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Filmbiografie „Hilde“ startet Donnerstag im Saarland

Saarbrücken. Kaum ist die Zigarette zu Ende geraucht, wird ihr von Ehemann David Cameron (Dan Stevens) auch schon die nächste angezündet. Hildegard Knef bereitet sich in der Garderobe der Berliner Philharmonie auf ihren großen Auftritt vor. Sie raucht, sie schminkt sich, meditiert und kämpft gegen ihr Lampenfieber. Diese wortlosen Szenen rahmen in Kai Wessels Filmbiografie „Hilde“ das Leben der Sängerin, Autorin und Schauspielerin ein: Zwei Jahrzehnte Knef'scher Vita — der Aufstieg der Künstlerin von der Berliner Schauspielschülerin zum Filmstar der 40er Jahre bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin 1966 als Chansonsängerin — komprimiert auf 136 Filmminuten. Das Unternehmen war ein Kraftakt und für alle Beteiligten — von der schwedischen Drehbuchautorin Maria von Heland bis zur Hauptdarstellerin Heike Makatsch – ein Wagnis.

Die Erwartungen bei der Darstellung einer solch komplexen Gestalt, wie es die Knef nun einmal ist, sind entsprechend vielfältig und hoch. Unablässig hat Makatsch in Interviews betont, wie intensiv sie sich mit Lektüre und Gesangsunterricht auf diese Rolle vorbereitet habe. Ihre Darstellung der Hildegard Knef wird so in einigen Szenen tatsächlich zur Travestie, dem Versuch perfekter Illusion und Reproduktion. Heike Makatsch hat die Knef sehr genau studiert: Das vulgäre Lachen, die verrauchte Stimme, den unverkennbaren Sprechduktus hat Makatsch verblüffend nah am Original kopiert. Doch diese mimische Leistung gelingt nicht durchgängig. Manchmal verkommt diese Art der Einverleibung zur aufgesetzten Parodie; dann wieder verlässt Makatsch die Mimik und spricht szenenweise im gewohnten eigenen Tonfall.

Dieser Eindruck der Uneinheitlichkeit ist vor allem dem Drehbuch geschuldet. Zwar sind 136 Minuten viel Zeit für einen Kinofilm, für das von Höhen und Tiefen, Abgründen und Brüchen gekennzeichnete Leben der Knef aber offensichtlich zu wenig, um die Geschichte schlüssig erzählen zu können. Allzu brav werden Stationen abgehakt: die Affäre der Knef mit dem verheirateten „Reichsfilmdramaturgen“ Ewald von Demandowsky; Knef als Trümmerfrau und mit ersten Theatererfolgen im Nachkriegsberlin; der Skandal um ihren Nacktauftritt in „Die Sünderin“ wie auch der freudlose Ausflug nach Hollywood. Hildegard Knef bleibt innerhalb dieser Nummernrevue merkwürdig fremd und kalt. Mag man auch reichlich Informationen aus ihrem Privat- und Berufsleben bekommen, als Mensch bleibt sie einem bis zuletzt fremd, weil der Film selbst zu ihr keine richtige Haltung findet.

„Wer ist Hildegard Knef?“, fragt der Ufa-Filmproduzent Erich Pommer die angehende Schauspielerin zu Beginn des Films. Die sonst so schlagfertige Knef weiß darauf noch keine Antwort. Kai Wessels Film „Hilde“ findet ebenfalls keine schlüssige Antwort.
 
Mehr zu „Hilde“ morgen im treff.region. Der Film startet morgen im Cinestar (Sb) und in der Camera zwo (Sb). 
   
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