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Fledermäuse von der Illtalbrücke erhalten neues Quartier für 260 000 €

Eine Fledermaus-
Kolonie soll von der Illtalbrücke in ein speziell für sie errichtetes Quartier umziehen.

Eine Fledermaus- Kolonie soll von der Illtalbrücke in ein speziell für sie errichtetes Quartier umziehen.

Noch halten die seltenen großen Mausohrenfledermäuse im Brückenkopf der Illtalbrücke in Höhe der Ausfahrt Eppelborn Winterschlaf. Doch spätestens wenn die 1963 erbaute Brücke, ein Teil der A 1, wegen ihrer irreparablen statischen Mängel im nächsten Jahr abgerissen wird, brauchen die Flugsäuger ein Ersatzquartier.

Das schreiben die Naturschutzbehörden vor. Die Arbeiten dazu sind in vollem Gange und fast fertig. Im März wird das neue Zuhause für die unter Schutz stehenden Fledermäuse „bezugsfertig“ sein. Damit erfüllt der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) eine wesentliche Forderung der Naturschutzbehörden, wonach das jetzige Quartier der Federmäuse im Widerlager der alten Brücke und das neue Heim für einen längeren Zeitraum gleichzeitig nutzbar sein müssen.

24 Meter langer Zuflugskanal

Stolze 260 000 Euro kostet die Baumaßnahme – für geschätzt 200 bis 250 Fledermäuse. Rat hat sich der LfS von der Fledermaus- Expertin Christine Harbusch vom Naturschutzbund (Nabu) geholt. Sie kennt die Lebensgewohnheiten der seltenen Flugsäuger wie kaum ein anderer. An den Lärm durch den Verkehr haben sich die Tiere locker gewöhnt. Dennoch sind sie ausgesprochen scheu und fürchten nichts mehr als mögliche Feinde. Deshalb war die Unzugänglichkeit für Menschen oberste Prämisse beim Bau dieses Quartiers.

Ein abknickender, schallbrechender Einflugsschacht – derzeit gut sichtbar für die Autofahrer auf der A 1 – wird die Tiere über einen 24 Meter langen Zuflug- und Verbindungskanal aus Stahlbetonrohr mit 1,60 Metern Durchmesser zu ihrem neuen Quartier führen. Auch die Temperatur in der neuen Behausung entspricht den Bedürfnissen ihrer zukünftigen Bewohner. Die Mausohren lieben es warm. Temperaturschwankungen mögen sie dagegen überhaupt nicht. Deshalb wurde eine massive Stahlbetonbauweise gewählt.

Die Betonrohrleitungen liegen zur Hälfte frei und sollen bei Sonneneinstrahlung die Innenluft erwärmen. Zuflug- und Verbindungskanal steigen an, damit die warme Luft in das höher liegende Fledermausquartier geführt wird. Dessen Dachabdeckung besteht nach der Fertigstellung aus einer dunklen Bitumendachfläche, damit sich auch die darunter liegenden Räume bei Sonnenlicht erwärmen. Die Innenflächen des Fledermausquartiers wurden sandgestrahlt, um eine raue Struktur zu erzeugen. Zudem bieten sägeraue Holzbalken und Brettschalungen an den Decken den Tieren Halt.

Umsiedlung dauert ein Jahr

Rund um die Anlage wird eine dauerhaft gehölz- und damit schattenfreie Zone entstehen. „Dazu kommt“, so die Erkenntnis der Fledermaus-Expertin Harbusch, „dass gerade die Mausohren äußerst konservative Traditionalisten sind und zäh an ihren gewohnten Standorten festhalten.“ Hier hofft Christina Harbusch auf den Erfolg eines Tricks: Im vergangenen Jahr hat sie die Kommunikation der Fledermäuse aufgezeichnet.

Mit dem Abspielen dieser Soziallaute im Ultraschallbereich will man die neugierigen großen Mausohren in ihr neues Quartier locken. Für die Umsiedlung haben die Naturschützer gut ein Jahr Zeit. Dann sollen die Abrissarbeiten und danach der Bau einer neuen Brücke beginnen. In diesem Jahr läuft das Planfeststellungsverfahren. Erfahrungswerte gibt es allerdings nicht, denn die Maßnahme ist wohl einzigartig.

Einziges Vorbild war dazu die Natur. Harbusch ist jedoch zuversichtlich, dass die Umsiedlung glückt.

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