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Feste feiern mit Fellini: Das Saarbrücker Kino Achteinhalb wird 25

So weit geht das Vertrauen dann doch nicht. Die Versuchung, einen Brief des Regisseurs Federico Fellini mit nach Hause zu nehmen, wäre für Cineasten wohl übermächtig. Also liegt das Original bei Ingrid Kraus zuhause, und im Kino hängt eine Kopie – sicher ist sicher. Fellini hatte den Brief am 4. April 1990 geschrieben, um dem Achteinhalb zu gestatten, sich nach dem Titel seines legendären Films von 1963 zu benennen – und natürlich, um viel Glück zu wünschen. Glück hat das Kino in seiner 25-jährigen Geschichte gebraucht, vor allem aber den Einsatz seines Teams, den man unermüdlich nennen darf.

Aber zum Geburtstag wollen die beiden Achteinhalb-Veteranen Ingrid Kraus und Waldemar Spallek nicht das alte (wenn auch gerechtfertigte) Kulturklagelied anstimmen. Denn die Zeiten waren schon mal stürmischer im Achteinhalb, die Sorgen und Finanzierungslöcher größer – vor allem Mitte der 90er Jahre, als Spallek und Kraus sich ab und an arbeitslos melden mussten, ehrenamtlich arbeiteten und auch eigenes Geld zuschossen. Heute zählt das Kino vier Festangestellte: neben Kraus und Spallek auch Theo Wülfing und Gerd Meyer . Hinzu kommen ehrenamtliche Helfer – darunter ein Pärchen, das sich jeden Januar eine Woche Urlaub nimmt, um während des Ophüls-Festivals im Achteinhalb an der Kasse zu helfen.

Seit einem Vierteljahrhundert geht das selbstverwaltete Kino mit seinen 74 Plätzen dem Motto „andere Filme anders zeigen“ konsequent nach – es ist keine schnöde Abspielstätte, sondern so etwas wie „betreutes Filmeschauen“. Die Mischung aus Premieren und Klassikern, thematischen Reihen, Retrospektiven, Vorstellungen mit Referenten und Regisseuren hat sich künstlerisch bewährt; die jährlichen Besucherzahlen liegen stabil zwischen 12 000 und 13 000. Eine Strategie, die das Kino möglichst auslastet, gibt es nicht. „Ein Segen, dass man nicht weiß, was gut ankommt“, sagt Kraus, es würde das Programm wohl beeinflussen. Der Kinobetrieb bleibt unberechenbar.

So wurde jüngst etwa die ambitionierte Reihe „Perlen aus dem Norden“ mit 35-Millimeter-Filmkopien aus der Kinemathek Hamburg trotz anfänglicher Skepsis, was die Publikumsresonanz betrifft, ein Erfolg. Komplett ausverkauft war eine Reihe mit Louis-de-Funès-Filmen, die auch demonstrierte, dass das Achteinhalb nicht nur schwere Kost zeigt. Es ist alles eine Frage der Einbettung – die Reihe wurde mit Vorträgen des Saarbrücker Filmwissenschaftlers Nils Peiler begleitet, der zuvor die exzellente Wes-Anderson-Retrospektive konzipiert hatte.

Die größte Neuerung zuletzt war die Digitalisierung, die Umstellung von Zelluloid- auf Festplatten-Projektion dank eines hochauflösenden 4K-Projektors. Das kostete 2013 inklusive Umbau 100 000 Euro, die durch Förderungen etwas abgefedert wurden. „Viele Filme könnten wir sonst nicht zeigen“, sagt Kraus, „denn entweder haben Verleihe keine Filmkopien mehr oder nur noch sehr schlechte“. 95 Prozent des Programms zeigt das Kino heute von Festplatte, der 35-Millimeter-Projektor ist aber noch nicht gänzlich eingemottet. Allerdings habe von einer schlechten Kopie niemand etwas, sagt Spallek, trotz guten alten Zelluloids. „Bei Rotstich und Laufstreifen freut sich auch kein Nostalgiker mehr.“

Zum Saarbrücker Filmhaus pflegt das Achteinhalb freundschaftlichen Kontakt, man spricht sich ab, um Programmdubletten zu vermeiden. Aber eine von der Lokalpolitik immer wieder beschworene Zusammenarbeit mitsamt „Synergie-Effekten“ halten Kraus und Spallek nur in Maßen für sinnvoll. Zwar bemühen sich die beiden Häuser gerade gemeinsam um eine EU-Förderung; aber eine engere Zusammenarbeit brächte „keine ersichtlichen Spareffekte“, sagt Kraus – schließlich blieben es zwei Spielstätten mit zwei Teams. Und die Achteinhalben sparen ja schon – seit 2006 sind die ohnehin nicht üppigen Gehälter eingefroren. Von „La dolce vita“ kann man da in Anlehnung an Fellinis Klassiker also nicht sprechen – aber die Achteinhalber lieben das, was sie tun. Seit 25 Jahren.

Freitag: Geburtstagsfeier ab 20 Uhr mit Fellinis „Achteinhalb“ – man sollte sich anmelden: Tel. (06 81) 390 88 80. Von Fellini folgen „La dolce vita“ (23. September), „Casanova“ (1.10.), „Orchesterprobe“ (6.10.) und „Schiff der Träume“ (14.10.). Programm unter: www.kinoachteinhalb.de
 

 

Zum Thema:

In der Alten Feuerwache in Saarbrücken eröffnet 1983 eine „nichtkommerzielle Abspielstätte für 16- und Acht-Millimeter-Filme. 1990 zieht dieses „Kino in der Feuerwache“ in die Nauwieserstraße 19. Getragen wird das selbstverwaltete Kino, das sich nun Achteinhalb nennt, bis heute vom „Verein zur Förderung der Medienarbeit“, der zurzeit 21 ehrenamtlich tätige Mitglieder und 14 Fördermitglieder hat.Der Etat für das Jahr 2015 liegt bei 240 000 Euro; die Stadt Saarbrücken und das Saarland fördern das Kino jeweils mit 68 000 Euro, das Kino rechnet mit Einnahmen durch Eintrittskarten von 35 000 Euro. Den Rest erwirtschaftet das Kino durch Sponsorengelder, Spenden, Vermietungen an Vereine und Privatpersonen, Werbung im Programmheft und Mitgliedsbeiträge. tok
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