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Frauchen lässt Flecki nicht mehr aus den Augen

Ausgelassen tobt Flecki über die Wiese. Er holt kleine Stöcke, die Frauchen Lisa Metzler (24) im Garten wirft. Zwischendurch gibt es immer mal wieder ein Leckerli – und Krauleinheiten. „Er ist sehr schmusebedürftig. Man merkt, dass er Nachholbedarf hat“, sagt Herrchen Sven Hossalla (36). Flecki wohnt seit rund fünf Wochen in Longuich bei Trier – und ist vermutlich derzeit einer der bekanntesten Hunde Deutschlands.

Seine Geschichte hatte im Juli zig Menschen bewegt: Seine Besitzer hatten den Mischling aus einem Urlaub in Kroatien mitgenommen. Bei der Rückfahrt mit dem Auto legten sie an der Autobahn A 8 bei Ulm eine Gassipause ein, da passierte es: Wegen eines lauten Knalls lief der scheue Vierbeiner davon, in einen Wald. Metzler und Hossalla harrten fast zwei Wochen auf dem Rastplatz aus, bis sie Flecki nach unzähligen Suchaktionen endlich wieder in die Arme nehmen konnten. „Wir haben da nur noch geheult vor Freude.“

Es sei ein ganz besonderes Glücksgefühl, wenn man seinen entlaufenen Hund wiederfinde, sagt die Sprecherin des Vereins Tasso, Silke Steinsdörfer. „Für viele Menschen ist das Tier ein Familienmitglied.“ Leider gelinge es nicht immer.

Im Jahr 2014 waren bei dem Verein, der sich um die Rückvermittlung entlaufener Tiere kümmert, rund 10 300 Hunde als vermisst gemeldet. Etwa 7800 davon konnten wieder zu Herrchen und Frauchen zurückgebracht werden. Tasso betreibt mit 7,5 Millionen registrierten Tieren das wohl größte Haustierzentralregister Europas.

„Ja, wir würden nochmal genauso nach Flecki suchen“, sagt Hossalla. „Ich glaube aber nicht, dass uns so was nochmal passieren wird.“ Das Paar lässt den schwarzen Rüden mit weißen Flecken auf der Brust nicht mehr aus den Augen. Im Garten darf er inzwischen ohne Leine herumspringen. Draußen aber geht er nur an der Leine. „Das wollen wir auch in den nächsten vier, fünf Monaten noch so lassen.“ Flecki sei aber ohnehin sehr anhänglich. „Er geht nicht weg von uns, er läuft uns eher ständig nach, wie an einer unsichtbaren Leine.“

Metzler und Hossalla hatten den vierjährigen Flecki im Urlaub auf der kroatischen Insel Rab in einer privaten Tierrettung entdeckt. „Er kam direkt angerannt, ist an einem hochgesprungen und hat sich gefreut“, erzählt Metzler. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Er sei allerdings sehr scheu und ängstlich gewesen. „Es ging ihm unserer Ansicht nach nicht sonderlich gut.“

Im neuen Zuhause in Longuich habe er sich inzwischen „hervorragend“ eingelebt, sagt Hossalla. Auch seine Angst und Scheu habe er zum Großteil verloren. Geholfen habe ihm dabei vor allem Hündin Layla, die auch zur Familie gehört. „Ganz klar, er orientiert sich an ihr.“ Heißt: Wenn ein lautes Auto komme, schaue Flecki anfangs angespannt auf Layla. Wenn sie nicht reagiere, entspanne er sich wieder.

Beide Hunde kämen bereits gut miteinander zurecht. Flecki sei nur immer noch ein bisschen eifersüchtig, „weil er uns für sich alleine haben will“. Das müsse er also noch lernen, schließlich sei Layla als Erste da gewesen. Hossalla hat die Hündin vor gut fünf Jahren als Welpe bekommen. Das Verhältnis zu Neuankömmling Flecki sei aber bereits nach der kurzen Zeit ein besonders intensives: „Dass wir tagelang nach ihm gesucht, gebangt und gebetet haben, dass er wieder zu uns zurückkommt, das hat die Bindung schon sehr viel stärker gemacht.“
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