wenn andere frei haben. All das taten Helga Ehretsmann und die übrigen Mitglieder des Vereins Stadttauben Saarbrücken für verkannte Vögel . Und dafür, ihre Vermehrung artgerecht unter Kontrolle zu halten.

2015 ging das erste Jahrzehnt der Vereinsgeschichte zu Ende. Ein Grund mehr für Ehretsmann zum Rück- und Ausblick. „In diesen ersten zehn Jahren haben wir in unseren Taubenhäusern insgesamt 15 000 Taubeneier gegen Attrappen ausgetauscht und 40 Tonnen Taubenkot entfernt.“

Dabei erledigten fünf der 55 Mitglieder die anstrengende Alltagsarbeit. Sie betreuten die Taubenhäuser, retteten im Stadtgebiet junge, verwaiste, kranke oder behinderte Tiere. Dann brachten sie die Vögel auf Pflegestellen unter, bis die Tauben wohlauf waren. Ehretsmann ist sicher, dass dem Verein diese Arbeit nicht ausgeht.

Verwahrloste Gebäude in der Innenstadt böten Tauben nach wie vor viel Platz, sich unkontrolliert zu vermehren. So waren Tauben in einem leerstehenden Haus an der Gerberstraße über Jahre sich selbst überlassen. Mit schlimmen Folgen, wie die Tierschützerin sagt. „Die Kurzformel lautet: Verwahrlosung der Gebäude gleich Verelendung der Stadttauben“. Um den Vögeln Alternativen zu bieten, macht Ehretsmann sich für zwei weitere Taubenhäuser stark. Eins sollte in der Nähe des Hauptbahnhofs, eins unweit der Wilhelm-Heinrich-Brücke stehen.

Während die Probleme nicht schwinden, fehlt den Ehrenamtlichen das Personal. Ehretsmann sieht die Helferteams in den Taubenhäusern am Rande ihrer Kräfte. „Wir werden auch oft gerufen, wenn jemand Tauben im Haus hat und nicht weiß, was zu tun ist. Dafür brauchen wir Leute.“ Eins macht Ehretsmann aber stolz: So klein die Helferschar auch ist, so groß ist doch die Anerkennung für ihre Arbeit. Marcellus Bürkle, ein sogar über Deutschland hinaus bekannter Fachtierarzt, besuchte die Taubenschützer im März.

Bürkle sagte am Taubenhaus, es gebe zwar „kein Ei des Kolumbus“, um die Population von Stadttauben zu begrenzen. Die Saarbrücker Methode sei aber nicht die schlechteste. Dort werde sehr gut gearbeitet.
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