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Fall Tanja: Unfall oder Verbrechen?

Am Fuß dieses Felsabhangs unweit der Mosel in Trier wurden am Montag die Überreste der seit 2007 vermissten Studentin Tanja Gräff gefunden. Foto: Rainer Neubert

Am Fuß dieses Felsabhangs unweit der Mosel in Trier wurden am Montag die Überreste der seit 2007 vermissten Studentin Tanja Gräff gefunden. Foto: Rainer Neubert

Sie waren so dicht dran, aber die Leiche haben sie dann doch nicht gesehen. Im tiefen Dickicht unter Ahornblättern und wuchernden Brombeerhecken verborgen lag die tote Tanja Gräff, während um sie herum eine der größten Suchaktionen in der rheinland-pfälzischen Polizeigeschichte ablief. An der 50 Meter hohen Felswand über ihr seilten sich Höhenretter herab. Spürhunde machten vor dem Gesträuch halt, Drohnen und die Wärmebildkamera eines Hubschraubers endeckten die Leiche unter den Baumkronen nicht.

„Wir haben das ganze Gelände mehrfach abgesucht, ohne dass wir auf diesen Punkt kamen“, sagt der Leiter der Trierer Mordkommission, Christian Soulier, am Dienstag. Damit meint er jene zwei mal drei Meter, auf denen am Montag die sterblichen Überreste der seit Juni 2007 vermissten Trierer Studentin von Forstarbeitern zufällig entdeckt wurden. Zunächst war es nur der Schädel, dann fanden Ermittler fast das ganze Skelett. Und ihren Schmuck, ihr Handy und ihren Studentenausweis.

Die Trierer Polizei steht unter Erklärungsdruck, denn selten hat ein Vermisstenfall bundesweit derart für Aufsehen gesorgt. Eine junge Frau verschwindet nach einem Sommerfest an der Hochschule – spurlos. Alle Suchaktionen, die bis zu Baggerseen in Luxemburg reichten, verliefen im Nichts. Und dann liegt die Tote gerade mal einen Kilometer von dem Ort entfernt, an dem sie verschwand. „Man kann ja nicht alles roden, was einem im Weg ist“, sagt Soulier.

Schnell waren sich damals Polizei und Staatsanwaltschaft sicher: Die 21-Jährige aus Korlingen musste Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein. Doch nach dem Fund der Leiche stellen sich viele Fragen neu: Ist die junge Frau damals möglicherweise auf dem Felsenhöhenweg aus 50 Metern Höhe abgestürzt? War es ein Unfall? Oder ein Verbrechen?

„Es ist einfach noch zu früh, in Spekulationen einzutreten“, sagt der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. „Wir müssen abwarten, was die Ergebnisse der Rechtsmedizin uns bringen und dann irgendwie versuchen, einen Geschehensablauf zu rekonstruieren.“ Es werde aber auf jeden Fall weiter wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Eine neu gegründete Sonderkommission soll Licht ins Dunkel bringen.

Gibt es DNA-Spuren auf den Kleidern der Toten? Können Verletzungsmuster an den Knochen Auskunft über ihren Tod geben? All diese Fragen werden erst in Wochen beantwortet. Möglicherweise sei es ja auch schon zu spät, meint der Anwalt von Tanja Gräffs Mutter, Detlef Böhm. Hätte man die Tote früher gefunden, wäre die Aufklärung ihres Todes sicher leichter gewesen. Er verstehe nicht, warum die Studentin übersehen wurde: „Es stellt sich jetzt die Frage, wie akribisch die Polizei damals gesucht hat.“
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