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Filmhaus in der Krise? Neue Diskussionen um Saarbrückens städtisches Kino

Das historische Ensemble, in dem das Saarbrücker Filmhaus zu finden ist.

Das historische Ensemble, in dem das Saarbrücker Filmhaus zu finden ist.

Die Sache entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Jahrelang forderte die CDU-Fraktion im Saarbrücker Stadtrat, das Filmhaus zu schließen, weil es als Einrichtung für die Landeshauptstadt zu hohe Kosten verursache. Kürzlich schlug sie aus dem gegenteiligen Grund Alarm: Sie warf der rot-rot-grünen Koalition vor, bisher nicht genug investiert zu haben, um das Filmhaus barrierefrei umzubauen. Am Montag meldete sich auch die FDP im Stadtrat zu Wort, warf der Stadtverwaltung „Nichthandeln“ vor und äußerte „Sorge über die Zukunft des Filmhauses“.

 

In der Tat hatte die Verwaltung bereits im November 2014 ein Konzept vorgelegt, wonach die kommunale Filmstätte in zwei Bauabschnitten barrierefrei werden sollte. Sie hatte damit auf Proteste von Behindertenverbänden reagiert, die nicht länger hinnehmen wollten, dass diese Kultur-Einrichtung der öffentlichen Hand für sie nicht zugänglich ist, und sich dabei auf die UN-Behindertenrechtskonvention berufen. Die Finanzierung der auf insgesamt rund 130 000 Euro veranschlagten Maßnahmen erklärte der damalige Kulturdezernent Erik Schrader (FDP) für gesichert, auch dank Fördergelder der deutschen Filmförderungsanstalt (FFA).

 

Aber selbst die für 2015 geplanten Maßnahmen wurden bisher nur zum Teil umgesetzt. So wurde das Filmhaus lediglich mit den technischen Installationen für Seh- und Hörbehinderte aufgerüstet. Mobilitätseingeschränkte Besucher bleiben jedoch weiterhin außen vor. Denn alle vorgesehen Baumaßnahmen, darunter als wichtigste ein behindertengerechtes WC und ein Außenaufzug, stehen noch aus. Der Toilettenumbau sei im Sommer 2015 an der fehlenden Zustimmung des damaligen Gebäudeeigentümers gescheitert, erklärt Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) dazu auf Anfrage der SZ. Der Eigentümer, GEKOBA-Saarland Bauträger, habe eine Änderung des Mietvertrags zur Bedingung für die Zustimmung gemacht, was eine Mieterhöhung bedeutet hätte, sagt Brück. Im Juni wechselte das Gebäude in private Hände. „Mit dem neuen Vermieter habe ich bereits erste Gespräche geführt“, erklärt der Kulturdezernent und weist den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Diese wirft er vielmehr seinem Vorgänger Schrader vor.

 

Denn der sei die wichtigste Aufgabe nicht angegangen und habe sie nun ihm überlassen: ein Gesamtkonzept zu entwickeln, um das kommunale Filmangebot für die Zukunft auf finanziell solide Füße zu stellen. Die Stadt müsse weiterhin dem anspruchsvollen Kino fernab des Mainstreams eine Bühne bieten, das müsse aber auch in Zeiten der Haushaltsnotlage wirtschaftlich tragbar sein.

 

Für das Filmhaus zahlt die Stadt derzeit insgesamt 93 000 Euro jährlich an Miete. Die Gesamtkosten, Personal inklusive, belaufen sich nach SZ-Informationen auf 336 000 Euro. Bevor man weitere Investitionen tätige, müsse man zunächst die Einnahme-Seite verbessern, sagt Brück und verweist auf die seit Jahren rückläufigen Besucherzahlen. „Wir hatten im zurückliegenden Jahr gerade noch 17 826 Zuschauer im Filmhaus, im Jahr 2008, nur zum Vergleich, waren es noch rund 31 000“. Er habe daher Filmamts-Leiter Michael Jurich beauftragt, bis zum Ende dieser Sommerferien ein inhaltliches Konzept aufzustellen, wie sich die Besucherzahlen des Kinos steigern und das Filmhaus wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken lassen könne. Indirekt heißt das wohl auch: Jurichs Engagement in Sachen Werbung fürs Filmhaus und dessen Programm lässt zu wünschen übrig.

 

Im Herbst will Brück ein Gesamtkonzept für die Sicherung des kommunalen Filmangebots vorlegen und auch die Barrierefreiheit beleuchten. Vor dem Hintergrund des vielfältigen Arthouse-Angebots in Saarbrücken müsse man dabei sicherlich auch über Kooperationen mit der Camera Zwo und dem Kino Achteinhalb sprechen, betont Brück. Ob auch die Aufgabe des Filmhauses als Gebäude in Frage kommt? Dazu will sich Brück noch nicht äußern.

 

Meinung:

 

Neue Ideen fürs Filmhaus?

Von  Tobias Kessler

 

Gerungen wird ums Filmhaus ja regelmäßig. Aber diesmal scheint der Karren besonders tief im Dreck zu stecken. Der Umbau zur Barrierefreiheit stockt, was für eine öffentliche Einrichtung besonders blamabel ist. Besorgniserregend sind auch die rückläufigen Besucherzahlen. Nun hat ein kommunales Kino nicht die Aufgabe, im Arthouse-Bereich möglichst kommerzielle Filme zu spielen (was die private Camera Zwo mit Erfolg tut); es soll anspruchsvolles Kino bieten, das eben eher aus der Nische denn aus der Breite kommt. Dennoch sind sinkende Zahlen ein Alarmsignal (und Munition für Filmhausgegner). Ist das Programm zu ambitioniert? Oder bewirbt das Haus sein reizvolles Angebot zu wenig?

 

Das Gebäude aufzugeben und etwa in einem Saal mit der Camera Zwo zu kooperieren, wie oft spekuliert wird, wäre nur ein Filmhaus-Ende auf Raten. Jetzt sind Dezernent Thomas Brück und Filmhaus-Leiter Michael Jurich mit Ideen und Konzepten gefordert.  
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