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Franzosen haben die Nase voll vom Streik-Chaos

Paris. In ihrem erbitterten Kampf gegen die Rentenreform müssen die französischen Gewerkschaften fürchten, dass die Unterstützung durch die Bevölkerung schwindet. „Streiks, Demonstrationen, Blockaden – Die Franzosen haben genug davon“, titelte die Tageszeitung „Le Figaro“ am Wochenende auf Seite eins. Als Beleg zitierte das Blatt jüngste Umfrageergebnisse. Die Zahlen geben zumindest eine Tendenz wieder. 56 Prozent der Franzosen wünschen sich, dass die Gewerkschaften ihre Protestbewegung nach der endgültigen Verabschiedung der Rentenreform durch das Parlament beenden und die Entscheidung respektieren. Die Wirtschaft beklagt schon jetzt Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Neue Demonstrationen geplant

Den Arbeitnehmervertretern dürfte der sich abzeichnende Stimmungsumschwung Kopfzerbrechen bereiten. Wenn sie auf Volkes Stimme hören, müssten sie Streiks und Proteste von Mittwoch an einstellen. An diesem Tag soll die Rentenreform endgültig unter Dach und Fach gebracht werden. Schon jetzt sind allerdings für Donnerstag und für den 6. November neue Demonstrationen geplant. „Wir werden nicht aufgeben, wir sind entschlossener als je zuvor“, heißt es von Gewerkschaftsseite. „Die Beschäftigten wollen, dass wir weitermachen“, erklärt der Chef des Gewerkschaftsbundes CGT, Bernard Thibault. Die Arbeitgebervertreter zweifeln solche Aussagen an. „Die Blockade-Aktionen kommen Wirtschaftsterrorismus gleich. Nur eine kleine Minderheit der Beschäftigten der kleineren und mittleren Unternehmen stützt die Proteste“, sagt etwa Verbandsvertreter Jean-François Roubaud. Wenn zum Beispiel die Raffinerieblockaden weitergingen, werde es in Kürze erhebliche Probleme und sogar Unternehmenspleiten geben.

Ritual aus einem anderen Jahrhundert

Schon in den vergangenen Tagen mussten Beschäftigte in der Transport- und Logistikbranche in Kurzarbeit geschickt werden. Bereits in dieser Woche droht 15 000 Franzosen durch die Streiks verursachte Arbeitslosigkeit, weil beispielsweise für den Straßenbau kein Bitumen als Bindemittel für Asphalt geliefert werden kann. „Das ist ein Ritual aus einem anderen Jahrhundert. Die Wirtschaft als Geisel zu nehmen, ist nicht zu tolerieren“, schimpft Jean-François Copé, Fraktionschef der Regierungspartei UMP in der Nationalversammlung. Die Fluggesellschaft Air France beziffert den Umsatzverlust pro Streiktag auf bis zu fünf Millionen Euro, die Bahngesellschaft SNCF auf 20 Millionen und die Chemieindustrie sogar auf 100 Millionen Euro.

Nur noch 29 Prozent der Franzosen mit ihrem Staatschef zufrieden

Für das Frankreichbild im Ausland sei das Streikchaos desaströs, fürchten Regierungsvertreter. Immer wieder verweisen sie auch darauf, dass die für Frankreich geplante Erhöhung des Mindestalters für den Bezug einer vollen Rente von 60 auf 62 Jahre im internationalen Vergleich eine vergleichsweise geringe sei.

Für Präsident Nicolas Sarkozy ist die Reform trotz aller guten Argumente zu einer schweren Belastung geworden. Nach einer gestern veröffentlichten Umfrage sind nur noch 29 Prozent der Franzosen mit ihrem Staatschef zufrieden – so wenige wie nie zuvor. Es werde weder einen Sieger, noch einen Besiegten geben, sagte Präsidentenberater Raymond Soubie zum Rentenstreit. „Diese Reform wird umgesetzt. Das ist ein Gewinn für Frankreich und die Franzosen.“

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