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Flucht: Afghane (15) will in Saarbrücken bleiben

Navid Rahimi (l.) und seine Mitschüler aus Afghanistan genießen den Unterricht.

Navid Rahimi (l.) und seine Mitschüler aus Afghanistan genießen den Unterricht.

Olia erzählt seine Geschichte auf Deutsch. Er kann sich verständlich machen, ebenso wie sein Freund Navid Rahimi (16). Navid hat keinen Vater mehr, seine Mutter schickte ihn los. Die beiden Jungs leben heute zusammen in einer SOS-Wohngruppe, beide wurden zusammen im Zug aufgegriffen – als „minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“. Die Jungs wurden von „netten Polizisten“ abgeführt, die hätten sogar Scherze gemacht. Olia war zu Fuß vom Iran in die Türkei und weiter nach Griechenland gewandert, auch Navid hatte sich vom Iran nach Griechenland durchgeschlagen, dann reisten beide mit Schiff und Bahn über Italien und Frankreich nach Deutschland. Saarbrücken war die Grenze.

Die beiden sind keine Einzelfälle. Im letzten Jahr wurden 200 minderjährige Flüchtlinge an der Saar aufgegriffen, die Bahnlinie von Paris nach Frankfurt ist die bevorzugte Verbindung. Heute sitzen die beiden mit 13 gleichaltrigen täglich in in Malstatt und machen den Hauptschulabschluss nach, lernen Deutsch und begeistern ihre Lehrer. Die Klasse mit zwölf Jungs aus Afghanistan und einem Jungen aus Bangladesh ist eine Musterklasse, die jeden deutschen Lehrer begeistern würde. . „Motivation und Aufmerksamkeit sind gar kein Thema“, sagt Mathelehrer Gregor Mertz: „Diese Schüler fehlen nie und es ist für uns ganz leicht, mit ihnen zu arbeiten. Sie wissen, wie wichtig die Stunden sind.“ Mertz ist angestellt beim Zentrum für Bildung und Beruf Saar (ZBB) und macht seit vielen Jahren Kurse für Ausländer oder Menschen, die den Hauptschulabschluss nachholen müssen.

„Ich will einen Dolmetscher“, war Navids erster deutscher Satz. Er lernte ihn in Griechenland. Ein Tipp unter Flüchtlingen für den Fall, dass man die Grenze erreicht. Heute kann er schon Fragen eines Reporters beantworten. Dass er den Hauptschulabschluss bestehen wird, bezweifeln seine Lehrer nicht. Ob er in Deutschland bleiben kann, dass wissen jedoch sie nicht. ZBB-Chefin Karin Riga würde es den Jungs wünschen und sieht hier Potenzial gegen den Facharbeitermangel. Denn diese Jungs auszubilden, würde auch Deutschland etwas bringen, ist sie überzeugt. Denn ihr Eifer sei einfach unbeschreiblich.

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