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Ferner und Jost streiten um SPD-Spitzenplatz

Elke Ferner (54) zählt zum linken Parteiflügel und ist stellvertretende Chefin der SPD-Bundestagsfraktion. SPD-Generalsekretär Reinhold Jost (46) sprang im Januar als Bundestagskandidat für Ottmar Schreiner ein.

Elke Ferner (54) zählt zum linken Parteiflügel und ist stellvertretende Chefin der SPD-Bundestagsfraktion. SPD-Generalsekretär Reinhold Jost (46) sprang im Januar als Bundestagskandidat für Ottmar Schreiner ein.

Saarbrücken. Reinhold Jost redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. In höchster Erregung baut der Landtagsabgeordnete und SPD-Generalsekretär gerne saarländische Wörter wie „toopisch“ (täppisch) oder „Buddik“ (Durcheinander) in seine Reden ein. Im Landtag ist er parteiübergreifend als Sprücheklopfer bekannt, seine Witze können ziemlich derb sein. Beim Aschermittwochstreffen der SPD in Siersburg plauderte er vor 700 Gästen aus, was ihm Ottmar Schreiner scherzhaft gesagt habe: Wenn er als sein Nachfolger im September in den Bundestag gewählt werde, „dann geht der gepflegte Herrenwitz endlich nach Berlin und jeder fragt: Wer ist Brüderle?“

Wenn er überhaupt gewählt wird – denn Josts Einzug in den Bundestag ist noch keine ausgemachte Sache. Als Nachfolger des SPD-Urgesteins Schreiner (seit 1980 im Bundestag) wird der 46-Jährige als Kandidat im Wahlkreis Saarlouis antreten. Unterliegt Jost dort seinem Gegenkandidaten, dem Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), müsste er darauf hoffen, dass er über die Landesliste der SPD noch in den Bundestag rutscht. Wie viele Kandidaten über die Liste nach Berlin entsandt werden, hängt vom Erfolg in den vier Wahlkreisen ab – möglich scheint alles zwischen null und drei. Wie zu hören ist, beansprucht Jost Listenplatz eins. Weil das auch die Saarbrücker Bundestagsabgeordnete Elke Ferner tut, wird es bei der Delegiertenkonferenz am 16. März wohl zu einer Kampfabstimmung kommen. Verliert Ferner, so heißt es in Parteikreisen, wolle sie nicht mehr für Platz zwei antreten, sondern sich auf ihren Wahlkreis konzentrieren. Das ist riskant: 2009 hatte sie den Wahlkreis knapp gegen Anette Hübinger (CDU) verloren und war über die Liste ins Parlament eingezogen.

Saarbrücken gegen Saarlouis

Die beiden sind unterschiedliche Typen: Jost, der eher hemdsärmelige und kumpelhafte Generalsekretär, ist gelernter Schlosser und arbeitete anschließend als Finanzbeamter. Er sitzt seit 1999 im Landtag, ist politischer Generalist mit Schwerpunkt in der Haushaltspolitik und ein Gefolgsmann von Parteichef Heiko Maas.  Vor wenigen Wochen sprang er als Bundestagskandidat für Ottmar Schreiner ein, der wegen einer Krebserkrankung seine Laufbahn beenden muss. „Ich gebe offen zu, dass der Bundestag bislang nicht zu meiner Lebensplanung gehörte“, sagte Jost damals. Ferner ist Sozialpolitikerin, sie sitzt mit einer Unterbrechung seit 1990 im Parlament. Die 54-Jährige gelernte EDV-Kauffrau ist Vertreterin des linken Parteiflügels und seit 2005 stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion. Ihren Anspruch auf Listenplatz eins begründet sie damit, dass im Wahlkampf genau ihre Themen, Soziales und Gesundheit, die zentrale Rolle spielen würden und ihre Arbeit in der Bundestagsfraktion geschätzt werde. Inhaltlich sieht sie sich links von Jost – die Agenda 2010 und die Rente mit 67 habe sie „kritischer begleitet“ als er.

Das Resultat des Wettstreits wird auch etwas über die Machtverhältnisse in der Saar-SPD aussagen. Das Machtzentrum war seit den 70er Jahren bis etwa zur Jahrtausendwende in Saarbrücken angesiedelt; der mächtige Saarbrücker Parteichef Reinhard Klimmt zog auch im Landesverband die Strippen. Seit dem Machtverlust bei der Landtagswahl 1999 hat sich dieses Machtzentrum Richtung Saarlouis verlagert. Und Vorsitzender des landesweit größten Kreisverbandes Saarlouis, dem übrigens auch Parteichef Heiko Maas angehört, ist – Reinhold Jost. Maas hat sich in der innerparteilichen Personaldiskussion zwischen Ferner (Saarbrücken) und Jost (Saarlouis) bislang nicht wahrnehmbar auf eine Seite geschlagen. In seiner Aschermittwochsrede beließ er es bei der launigen Bemerkung: „Lieber Reinhold, über das mit den Herrenwitzen müssen wir nochmal reden.“

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