A8 Neunkirchen Richtung Saarlouis Zwischen AS Schwalbach/Schwarzenholz und AS Schwalbach Dauerbaustelle, Arbeiten am Mittelstreifen, linker Fahrstreifen gesperrt bis 28.10.2017 16:00 Uhr Zweiter Fahrstreifen auf Standspur eingerichtet. (26.05.2017, 13:53)

A8

Priorität: Normal

13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
13°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Fieses Geschäft mit Heroin-Abhängigen

Saarbrücken. Der Kampf gegen die Heroinsucht ist ein zähes Ringen mit inneren Zwängen, die den Süchtigen immer wieder an die Nadel treiben. Ärzte setzen daher Drogenersatzmedikamente ein, die während einer sogenannten Substitutionstherapie die Entzugserscheinungen lindern sollen. Die Einnahme dieser – alles andere als harmlosen – Medikamente erfolgt unter strenger ärztlicher Aufsicht und wird von einer Vielzahl therapeutischer Maßnahmen begleitet. Am Ende der Substitutionstherapie führt der Patient ein suchtmittelfreies Leben. So weit die Theorie.
 
In der Realtität ist die Missbrauchsquote bei Drogenersatzmedikamenten in Deutschland hoch. Darauf deutet eine Studie des Hamburger Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) hin. Demnach blüht vor allem der Schwarzmarkthandel mit Subutex. Dieses Medikament mit dem Wirkstoff Buprenorphin befriedigt die Sucht des Konsumenten und hat einen betäubenden und euphorisierenden Effekt. Doch Subutex ist nicht zu unterschätzen: „Eine Überdosis ist lebensgefährlich“, warnt Dr. Gisela Ryba, Ärztin aus Merzig. Sie ist eine von bundesweit 6000 Ärzten, die Drogenersatzmedikamente verabreichen darf. Dafür ist in Deutschland eine Zusatzausbildung erforderlich.

In Frankreich dagegen kann jeder Arzt Subutex verschreiben. Das Medikament gibt es dann in der Apotheke. Das fördere den Schwarzmarkthandel im benachbarten Saarland, legt die ZIS-Studie nahe. Dieter Appel, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA), bestätigte auf SZ-Anfrage, dass der Subutex-Schmuggel aus Frankreich ein Problem ist. „Wir hatten letztes Jahr 53 Ermittlungsverfahren, bei denen es um illegales Subutex ging. In 23 Fällen kamen die Tabletten aus Frankreich.“ Doch wo liegen die Gründe für die illegale Beschaffung von Subutex? Einige Experten führen einen gewissen Prozentsatz des Missbrauchs auf „nicht adäquate Substitution“ zurück, erklärt der Sprecher des saarländischen Gesundheitsministeriums, Stephan Kolling: „Gemeint ist damit, dass die verschriebene Dosis des Ersatzstoffes als zu gering angesehen wird und damit Entzugssymptome ausgelöst werden.“
 
Laut Ryba wollen sich Abhängige zudem in vielen Fällen der ärztlichen Kontrolle entziehen. Denn in der Regel müssen die Drogenersatzmedikamente vor den Augen des Arztes eingenommen werden. Zudem gibt es sie nur in Verbindung mit einer begleitenden Therapie. Wie wichtig die für eine erfolgreiche Heroinabstinenz ist, zeigen die Ergebnisse der ZIS-Studie: Demnach sei es bei Konsumenten illegaler Drogenersatzmedikamente „fast die Regel“, dass diese nebenher auch Heroin nehmen.

Doch auch die „regulär Substituierten“ in Deutschland konsumieren laut ZIS-Studie in knapp der Hälfte der Fälle nebenher Heroin. Die Erfolgsquote der Therapie lässt also zu wünschen übrig: „Nachweislich hat die Substitution des Heroinkonsums durch Ersatzstoffe nicht zu einem Ausstieg einer großen Zahl von Heroinabhängigen geführt“, konstatiert Kolling. Dennoch stellt das Ministerium die Behandlungsmethode nicht in Frage: „Sie hat den Gesundheitszustand – medizinisch wie psychosozial – vieler Abhängiger stabilisieren und verbessern geholfen. Ohne Substitution wäre die Zahl der Drogentoten erheblich höher.“

In einem sind sich Ministerium und Mediziner einig: Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Suchtbekämpfung ist eine intensive psychosoziale Betreuung. Doch die ist derzeit nur schwer möglich, sagt Ryba: „Die Ressourcen für die menschliche Hilfe sind zu knapp.“ Sie selbst habe viel zu wenig Zeit für viel zu viele Patienten. „Man muss in dem Bereich deutlich mehr Mittel einsetzen“, fordert die Medizinerin. Ansonsten bleibe die Substitutionstherapie „ein gesellschaftliches Feigenblatt“. Die Abhängigen werden zwar von der Straße und aus der Kriminalität geholt, dauerhaft geholfen werde ihnen aber nicht. 
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein