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Fenner Bordell in drei Monaten fertig: Umbau in alter Glashütten-Halle läuft auf Hochtouren

Wo früher Glas in Fenne gepresst wurde, sollen jetzt in zwei Gebäuden der alten Anlage Liebesdienerinnen arbeiten. 41 Zimmer lässt ein Unternehmen aus Berlin in Schnellbauweise errichten. Ali Altin, ehemaliger Bauunternehmer („ich habe mein Gewerbe abgemeldet“) und Eigentümer des Grundstücks (nach eigener Schätzung gehören ihm rund 6000 Quadratmeter des riesigen Areals), hat zu einem Rundgang geladen. Er mache das im Auftrag des Bauherrn. Er selber sei nicht der Betreiber, wie irrtümlich oft gedacht werde, betont er.
 

Noch drei Monate Umbau

Mitten im Nebengebäude – einer Halle, die bislang nur als Lager diente – liegt ausgebreitet auf einem Stapel Dämmplatten ein Bauplan. Hier sollen 15 Zimmer mit Sanitäranlagen entstehen, sogar ein Behinderten-WC ist eingezeichnet. Über den Haupteingang auf der Rückseite des Gebäudes gelangen zukünftige Besucher zunächst in eine geräumige Bar. Dann führt Altin über einen Flur in die denkmalgeschützte Haupt-Halle mit den Rundbögen zur Hausenstraße. Dort war vor ein paar Jahren unter dem Namen „Casinoline“ ein Spielbetrieb geplant, dort hatte auch Altin sein Büro. Jetzt haben Arbeiter für 26 großzügig geschnittene Räume Wände aus vorgefertigten Platten hochgezogen. Einige Meter weinroter Wände und grauer Schiefer am Boden erinnern noch an die elegante Ausstattung des ursprünglich geplanten Casinos.

Ein Presslufthammer dröhnt. Im Boden sind bereits Schlitze für Versorgungsrohre eingelassen. Kanalrohre sind teils gesetzt. Zehn Arbeiter schaffen derzeit am Bau, berichtet Altin. Sie kämen aus Berlin, schlafen und leben in Containern, die auf dem Hof aufgestellt wurden. Vor zwei Monaten, sagt Altin, haben sie begonnen; er schätzt, dass der Umbau in zwei, spätestens drei Monaten beendet sein wird.
 

Casino-Pläne scheiterten

In einer Ecke stehen Türrahmen aus Aluminium mit rauchfarbenem Glas. Rund 30 dieser aufwendigen Fassungen habe er entsorgen müssen, berichtet Altin. Und dort sei die ausgebaute Klimaanlage gelagert, sie habe ihn 92 000 Euro gekostet. Altin ist immer noch verbittert: 1,2 Millionen Euro habe er in die Bausanierung der alten Fenner Glashütten-Halle investiert. Sein früherer Mieter, ein Unternehmer aus Stuttgart, habe zusätzlich 300 000 Euro in die Inneneinrichtung fürs Casino gesteckt, Teppiche, Stühle, Holztheke. „Gerade mal zwei Monate haben mir zur Fertigstellung gefehlt“, sagt Altin. Doch vorher sei seine Konzession durch eine Änderung des Saarländischen Spielhallengesetzes erloschen. Er ist mit dem Thema noch lange nicht durch, scheint es.

Altin weiß natürlich auch, dass die Fenner Bürger nicht gut auf das geplante Spielcasino zu sprechen waren. Und noch viel weniger auf das jetzt genehmigte Bordell. Die Bürgerinitiative, die Demos, alle Einwürfe kennt er. Für ihn sei schwierig, dass auch seine Familie mittlerweile involviert sei, wenn der Begriff „Bordell“ falle. So blank liegen die Nerven, dass Altin ein aktuelles Foto auf der Baustelle ablehnt, zunächst sogar nicht einmal seinen Namen gedruckt lesen will.

Der Stadt wirft Altin Scheinheiligkeit vor. „Wo bleibt die Logik?“, fragt er. Für das Spielcasino sei eine Konzession über 23 Stunden bis früh morgens erteilt worden und eine Parkgenehmigung für die Gäste vor und hinter den Gebäuden. Für den Bordellbetrieb aber müsse mit dem „fadenscheinigen Argument“ (Altin) Lärmschutz der Betrieb um 22 Uhr beendet sein, und die Gäste dürften nur von hinten anfahren, über die private Zufahrt, die er augenzwinkernd „Ali-Altin Straße“ genannt hat.
 

Lieber Nachtbetrieb?

Inzwischen, sagt Altin, werde er nicht nur wegen Jobs angesprochen, nach dem Motto: „Kann ich als Hausmeister oder Putzfrau im Bordell arbeiten?“ Es gebe auch Fenner, „die bitten mich, ich möge mich dafür einzusetzen, dass das Bordell erst am Abend öffnet“ – weil das weniger störend sei.
 

 

Zum Thema:

HintergrundDas Fenner Glashütten-Areal ist Gewerbegebiet. Daher sind dort Vergnügungsbetriebe – Spielcasinos etwa oder eben Bordelle – rechtlich zulässig. Die Stadt hätte das Bordell nur durch nachträgliche Änderung des Bebauungsplans verhindern können; das hätte aber Regressforderungen bedeutet. Die Genehmigung hat die Stadt nun an Auflagen geknüpft. So darf das Bordell nur von 6 bis 22 Uhr geöffnet sein. red
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