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Folsterhöhe sucht Arzt: Seit März keine Praxis mehr

Folsterhöhe. Rund 1700 Menschen – und kein Arzt. Rund 970 Wohnungen, aber keine Arztpraxis. So ist die Lage auf der Folsterhöhe, seit Dr. Knittel seine Praxis in der Hochhaussiedlung zum 31. März geschlossen hat. Und so wird es auch wohl bleiben, vermutet Wolfgang Meunier, der zweite Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland.

„Dr. Knittel hat sich vorher gut zwei Jahre lang – auch mit unserer Hilfe – bemüht, einen Nachfolger zu finden“, sagt Meunier. Es habe einige Interessenten gegeben. „Wir konnten aber nicht erreichen, dass einer dieser Interessenten die Praxis übernommen hat“, erklärt Meunier.

Bürger auf Arzt-Suche

Was der Kassenärztlichen Vereinigung nicht gelungen ist, wollen Bürger, die sich regelmäßig im Kontaktzentrum der Caritas treffen, nun selbst in die Hand nehmen. Sie haben die „Bewohnerinitiative Folsterhöhe sucht Arzt“ gegründet und die Kassenärztliche Vereinigung Saarland erneut um Hilfe gebeten.

Die Hochhaussiedlung am Stadtrand, direkt an der französischen Grenze gelegen, sei „in vielerlei Hinsicht ein benachteiligtes Wohngebiet“, schreiben Claudia Bickel und Elisabeth Lauf vom Kontaktzentrum im Auftrag der Bewohner an die die Kassenärztliche Vereinigung. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen liegt mit 24 Prozent weit über dem städtischen Durchschnitt, erklären sie. Über 40 Prozent der Bewohner sind Einwanderer. Etwa die Hälfte der Bevölkerung auf der Folsterhöhe sei auf staatliche Hilfe, also auf Arbeitslosengeld und Grundsicherung angewiesen.

„Gerade vor diesem Hintergrund ist die medizinische Grundversorgung mit einer Hausarztpraxis im Wohngebiet von immenser Bedeutung“, schreiben Bickel und Lauf. „Kurze Wege vor Ort vom Patienten zum Arzt und umgekehrt, der Hausarzt als Vertrauensperson, der das Umfeld und die Lebensumstände kennt und einschätzen kann“ – das sei gerade in der Hochhaussiedlung wichtig.

Alleinerziehende und ältere Menschen trifft's besonders hart

Bleibe die Arztpraxis geschlossen, bedeute das insbesondere für Alleinerziehende mit mehreren Kindern und ältere Menschen, dass sie mehr Geld als bisher für Busfahrten aufbringen müssen. „Besonders dramatisch stellt sich die Situation für die älteren, gehbehinderten Patienten dar, die ohne Begleitung die Busfahrt in die Innenstadt nicht bewältigen können“, schreiben die Frauen.

Die Bewohnerinitiative hat darüber hinaus einen Aufruf verfasst, der in saarländischen Kliniken ausgehängt wurde. Darin wirbt die Initiative mit dem, was die Folsterhöhe aus ihrer Sicht zu bieten hat: Zum Beispiel einen „dörflichen Charakter am Stadtrand“ und eine „herzliche Bewohnerschaft, die ihren Arzt oder ihre Ärztin zu schätzen weiß“.

Die Kassenärztliche Vereinigung will helfen, glaubt aber nicht, dass es gelingt einen Arzt zu finden, der sich auf der Folsterhöhe niederlässt. „Filialsprechstunden“ könnten eine Lösung sein, sagt Meunier. Das bedeutet, dass Ärzte aus der Umgebung die ehemaligen Praxisräume anmieten und dort abwechselnd zu bestimmten Zeiten Dienst tun.

Die Siedlungsgesellschaft, der die Räume gehören, habe die ehemalige Praxis bereits „zu einer nicht ungünstigen Kaltmiete“ angeboten. Vielleicht gelinge es so, die Praxis neu zu beleben. Die Bewohnerinitiative will auf jeden Fall weiter um ihre Folsterhöhe kämpfen und werben.
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