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Firma aus Wadern versendet Weihnachtsbäume in alle Welt

Bei vielen Firmen sind auch Werths Mini-Weihnachtsbäume als Tresen-Deko gefragt. Foto: Oliver Dietze</p>

Bei vielen Firmen sind auch Werths Mini-Weihnachtsbäume als Tresen-Deko gefragt. Foto: Oliver Dietze

Für die meisten Menschen dauert Weihnachten wenige Tage, für Hans-Lothar Werth aus Wadern das ganze Jahr. Denn wenn Anfang Januar in den meisten Häusern die nadelnden Bäume entsorgt werden, steht bei ihm schon das nächste Weihnachtsfest vor der Tür. Werth ist professioneller Weihnachtsfachmann und verkauft über seine Firma Weihnachtsbaum.de nicht nur fertig geschmückte Bäume , sondern auch Adventskränze und Weihnachtsschmuck.

Schon mit 17 Jahren hat Werth Weihnachten zu seinem Lebensinhalt gemacht. Damals hatte er die Idee, Weihnachtsbäume zum Verkauf anzubieten. „Und bin mit dem ersten Auftrag erst einmal auf die Nase gefallen“, sagt er. Als Schüler hatte er eine Anzeige geschaltet und bekam postwendend eine Großbestellung aus England über 5000 Bäume . „Da sind wir dann mit geliehener Kettensäge losgezogen, um Bäume zu fällen“, sagt er. Ein Desaster sei es gewesen, bei dem er noch drauflegen musste. Aber der Weihnachtsvirus hatte sich bei dem heute 63-Jährigen festgesetzt. Wenige Jahre später hatte er seine eigene Firma, die in der Vorweihnachtszeit vor zahlreichen Supermarktketten Tannenbäume verkaufte.

Heute schaut Werth, der sich selbst als „weihnachtsverrückt“ bezeichnet, lächelnd auf diese Anfangszeit zurück. Längst ist seine Firma dem anfänglichen Weihnachtsbaumhandel entwachsen. Statt der Privatkunden vor den Supermärkten sind es heute vor allem Firmen in ganz Europa, die seine fertig dekorierten Bäume und Gestecke kaufen. Da geht es weniger um den einzelnen Baum. Die Bestellzahlen liegen eher im vier- bis fünfstelligen Bereich. Fast 80 000 Bäume habe er bei seinem bisher größten Auftrag ausgeliefert. Porsche , Siemens, Philip Morris, Tui oder Telekom – das Kundenportfolio ist ein Who-is-who der Konzerne.

Die Gestaltung der Dekoration ist dabei so individuell wie die Kunden. Kugeln mit dem Firmenlogo sind nur der Anfang. Ein Weihnachtsbaum für einen Bauhandwerker-Verband war auch mal mit extra gebrannten Ziegelsteinen und Mini-Werkzeug geschmückt. Ob Adventskranz oder Weihnachtsbaum, rund 300 000 Teile müssen Jahr für Jahr von den Mitarbeitern geschnitten, gebunden und dekoriert werden. „Wir machen alles in Handarbeit“, sagt Werth. Größere Aufträge lagert er auch mal an eine Partnerfirma aus. Wegen des hohen Aufwands steigt die Mitarbeiterzahl saisonal auch kräftig an: „Normal haben wir 20 Beschäftigte, in der Hochzeit zwischen Oktober und Dezember sind es bis zu 300“, sagt der Firmenchef. Die schmücken die Bäume nicht nur, diese müssen dann auch inklusive Schmuck und Ständer sorgfältig eingewickelt und verpackt werden, damit sie beim Versand nicht kaputtgehen. „Geliefert werden sie dann per Paketversand“, sagt Werth.

Die Entwicklung vom regionalen Anbie ter zum europaweiten Vertrieb kam Anfang der 90er Jahre. Damals eröffnete Werth Vertriebsbüros in Frankreich, England, Spanien, Portugal und Österreich. Eine Zeit lang hatte die Firma auch Privatkunden beliefert, die spielen aber kaum noch eine Rolle: Für Einzelkunden sei der Aufwand letztlich zu hoch, sagt er.

Wer tausende Weihnachtsbäume verschickt, braucht aber auch viele Bäume . Deshalb hat Werth nicht nur in der Weihnachtszeit viel zu tun – im übrigen Jahr geht es vor allem darum, die Bäume zu pflegen: „Die Kulturen müssen das gesamte Jahr über betreut werden“, sagt er. Werth hat schon in den Anfangsjahren seiner Firma nach und nach Flächen im Saarland gekauft. Die größten Plantagen allerdings hat er mit rund 100 Hektar in Irland und Schottland. Und nicht jeder der dort wachsenden Bäume qualifiziert sich für den Versand: „Von 10 000 Bäumen sind nur 300 von der Qualität und der Form her so gut, dass sie als Firmenbäume taugen“, sagt er. „Fünf-Sterne-Bäume“ nennt er sie. Die restlichen 9700 würden für den Verlauf in Supermärkten oder für Adventsgestecke genu tzt.

Auch bei Weihnachten gebe es bestimmte Trends, sagt Werth. Zum Beispiel seien blaue Kugeln vor ein paar Jahren in Mode gewesen. Heute gebe es sie kaum noch. Weil blau aber bei vielen Unternehmen Firmenfarbe sei, lasse er diese Kugeln extra fertigen. Und auch bei den Bäumen ändern sich die Geschmäcker: „Anfangs waren vor allem Rotfichten gefragt, aber die nadeln zu schnell“, sagt er. „Später kam die Blaufichte, und jetzt ist die Nordmanntanne der Baum der Wahl.“

Konkurrenz müsse er trotz der hohen Nachfrage nach Weihnachtsbäumen kaum fürchten, sagt Werth: „Weil sich niemand vorstellen kann, dass man überleben kann, wenn man nur drei Monate im Jahr Umsatz hat.“ Er liefert den Gegenbeweis – Weihnachten für Weihnachten.

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