A8 Neunkirchen Richtung Saarlouis AS Merchweiler Gefahr durch defektes Fahrzeug auf dem Standstreifen (03:47)

A8

Priorität: Sehr dringend

17°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
17°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Falschparker Achtung! Saarbrücken lässt immer wieder Autos abschleppen

Der Rollstuhl im Fond ist nicht zu übersehen. Das nutzt dem alten Mann am Steuer nichts. Als ihn noch Meter vom Behindertenplatz trennen, platzt die Hoffnung aufs Parken. Eine junge Frau biegt flott vor ihm ein. Sie steigt aus und eilt – offensichtlich topfit – davon. Dem Zeugen Norbert Falk (75) raubt die Szene die Fassung. Er ruft der Frau zu, der alte Herr hinter ihr brauche den Platz. „Da stehe ich doch jetzt“, gibt sie im Weitergehen schnippisch zurück. Falk ist um eine bittere Erfahrung mit Falschparkerei reicher. „Ich bin es restlos leid.“

Er steht selbst viel zu oft mit seinem Wagen vor blockierten Behindertenparkplätzen. Falk hat eine schwer gehbehinderte Frau und den Parkausweis hinter der Windschutzscheibe. Nur bringt er wenig. Fast jede Fahrt zu Ärzten endet in endloser Sucherei. Wie neulich am Landwehrplatz: „Nur ein einziger Wagen auf den Behindertenparkplätzen durfte überhaupt dort stehen.“

Und am Gerberplatz oder am Stadtgraben, weiteren wichtigen City-Plätzen? Dasselbe trübe Bild. Tag für Tag. Dahinter steckt für Falk blanke Rücksichtslosigkeit. „Die Ellenbogen werden immer spitzer.“

Dem will Stadtsprecher Thomas Blug nicht widersprechen. Denn seine Kollegen vom Ordnungsamt sind täglich im Einsatz gegen Falschparker auf Behindertenstellplätzen. Obwohl die offensichtlich im Unrecht sind, gehen sie aufs städtische Personal los. Blug spricht von „schwierigen Diskussionen“ sowie von „Beleidigungen und persönlichen Angriffen“ gegen die Kontrolleure.

Dabei ist klar, für wen die Plätze da sind. Für Leute mit dem Merkmal „aG“ in ihrem Behindertenausweis, Blug zufolge die Voraussetzung für den blauen, EU-einheitlichen Parkausweis, mit dem Parkplätze für Schwerbehinderte rechtmäßig genutzt werden dürfen.

Daraus ergibt sich umgekehrt glasklar, wer mit dem Abschleppwagen rechnen muss. Blug: „Auf Parkplätzen für Schwerbehinderte wird generell abgeschleppt, wenn kein blauer, EU-einheitlicher Parkausweis im Fahrzeug liegt.“

Das Abschleppen veranlasste bis September 2014 allein die Polizei . Seither werden sowohl die Leute vom Ordnungsamt als auch Polizisten aktiv, wenn Falschparker weg sollen. Allein die städtischen Angestellten ließen in diesem Jahr schon 1214 verkehrsbehindernd geparkte Autos abschleppen. In rund 400 dieser Fälle hingen die Autos am Haken, weil sie einen Behindertenplatz blockiert hatten.

So etwas geht ins Geld . Blug rechnet vor: „Das Abschleppen kostet in der Regel insgesamt 245 Euro: 60 Euro Verwaltungsgebühren sowie 185 Euro für die Abschleppmaßnahme.“ Damit nicht genug: „Zusätzlich muss der Falschparker mit Kosten für das Verwarngeldverfahren in Höhe von 35 Euro rechnen.“ Eine Geldquelle für die Stadtkasse sei das Durchgreifen gegen Falschparker trotzdem nicht.

Dazu Blug: „Bis zum 15. Juli 2015 wurden insgesamt 1241 Abschleppfälle registriert. Multipliziert man diese Zahl mit den von uns eingenommenen 60 Euro Verwaltungsgebühr, kommt man auf einen Summe von rund 74 500 Euro. Auf Grund der Kosten, die der Verwaltung im Gegenzug entstehen, erwirtschaftet die Stadt durch das Abschleppen keinen Überschuss.“

Verzichten könne und werde sie aber nicht auf diese Abschleppaktionen: „Wer Park- und Halteregeln rücksichtslos missachtet und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder behindert, muss damit rechnen, dass die Stadt sein Fahrzeug abschleppt.“ Solche Denkzettel als „Rosskur, die nachwirkt“, fordern Falschparker-Opfer wie Heinrich Falk ausdrücklich. Der Mann steht damit nicht allein, wie Blug versichert. Über das Image der städtischen Verkehrskontrolleure sagt der Stadtsprecher: „Erfahrungsgemäß wird die Arbeit von den meisten Bürgern positiv wahrgenommen.“

 

Zum Thema:

27 privat bewirtschaftete Parkhäuser und Parkplätze mit rund 8900 Stellplätzen gibt es in Saarbrücken. Preise: Je zentraler ein Parkplatz liegt, desto teurer ist er. Auf dem Dudoplatz kostet eine Stunde nur 60 Cent, in der Innenstadt in den Parkhäusern Rathaus, Lampertshof und Staatstheater und auf dem Beethovenplatz kostet jede angefangene Stunde montags bis samstags 2 Euro. Die städtische Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung bietet im Parkhaus am Eurobahnhof 455 Stellplätze für 50 Cent je begonnene 30 Minuten. 2100 städtische Kurzzeitparkplätze gibt es am Straßenrand. Sie kosten zwischen 30 und 80 Cent je erste begonnene halbe Stunde. Gebühren kosten städtische Parkplätze montags bis freitags von 8 bis 20 und samstags von 8 bis 16 Uhr. Sonst kosten sie nichts.1250 Parkplätze sind immer kostenlos. Es gibt sie unter anderem am Messegelände und am DFG entlang des Deutschmühlentals. Zudem gibt es Park-and-Ride-Plätze, in Bübingen (100 Plätze), in Brebach (rund 90) und Heinrichshaus (75). Park-and-Ride-Plätze sind außerhalb der Stadt in Kleinblittersdorf oder Riegelsberg-Süd.Eine Parkplatzübersicht steht im Netz. redsaarbruecken.de/parken
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein