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Fällt im Saarland bald der Unterricht aus?

Saarbrücken. Wenn irgendwo im Saarland ein Lehrer krank oder eine Lehrerin schwanger wird, rückt sie zum Einsatz aus: die Lehrerfeuerwehr. Die Pädagogen aus der mobilen Lehrerreserve, wie die Lehrerfeuerwehr eigentlich heißt, übernehmen dann den Unterricht des ausfallenden Lehrers. Da kann es passieren, dass ein Deutschlehrer auch mal Mathematik unterrichten und eine längere Anfahrtszeit zur neuen Schule in Kauf nehmen muss. So sollen Unterrichtsausfälle vermieden werden, erklärt Annette Reichmann, Sprecherin des Kultusministeriums. Jeder Lehrer aus der mobilen Reserve sei, wenn nicht im Einsatz, einer Stammschule zugeordnet. Dort soll er seine Kollegen unter anderem bei der individuellen Förderung der Schüler unterstützen.
 
Eltern- und Lehrerverbände kritisieren jedoch das derzeitige Modell. „Am Ende eines Halbjahres, meist schon vor den Herbstferien, ist die Reserve aufgebraucht“, sagt Herbert Möser, Vorsitzender des saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (SLLV). An den Erweiterten Realschulen herrsche „ein krasser Lehrermangel, und an Förderschulen sind jetzt schon Unterrichtsausfälle abzusehen“, so Möser. Fakt sei, dass für Mangelfächer wie Naturwissenschaft, Musik und Kunst vielerorts keine Lehrer mehr da seien. Dieser Mangel wird durch fachfremde Lehrer, oft aus der mobilen Lehrerbereitschaft, nur verwaltet. Kritik äußert er auch zur gängigen Praxis, Berufseinsteiger für die Reserve zu verpflichten: „Wer fachfremd und mobil in den Stundenplan eines anderen Lehrers einspringt, muss Unterrichts- und Berufserfahrung haben. Von jungen Leuten kann man das nicht erwarten.“

Auch die Vorsitzende des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Erweiterten Realschulen (VDR), Inge Röckelein, sieht im Lehrermangel das Hauptproblem der mobilen Lehrerbereitschaft. Die meisten Lehrer der mobilen Reserve seien von Anfang des Schuljahres an, fest in den Stundenplan integriert. „Sie könne gar nicht die Funktion ausüben, die sie eigentlich ausfüllen soll. Von einer mobilen Reserve kann also nicht gesprochen werden.“

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus Kessler, bestätigt die Kritik. „Die mobile Lehrerreserve ist unterdimensioniert und funktioniert nur in begrenztem Umfang“. Lehrer aus der mobilen Lehrerreserve würden lediglich dabei helfen die Statistik für Unterrichtsausfall zu bereinigen, zur Qualitätssteigerung des Unterrichts tragen sie nur wenig bei. Zu 70 bis 80 Prozent würden die Lehrer fachfremd arbeiten, sagt Kessler.

Die GEW fordert ab einem Kollegium von 20 Lehrern, zwei mobile Pädagogen, ab 40 Lehrern drei und ab 60 Lehrern vier Lehrer als mobile Reserve, so Klaus Kessler. Das Kultusministerium weist die Kritik der Verbände zurück. Die 2003 eingerichteten rund 300 Planstellen seien aufgrund von Erfahrungswerten für Vertretungszwecke geschaffen worden, sagt Sprecherin Annette Reichmann. Damit hat das Saarland eine Lehrerreserve von fünf Prozent. „Eine höhere Vertretungsreserve gibt es in keinem Bundesland“. Dass die mobile Reserve auch für den normalen Unterricht eingeplant wird, rechtfertigt sie mit dem Lehrermangel. „Insbesondere im Bereich der Förderschulen ist die Bewerberlage so angespannt, dass die Lehrerreserve vorübergehend zu einem großen Teil strukturell eingesetzt wird.“  Fabian Bosse 
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