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Frankreichs Premier ist großer Saarland-Kenner

Paris/Saarbrücken. Hierzulande ist Ayrault nämlich kein Unbekannter. Seit 1989 ist er Bürgermeister von Saarbrückens Partnerstadt Nantes, und in dieser Eigenschaft hat er schon häufiger das Saarland und Saarbrücken besucht, wie zum Beispiel vor einigen Jahren als seine Amtskollegin Charlotte Britz von der Landespressekonferenz die „Goldene Ente“ für ihren offenen Umgang mit den Medien verliehen bekam.

Damals lobte Ayrault das Saarland als einen der wenigen Orte konkreten deutsch-französischen Erlebens. SPD-Chef Heiko Maas sieht in dem Germanisten Ayrault einen „Freund und exzellenten Kenner des Saarlandes“, der schon häufig auf SPD-Parteitagen im Land zu Gast war. Der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen begrüßte seine Ernennung zum französischen Premierminister als „gute Nachricht für die deutsch-französischen Beziehungen wie auch für das grenzüberschreitende Verhältnis des Saarlandes zu den Nachbarn in Frankreich“. Leinen erhofft sich nun, dass grenzüberschreitende Projekte schneller vorangetrieben werden können. Der ehemalige Deutschlehrer Ayrault gilt als bescheiden und diskret. Er ist ein treuer Weggefährte Hollandes und positioniert sich ebenfalls in der Parteimitte. Hollande beschrieb ihn einst als „Sozialdemokraten von deutschem Schlage“.

Im Wahlkampf kümmerte sich Ayrault um heikle Themen wie den EU-Fiskalpakt, die umstrittene Wachstumsstrategie für Europa und um Deutschland. Manchen erscheinen die Charaktere gar als zu ähnlich: Ayrault mit seiner wenig telegenen Ausstrahlung eines soliden Technokraten teilt mit Hollande ein geringes Maß an Charisma. Der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy hatte mit seinem Premierminister François Fillon bewusst einen Politiker gewählt, der mit seiner bedächtigen Art als idealer Ausgleich wirkte. Außerdem wird nicht nur Hollande mangelnde Regierungserfahrung vorgeworfen, sondern auch Ayrault, der nie Minister war. Kritiker verweisen zudem auf die Verurteilung Ayraults 1997 wegen Begünstigung zu einer Geldstrafe und sechs Monaten auf Bewährung.

Es ging dabei um die Auftragsvergabe ohne Ausschreibung an ein Unternehmen für den Druck der Stadtzeitung, dessen Besitzer zugleich Parteispender war. Ayrault hat die Verantwortung genommen, betont aber, seine persönliche Integrität sei nicht in Frage gestellt. Die Bewohner von Nantes hätten ihn seither zweimal klar wiedergewählt. Ayrault hat die Stadt einem Modernisierungskurs unterzogen, die sie zu einer Regionalmetropole mit lebendigem kulturellem Leben gemacht hat. Auch die deutsch-französische Zusammenarbeit in Kultur und Wissenschaft will der verheiratete Vater von zwei Töchtern, der manchmal noch mit seinem alten VW-Bus in Kurzurlaub fährt, vertiefen. Aus seiner Zuneigung für Deutschland hat Ayrault übrigens nie einen Hehl gemacht. Auf seiner Homepage steht: „Ich habe mich diesem Land immer verbunden gefühlt.“ hol/afp/jöw
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