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Fliesenleger-Pfusch schadet der Branche

Saarbrücken. „Fliesen legen ist kein Hexenwerk“ – so titelt eine große deutsche Bausparkasse in einem Informationsblatt. Danach gibt sie Hinweise, welche Arten von Fliesen es gibt, wo sich der Bauherr Spezialwerkzeuge besorgen kann und wie er den Untergrund der späteren Fliesenfläche sorgfältig vorbehandelt. Alles ein Kinderspiel?

Doch die Fachwelt ist ganz anderer Ansicht. „Fliesenleger arbeiten im gefahrengeneigten Bereich“, sagt Artur Recktenwald. Der Fliesenlegermeister aus St. Wendel ist Vorsitzender der Landesfachgemeinschaft (LFG) Fliesen und Naturstein im Arbeitgeberverband (AGV) Bau Saar. Er erinnert an Schwimmbäder, wo zum Beispiel in den Duschen rutschhemmende Fliesen eingebaut werden müssen, die stark beansprucht werden. „Auch bei Operationsräumen von Krankenhäusern darf man keinen Pfusch abliefern, da dies sterile Orte sein müssen“, nennt Recktenwald als Beispiele.

Er und seine Kollegen bedauern, dass das Fliesenleger-Handwerk allmählich vor die Hunde geht. Denn seit der Reform der Handwerksordnung im Jahr 2005 sind kein Meisterbrief und keine spezielle Qualifikation mehr vorgeschrieben, wenn jemand einen Fliesen-, Platten- oder Mosaikleger-Betrieb eröffnen oder sich als Estrichleger selbstständig machen will. „Das kann heute jeder machen“, kritisiert Claus Weyers, Hauptgeschäftsführer des AGV Bau Saar .

Entsprechend angestiegen ist die Zahl der Betriebe. Waren Ende 2004 im Saarland erst 286 Unternehmen registriert, sind es heute laut Handwerkskammer 621 im Hauptgewerbe und 905, wenn die Nebengewerbe mitgezählt werden. Eine Meisterprüfung legten im Jahr 2009 nur noch drei Handwerker ab. Im neuen Lehrgang an der Saarbrücker Meister- und Technikerschule ist kein Fliesenleger mehr dabei. Außerdem ist die Zahl der Lehrlinge auf 55 geschrumpft. „Es kommt kaum noch jemand hinzu“, beklagt Thomas Müller, Fliesenlegermeister aus Köllerbach und Sprecher des LFG-Jungmeisterkreises. „Nicht nur das Wissen geht verloren. Ganze Strukturen brechen weg“, klagt er. „Dabei war der Ausbildungsstandard immer hoch“, sagt Pascal Hübschen, Ausbildungsmeister für den Bereich Fliesen und Naturstein im Ausbildungszentrum des AGV Bau. Die angehenden Gesellen verbringen bis zu 37 Wochen ihrer dreijährigen Lehre im Ausbildungszentrum, um ihren Beruf von der Pike auf zu erlernen. „Dadurch ist ein einheitlicher Ausbildungsstandard sichergestellt“, sagt Hübschen.

„Der Verbraucherschutz ist hier voll nach hinten losgegangen“, schimpft Weyers. „Der Schaden ist enorm.“ Das geht auch aus einer Umfrage unter Sachverständigen hervor, die Baustellen bei aufgetretenen Schäden begutachten. Wurde beim Verlegen der Fliesen schlecht gearbeitet, haben die Experten einen durchschnittlichen Schaden von 9000 Euro ermittelt. „Im Einzelfall lag die ermittelte Schadenssumme sogar bei 93?000 Euro“, heißt es in dem Dossier. Die Handwerker verlangen unisono, dass für den Fliesen- und Estrichleger-Beruf wieder die alten Regelungen der Handwerksordnung gelten, „damit die Pfuscher vom Markt verschwinden“. Das fordern sowohl der AGV Bau als auch die Handwerkskammer (HWK) Saarland .

Einen wehrhaften Mitstreiter haben sie in Luitwin Gisbert von Boch-Galhau. Der Firmenpatriarch des Mettlacher Keramik-Konzerns Villeroy?& Boch bombardiert schon seit Jahren das politische Berlin und auch die Landesregierung mit Briefen. Für sein Anliegen hat man beispielsweise im Bundeswirtschaftsministerium „vollstes Verständnis“. „Passiert ist bislang wenig“, beklagt sich von Boch-Galhau. „Aufgeben kommt für mich nicht in Frage.“

bau-saar.de

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