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Forensik-Ausbrecher: Fahndung ohne Fotos?

Schild vor der Merziger Forensischen Psychiatrie.

Schild vor der Merziger Forensischen Psychiatrie.

Saarbrücken. Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch dreier Straftäter aus dem Hochsicherheitstrakt der forensischen Klinik in Merzig regt sich Kritik an den Fahndungsmethoden. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und die Deutsche Polizei- Gewerkschaft (DPolG) meldeten gestern Zweifel an der Entscheidung an, auf eine öffentliche Fahndung mit Fotos und Namensnennung der Täter zu verzichten. BDK-Landeschef Felix Recktenwald nannte das Vorgehen „sehr bedenklich“. Er sagte der SZ: „Wenn die Leute so gefährlich sind, dass sie in einer geschlossenen Anstalt untergebracht werden, muss auch öffentlich nach ihnen gefahndet werden können, wenn sie ausgebrochen sind.“

Die Sicherheit der Allgemeinheit müsse Vorrang vor dem Persönlichkeitsrecht der Betroffenen haben. Der DPolG-Landesvorsitzende Horst Dörr forderte, nach über einer Woche erfolgloser Suche müsse nun auch über eine öffentliche Fahndung nachgedacht werden. Das Justizministerium verteidigte gestern die zurückhaltende Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung: Fotos und Namen würden nicht veröffentlicht, „um eine vorhandene Gefährlichkeit nicht noch zu intensivieren“. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die als mitgliederstärkste Polizisten-Vertretung im Saarland mit DPolG und BDK konkurriert, zeigte Verständnis. Dass nicht öffentlich gefahndet werde, gehöre „im aktuellen Stadium der Fahndung zu professioneller Arbeit“, sagte Landeschef Reinhold Schmitt. Denn so hätten die Fahnder „größere strategische und taktische Erfolgsaussichten“.

Unter Umständen erhöhe man sogar die Gefährlichkeit der Ausbrecher, wenn an jeder Tankstelle und in jeder Bäckerei Fotos hingen und die flüchtigen Straftäter sich verhielten „wie aufgescheuchte Hühner“. Allerdings hatte die luxemburgische Polizei, die das Trio ebenfalls sucht, in der vergangenen Woche Fotos der Männer veröffentlicht. Daraufhin hatte auch die SZ die Fotos gedruckt. Recktenwald und Dörr kritisierten, in dieser Frage dürfe es nicht zu unterschiedlichen Bewertungen dies- und jenseits der Grenze kommen. Die Polizei fahndet seit Tagen intensiv nach dem Trio – bislang ohne Erfolg.

„Es gibt keine heiße Spur“, sagte Polizeisprecher Georg Himbert gestern. Die drei zwischen 30 und 35 Jahre alten Straftäter waren am Samstag vergangener Woche während eines Hofgangs getürmt. Sie waren wegen Körperverletzung, schweren Diebstahls, schweren Raubes und sexueller Nötigung in Gewahrsam. Nach Einschätzung des Justizministeriums sind die drei Männer „grundsätzlich als nicht ungefährlich, aber am unteren Rand der Gefährlichkeit einzustufen“. Merzigs OB Alfons Lauer (SPD), der sich in die Fahndungs-Debatte nicht einmischen will, sagte gestern nur: „Wer in die Forensik kommt, muss ein gewisses Maß an Gefährlichkeit haben.“ Die Kriminellen waren durch zwei Löcher im 4,50 Meter hohen Sicherheitszaun des Klinikgeländes geflüchtet und machten sich anschließend mit einem wartenden Auto aus dem Staub.

Das Justizministerium vermutet Helfer von außen. Lauer, Recktenwald und Dörr sprachen von eklatanten Sicherheitslücken am Zaun. „Das muss unbedingt sofort geändert werden“, forderte Lauer. Das Justizministerium hat bereits einen zweiten Sicherheitszaun in Aussicht gestellt. Der Sicherheitszaun ist videoüberwacht. Allerdings laufen auf einem einzigen Bildschirm beim Sicherheitspersonal der Klinik die Aufnahmen von zehn Kameras auf – die Fluchtstelle ist daher nur alle 50 Sekunden kurz zu sehen. „Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen wir nicht davon aus, dass sich ein Mitarbeiter der Forensik fehlverhalten hat“, hieß es gestern im Justizmisterium.


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