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Findige Füchse erklären Saar-Städte zum Jagdrevier

Bei der Riegelsberger Gemeindeverwaltung gehen derzeit derart viele Hinweise auf Füchse in Gärten ein, dass Ordnungsamtsleiter Michael Trampert jetzt eigens eine Informationsschrift „Füchse im Gemeindegebiet“ verfasst hat. Trampert: „Fast täglich kommen Anfragen zu dem Thema – inzwischen aus fast allen Gemeindebereichen.“

Beispiel Gisorsviertel: Hier kommen derzeit ein großer und ein kleinerer Fuchs zu ungebetenen Besuchen. Eine Anwohnerin berichtete unserer Zeitung, dass die beiden Füchse oft in den Gärten auftauchen, und da sie zwei kleine Kinder hat, stellt sie – auch in Hinblick auf den Fuchsbandwurm – die Frage, was man gegen ungewollte Fuchsbesuche machen kann. Wir sprachen mit dem Fotografen und Tierschützer Hartmann Jenal, der bei Überherrn eine Fuchsauffangstation unterhält.

Wenn Füchse in Gärten kommen, dann liege dies in den meisten Fällen daran, dass es irgendwo im Umfeld ein echtes oder vermeintliches Nahrungsangebot gibt. Sei es, dass Katzen im Freien gefüttert werden, Futter für eine Igelfamilie aufgestellt wird, Essensreste auf dem Kompost landen, Meerschweinchen-Gehege „verführerisch“ riechen oder Füchse sogar bewusst angefüttert werden – was auf keinen Fall geschehen sollte. Manchmal helfe also schon ein freundschaftliches Gespräch unter Nachbarn, um den Füchsen das Interesse am Gartenbesuch zu nehmen. Ansonsten sei das einzig sicher wirksame Mittel ein Fuchs-sicherer Zaun (siehe Infokasten).

Dass ein Fuchs „einfach so“ ein Kind angreift, wird nicht passieren. „Wenn ein Wildtier allerdings zu vertraut gegenüber dem Menschen wird, kann es vorkommen, dass es sein Futter von dem vermeintlichen Gönner fordert und auch mal zubeißen kann“, so Jenal Ein Fuchs kann allerdings Träger des „Fuchsbandwurms“ sein. Im Saarland gehe man davon aus, dass – regional unterschiedlich – sechs bis 35 Prozent der Füchse Träger dieser Bandwurmart sind. Zwischenwirt des Parasiten sind Mäuse, wodurch sich – sehr selten – auch Katzen und Hunde anstecken können.

Eine Ansteckung erfolgt, indem die vom Wirtstier ausgeschiedenen winzigen Eier des Bandwurms über den Mund aufgenommen werden. In Deutschland, so Jenal, werden jährlich etwa 20 Erkrankungen registriert, betroffen seien meist Menschen, die im Wald arbeiten. Fälle von Infektionen durch den Verzehr von Beeren oder Pilzen, die mit Füchsen in Berührung waren, seien nicht bekannt. Unter Gartenbesitzern werde auch die Möglichkeit diskutiert, alle sechs Monate Köder mit einem Wurmmittel auszulegen, dem Fuchs also eine „Wurmkur“ zu verpassen, wenn man sicher ist, das es immer derselbe Fuchs ist, der in den Garten kommt.

Auch das Ordnungsamt erachtet die Gefahr, sich mit dem Bandwurm zu infizieren, als „sehr gering“. Vorsorglich sollte man aber beachten: Tote oder kranke Füchse nicht anfassen; zutrauliche Füchse nicht streicheln. Gemüse, Salat, Beeren, Pilze und Fallobst vor dem Verzehr gründlich waschen, Haustiere regelmäßig entwurmen und natürlich Hände waschen.

Zum „schwierigen“ Fernhalten empfiehlt das Ordnungsamt auch: Kein Futter/keine Essensreste im Freien aufbewahren, Mülltonnen geschlossen halten, Unterschlupfmöglichkeiten unzugänglich machen, Fuchskot (etwa 3-8 cm lang, dunkelbraun bis schwarz, meist mit einer gedrehten Spitze) mit Plastiktüte aufnehmen und in der Mülltonne entsorgen.
 

Hintergrund

Ein Fuchs-sicherer Zaun sollte etwa 150 Zentimeter hoch und – ganz wichtig – oben im 85-Grad-Winkel auf 30-40 Zentimeter nach außen abgeknickt sein, denn Füchse klettern nicht kopfunter, so Fuchs-Experte Hartmann Jenal. Entsprechende Zäune gibt es auch als Fertig-Elemente. Zudem sollte der Zaun mindestens 30 Zentimeter eingegraben sein, sonst kann sich ein Fuchs drunter durch buddeln.

Die deutlich billigere und schneller zu montierende Variante ist ein Weidegerät („Elektrozaun“), was aber mit kleinen Kindern wohl keine Alternative ist. Wildtiere dagegen „hören“ den Strom und lassen sich oft schon dadurch abschrecken.

Man kann sein Glück auch mit dem Spannen von Netzen versuchen, Füchse übersteigen nicht gerne wackelige Hindernisse. Versperrt das Netz jedoch nicht nur den Weg zum Gemüsegarten, sondern zur Futterquelle, dann halte es einen Fuchs nicht auf. mr

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