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Frauenpower für die Natur- wissenschaften

Saarbrücken. Wer weiß schon, dass Voltaires langjährige Lebensgefährtin Émilie du Châtelet eine begnadete Mathematikerin und Physikerin war, die wesentlich an dessen Schriften über die Newton'sche Physik mitgearbeitet hat? Oder wer hat schon von Ada Lovelace gehört, die im 19. Jahrhundert in Großbritannien lebte und das erste Programm für eine „analytische Maschine“ schrieb, der Vorläuferin des modernen Computers?

Zu allen Zeiten wurden Naturwissenschaft und Technik als Männerdomänen betrachtet. Dabei hat man die Frauen, die trotz aller sozialen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten ihr Können in Naturwissenschaft und Technik eingebracht haben, aus dem Blick verloren. Die alten Denkweisen scheinen sich bis heute gehalten zu haben. Gerade einmal zehn Prozent aller Arbeitsplätze in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen seien von Frauen besetzt, erläutert die saarländische Kultusstaatssekretärin Susanne Reichrath. „Viele Mädchen sehen Technik als männlich besetzt an und trauen sich etwa ein Studium nicht zu.“ Damit sich daran etwas ändert, gibt es seit sechs Jahren in den großen Ferien an der Universität des Saarlandes ein einwöchiges Camp für Schülerinnen. Dessen Ziel ist es, Mädchen der Klassenstufen acht und neun für die Welt der naturwissenschaftlichen und technischen Forschung zu begeistern, ihnen Perspektiven für Studium und Beruf zu eröffnen und sie gezielt zu fördern.

Seit gestern Morgen bevölkern 40 Schülerinnen von Gymnasien, Gesamtschulen und Erweiterten Realschulen aus dem ganzen Saarland den Saarbrücker Uni-Campus, um dort bis Freitagabend Wissenschaftsluft zu schnuppern und in der Ferien etwas zu lernen. Ihr Tagesablauf ist streng durchorganisiert. Die fünf Tage sind zwischen neun und 18 Uhr mit Vorträgen und Laborzeiten vollgepackt – schließlich gilt es innerhalb kürzester Zeit, in die verschiedensten Wissensgebiete reinzuschnuppern und möglichst viele Eindrücke mitzunehmen. „Wir machen Technik und Naturwissenschaft zum Anfassen“, betont Sybille Jung, die als Gleichstellungsbeauftragte der Universität das vom Kultusministerium mit jährlich 6000 Euro mitfinanzierte Uni-Camp mitorganisiert. Die Mädchen experimentieren in Kleingruppen gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den Labors und lernen spannende Berufe von der Informatik bis zur Nanotechnologie kennen.
 
Neben Lehrstühlen und Arbeitsgruppen der Biologie, Chemie, Physik, Mechatronik, Werkstoffwissenschaften und Bioinformatik sind auch das Max-Planck-Institut für Informatik und das Kompetenzzentrum Molekulare Medizin mit von der Partie. Auf dem Programm stehen unter anderem ein physikalischer Vortrag über die „unglaublichen Eigenschaften von Flüssigkeiten und warum manche Tiere an der Decke laufen“ sowie ein Lötworkshop in der Mechatronik. Die Informatiker wollen den 40 Mädchen ihr Fachgebiet mit einem Roboter-Workshop schmackhaft machen, und in der Molekularen Medizin dürfen die jungen Teilnehmerinnen ihren ph-Wert im Blut bestimmen und die DNA aus Obst und Gemüse isolieren. Alle Mädchen wohnen, essen und übernachten in der Unicamp-Woche gegen einen Eigenanteil von 100 Euro an der Saarbrücker Sportschule.

Um daran teilzunehmen, mussten sie sich bei der Uni bewerben und dabei klarmachen, warum sie mitmachen wollen. Für Kristina Schaefer war diese Frage einfach zu beantworten. „Ich bin an den verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern, insbesondere an Chemie und Medizin, interessiert“, sagte die 13-Jährige Schülerin der achten Klasse des Warndtgymnasiums in Völklingen. Sie will später einmal im Bereich Genetik oder Medizin arbeiten und erhofft sich vom Uni-Camp Anregungen für die Berufswahl. Aber auch, dass es lustig wird.
 
Anna-Lisa Jäckel vom Geschwister-Scholl-Gymnasium Lebach will später ebenfalls in den Naturwissenschaften arbeiten, weiß aber noch nicht genau in welcher Disziplin. Das Uni-Camp soll ihr bei der Entscheidungsfindung helfen. „Die Tage werden hoffentlich interessanter als manche Schulstunde“, lächelt die 15-Jährige. Vielleicht werden zumindest einige der Teilnehmerinnen am Uni-Camp in vier, fünf Jahren ihren Teil dazu beitragen, den Frauenanteil in den naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen an der Saar-Uni zu erhöhen. Der liegt zurzeit laut Sybille Jung immerhin bereits bei über 30 Prozent. Die Vorurteile in den Köpfen scheinen wohl dann doch langsam zu verschwinden. Michael Stephan 
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