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Fall für die Polizei: 200 Wohnwagengespanne belagerten Burbacher Festplatz

Burbach. Ein Aufgebot von rund 30 Polizisten und 10 Bediensteten des Ordnungsamtes, angeführt vom Saarbrücker Polizeichef Peter Becker und Ordnungsamtschefin Sigrid Schneider, erschien gestern gegen 18.30 Uhr auf dem Festplatz auf den Saarterrassen. Die Ordnungshüter hatten ein Ultimatum im Gepäck – gerichtet an zahlreiche Landfahrer-Familien aus Irland und Großbritannien, die sich mit rund 200 Gespannen, also Pkws mit Wohnwagen, auf dem Festplatz niedergelassen hatten.

Das Ultimatum verlangte, dass die Landfahrer den Platz bis heute, Freitag, 12 Uhr, verlassen. Ansonsten müssten sie mit einem Zwangsgeld von 800 Euro pro Gespann rechnen. John Thomas, das Oberhaupt des Landfahrer-Clans, nahm das Ultimatum entgegen und versicherte, seine Leute würden es befolgen: „Ich als Gentleman halte mein Wort.“

Allerdings war das Ultimatum von gestern bereits die zweite schriftliche Aufforderung, den Platz zu räumen. Schon am Mittwochabend war ein Schreiben – auf Deutsch und Englisch – an alle Landfahrer verteilt worden. Es stammte von der Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung (GIU), einer städtischen Beteiligungsfirma, der Eigentümerin des Festplatzes. Die GIU forderte ihre ungebetenen Gäste auf, bis Donnerstag, 18 Uhr, abzureisen. Doch die Landfahrer blieben – und es kamen noch weitere dazu.  Also überbrachten Polizei und Ordnungsamt das zweite Ultimatum – um ihm mehr Nachdruck zu verleihen.

Begonnen hatte die allmähliche Festplatz-Besetzung am Samstag, 7. August. Da kamen die ersten Wohnwagen an. Weitere folgten im Laufe der Woche. „Es wurden immer mehr“, berichtete gestern Nachmittag Jutta Petra-Elss, die an der Hochstraße eine Tankstelle betreibt. Die Nachbarn fragten sich natürlich: Wer ist das, der da campiert? Laut Polizei und Ordnungsamt sind die Eigentümer der Gespanne Angehörige einer aus Irland und Großbritannien stammenden Landfahrer-Nation, genannt Pavees oder Tinker. Sie sind nach wie vor irische und britische Staatsbürger – und mit ihren Gespannen in ganz Europa unterwegs.

Nach eigener Aussage haben sie sich in Burbach getroffen, um gemeinsam am Sonntag, 15. August, Mariä-Himmelfahrt, zu feiern. Davon waren allerdings die Inhaber der Geschäfte in der Nähe des Festplatzes nicht begeistert. Diejenigen, die gestern Nachmittag mit der SZ sprachen, zeigten sich größtenteils geradezu empört über das Verhalten der Landfahrer.

Ein Unternehmer hatte sogar bereits an Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, SPD, geschrieben und „um umgehende Herstellung von Ordnung, Sicherheit und Hygiene“ auf dem Festplatz gebeten. Mehrere andere Unternehmer – die ausdrücklich nicht mit Namen genannt werden wollen – berichteten gestern von „starker Belästigung durch Dreck, Lärm und Fäkalien“. Und die Polizei bestätigte, dass diese Beschwerden berechtigt seien. Außerdem erzählten zahlreiche Burbacher, sie hätten viele „auffällig leicht bekleidete junge Frauen und Mädchen mit neonfarbenen Oberteilen und kurzen Röcken“ gesehen, die in kleinen Gruppen durch die Straßen gestreift seien. Einige Beobachter äußerten die Befürchtung, dass „diese Frauen und Mädchen“ der Prostitution nachgehen könnten.

Uwe Morsch, der auf dem Parkplatz neben den Saarterrassen eine Imbiss-Bude betreibt, berichtete gestern, er habe sogar schon einige der Mädchen von seinem Imbiss verweisen müssen. Polizeichef Peter Becker erklärte gestern Abend, die auffällige Kleidung der Frauen sei seiner Auffassung nach lediglich Provokation gewesen. Außerdem habe er diese Woche seine Leute an den Saarterrassen wesentlich öfter als sonst auf Streife geschickt.

Trotzdem fühlten sich die meisten Geschäftsleute, die mit der SZ sprachen, von den Behörden im Stich gelassen. Sie wünschten sich „ein beherztes, unverzügliches Handeln von Polizei und Ordnungsamt“. Auch Karl-Heinz Wild war enttäuscht: „Ich habe mittlerweile Sicherheitsleute engagiert und am laufenden Band Hausverbote erteilt.“ Auch andere Geschäftsleute folgten Wilds Beispiel. Jutta Petra-Elss berichtete, dass ihr Mann bedroht worden sei, als er einigen jungen Männern den Zutritt zur Toilette verweigerte – weil die kurz vorher verdreckt worden sei.
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