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Fotos: „Percussion under construction“ am Saarbrücker Flughafen

Auf die Wettervorhersage am Flughafen ist Verlass. So war schon früh klar, dass das Sonderkonzert von „Percussion under construction“, der Schlagzeugtruppe des Saarländischen Staatstheaters, nicht wie geplant open air in der Lärmschutzbox würde stattfinden können. So hieß es stattdessen am Samstag im nicht weniger spektakulären überdachten Hangar „Welcome on board“. Und willkommen fühlte man sich wirklich: Wie bei einem richtigen Flug checkte man bei gut gelauntem Personal ein, das einen nach der Sicherheitskontrolle mit einem vergnügten „Schönen Urlaub!“ in den Shuttle-Bus schickte – eine Rundreise über den Flughafen war inbegriffen. Im Ausweichquartier empfingen einen Bratwürschtelduft und ein ausgedehntes Schlagwerk-Arsenal.

Abflug! Zum Start ertönten jedoch keine Triebwerke, sondern Calypso-Rhythmen bei Henry Mancinis „Suite for Solo Drumset and Percussion Ensemble“. Zuvor fuhr die Außenwand zur Seite, so dass der dampfende Solist Thorsten Muschiol von der Nachtluft gekühlt wurde. Nicht über den Wolken, aber vor der Halle und über den Dingen, in einer Flugzeugtreppe nämlich, schwebte danach Martin Hennecke bei seinem Solo für kleine Trommeln (und Tonbandcollage). Ebenso eine Quartett-Auskopplung, die bei Ed Argenzianos „Stinkin’ Garbage“ blecherne Mülltonnen verdrosch.

Kontrastprogramm: Auf die minimalen Klänge von Dennis Kuhns Komposition „16th Patterns“ ließ Martin Hennecke mit Variationen über John Dowlands „Lacrimae pavane“ ein innig-verhaltenes Marimbaphon-Solo folgen. Weiche, warme Klänge von Stab- und Glockenspiel, konterkariert durch Stefan Wunns präzise Snare Drum, definierten auch Bob Beckers konzentrierte Komposition „Mudra“. Während man sich verblüfft fragte, wie Regisseur Gaetano Franzese die fabelhafte Außenillumination hingekriegt hatte, die durch die Fenster der mittlerweile wieder geschlossenen Seitenwand zuckte, wurde einem klar, dass es sich um Blitze handelte: Ein Gewitter machte dem Konzert (musikalische Leitung: Matthias Weißenauer) perkussive Konkurrenz und unterlegte alles mit einem rauschenden Regen-Klangteppich.

Die sieben Schlagwerker, ergänzt um Keyboarder Sebastian Voltz, setzten ihr Repertoire zeitgenössischer Literatur nach ausgedehnter Unwetter-Pause fort und servierten unter anderem einen fidelen Ragtime und karibische Klänge mit gefälligem Easy-Listening-Touch. Zur Landung heulten bei Sebastian Voltz’ und Fedor Podranskis tosendem Klangexperiment „Electro Groove“ dann doch noch die Triebwerke eines herbei gerollten Flugzeugs – und für den begleitenden Licht- und Feuerzauber draußen war nun tatsächlich Regisseur Franzese verantwortlich. Das Publikum gab stehende Ovationen.

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