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Flüchtlinge: Erste Turnhallen im Saarland werden wohl bald belegt

Die Suche nach freien Wohnungen für Flüchtlinge nimmt inzwischen ungewöhnliche Formen an. Es gibt Bürgermeister, die durch die Straßen ihrer Gemeinde fahren und ihre Mitarbeiter nachforschen lassen, wenn in einer Wohnung tagelang die Rollläden unten sind. Vielleicht ist es ja ein Leerstand, den die Gemeinde mieten oder kaufen kann. Das Land hilft mit Millionen, Geld spielt bei der Immobilienbeschaffung nur noch eine untergeordnete Rolle.

Doch mit Mieten und Kaufen wird es bald voraussichtlich nicht mehr getan sein. Rathaus-Chefs der größeren Städte verhandeln bereits mit Investoren, die größere Wohnkomplexe bauen sollen. Vielerorts gibt es auch leer stehende ehemalige Schulen, die in Frage kommen. Gerade in den kleineren Kommunen sorgen sich die Bürgermeister aber auch, dass sie bald in Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäuser Notunterkünfte einrichten müssen – in anderen Bundesländern ist dies längst der Fall. Innenminister Klaus Bouillon ( CDU ) hält grundsätzlich auch Feuerwehrgerätehäuser für geeignet.

Laut Innenministerium gibt es in den Kommunen derzeit noch einen Wohnungspuffer von rund 700 Plätzen. Allerdings sollen pro Woche bald 600 bis 900 Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt werden. Bouillon hatte vor Tagen in einem Brandbrief an die Bürgermeister appelliert, Wohnraum anzumieten, „ansonsten werden Sie in ganz kurzer Zeit überrollt“ (die SZ berichtete). Auf die SZ-Anfrage, wie die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen ist, dass künftig kommunale Einrichtungen wie Turnhallen als Notunterkünfte genutzt werden müssen, antwortete das Innenministerium: „hoch“.

Viele Rathaus-Chefs wollen genau dies jedoch um beinahe jeden Preis vermeiden. Der Homburger OB Rüdiger Schneidewind ( SPD ) sagte der SZ schon vor Wochen: „Wenn Kinder morgens in der Schule und abends im Verein keinen Sport mehr machen können, weil die Turnhalle mit Flüchtlingen belegt ist, kann die Stimmung kippen.“ Nach aktuellen Angaben kann die Stadt so genannte Zwangsbelegungen bis Jahresende wohl auf jeden Fall vermeiden. Was danach kommt, weiß noch niemand so genau.

Als erste Kommune musste Püttlingen im Juli für mehrere Wochen eine Turnhalle als Notunterkunft zur Verfügung stellen. Das Rote Kreuz betreute darin minderjährige Flüchtlinge , weil der Regionalverband nicht mehr wusste, wohin mit ihnen – die eigentlich zuständigen Clearinghäuser waren voll. Doch im Sommer ruhte der Trainingsbetrieb der Sportvereine in der Köllerbacher Rathausturnhalle ohnehin. Als nach den großen Ferien wieder eine Notunterkunft für junge Flüchtlinge her musste, wurde sie nicht in einer Turnhalle, sondern in einer ehemaligen Schule in Riegelsberg-Walpershofen errichtet.

Der Tholeyer Bürgermeister Hermann Josef Schmidt ( CDU ) sagte der SZ, er könne den Schulen und Vereinen nicht zumuten, Turnhallen zu belegen. Vorher werde er von allen anderen Möglichkeiten Gebrauch machen, beispielsweise feste Zelte und Container aufstellen lassen. Schmidt sorgt sich auch, dass wenn erst einmal Flüchtlinge in Turnhallen einquartiert worden sind, dies zum Dauerzustand werden könnte.

Dies sehen auch andere Bürgermeister so. Andererseits, so ist aus manchem Rathaus zu hören, seien Turnhallen nun einmal recht gut geeignet, weil sie über Sanitäranlagen und vor allem viele Duschen (die es in Dorfgemeinschaftshäusern nicht gibt) verfügen. Scheitern könnte die Zwangsbelegung von Turnhallen allerdings an einem ganz einfachen Grund: Auf dem deutschen Markt gibt es kaum noch Feldbetten .
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