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Fleischbetriebe an der Saar sind für den Mindestlohn

Die Einführung eines Mindestlohnes ist heftig umstritten. Um so mehr überrascht, dass in der Fleischwarenindustrie an der Saar solche Überlegungen überwiegend positiv gesehen werden. Willi Walter, Geschäftsführer von Schröder Fleischwaren, sieht darin die Möglichkeit, endlich faire Wettbewerbsbedingungen für alle Akteure in dieser Branche herzustellen. Mancher Wettbewerber habe dieses Ziel bisher mit Werkverträgen zu Konditionen unterlaufen, die deutlich unter dem Mindestlohn liegen. Was am Ende auch zu größeren Verzerrungen der Preise für die Ware führe. Natürlich entstehe durch den Mindestlohn „ein gewisser Druck auf die Lohnkosten. Wenn aber jeder sich an den Mindestlohn hält, ist dieser Druck für alle gleich“, gibt Walter zu bedenken.

Faire Löhne seien für Schröder als familiengeführtes Unternehmen wichtig, unterstreicht der Geschäftsführer. „Das hat schon unser früherer Seniorchef Otto Schröder so gewollt. In diesem Sinn hat er mich dazu erzogen, darauf zu achten, dass die Menschen Arbeit haben und eine faire Bezahlung bekommen.“ Von der Diskussion über einen Mindestlohn von 8,50 Euro sei das Unternehmen in der Praxis nicht betroffen, denn bei Schröder gelte schon seit 15 Jahren ein Haustarif mit der Gewerkschaft NGG. Dieser beginne mit 8,67 Euro für einfache Tätigkeiten.

Mark Baumeister, Landesvorsitzender der NGG, bestätigt dies. Ein Metzger bei Schröder komme im Schnitt sogar auf 11,70 Euro, während mancher Konkurrent weniger zahle, so Baumeister. Auch Schwamm- Mitgeschäftsführer Eugen Schwamm bestätigt gegenüber unserer Zeitung: „Wir zahlen in allen Bereichen seit Anfang des Jahres einen Mindestlohn von 8,50 Euro.“ Dieser Betrag sei „angemessen. Wir haben keine Probleme damit.“ Gewerkschafter Baumeister räumt ein, dass auch bei Kunzler ein Mindestlohn von deutlich über 8,50 Euro gezahlt wird. Für die Mitarbeiter des insolventen Unternehmens Höll seien bereits im Januar 2013 Manteltarif-Vereinbarungen mit wesentlichen Verbesserungen in der Bezahlung erzielt worden. „Diese Tarifverträge wirken auch in einer Insolvenz nach. Und gelten nach der Übernahme durch einen neuen Eigentümer für die Dauer eines Jahres weiter“, verdeutlicht Baumeister, der mit den jüngst an der Saar gefundenen Regelungen für die Bezahlung der Beschäftigten im Großen und Ganzen zufrieden ist. Bundesweit rechnet er bis zum Jahresende mit der Einführung eines Mindestlohnes von 8,50 Euro. Dieser verhindere zudem ein Absinken der Löhne nach unten. Handlungsbedarf sieht NGG-Landeschef Baumeister allerdings noch bei den Handwerksbetrieben. Jeder kleinere Metzgerbetrieb müsse seine Lohn- und Gehaltsstruktur derzeit noch individuell für sich selbst verhandeln. Denn seit 2004 gibt es in der saarländischen Fleischerinnung keine Tarifbindung mehr. Löhne von unter 8,50 Euro seien in Metzgereien häufiger anzutreffen, was auch das Problem nicht vereinfache, Fachkräfte zu finden. Manche Betriebe orientierten sich wenigstens noch am letzten verhandelten Manteltarifvertrag aus dem Jahr 1995, der bestimmte Rahmenbedingungen zur Orientierung geboten habe wie etwa die Höhe von Zuschlägen, so Baumeister.


 

MEINUNG

Faire Löhne statt Missbrauch

Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia

Je nach Branche hat ein Mindestlohn von 8,50 Euro unterschiedliche Auswirkungen. In der Fleischwarenindustrie muss er kommen. Hier wurde in der Vergangenheit zu viel Missbrauch mit den Arbeitsbedingungen getrieben, wurden häufig Leiharbeitnehmer auf der Basis von Werkverträgen eingestellt, die von der Bezahlung her weit unter dem Mindestlohn lagen. Das benachteiligt nicht nur die Betroffenen, sondern auch solche Betriebe, die ihren Beschäftigten faire Löhne bieten, von denen man wirklich leben kann. Und die deshalb oft höhere Preise für ihre Waren verlangen müssen als die Billig- Konkurrenz. Das kann nicht länger so bleiben.
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