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Frauenschwimmen: Saarbrücker sammeln Unterschriften

Saarbrücken. Dass Frauen beim Schwimmen mal unter sich bleiben wollen und das an nur zwei Nachmittagen im Monat – das sei doch eigentlich nichts Ungewöhnliches, meint jedenfalls der Deutsch-Ausländische Jugendclub (DAJC). Er hat gemeinsam mit dem Saarbrücker Zuwanderungs- und Integrationsbüro (ZIB) das Projekt „Interkulturelles Frauenschwimmen im Altenkesseler Alsbachbad“ auf den Weg gebracht – und damit allerhand Protest ausgelöst, der inzwischen teilweise undemokratische Formen angenommen hat:

Motto: „Wir sind dafür!“

ZIB-Leiterin Veronika Kabis, der DAJC, aber auch die Mitarbeiter des Frauennotrufs Saarland und Saarbrücker Bürger, die sich unter Nennung ihres Namens für das Frauenschwimmen ausgesprochen haben, wurden bereits mehrfach anonym telefonisch und per E-Mail beleidigt und bedroht.

Das hat jetzt viele Saarbrücker auf den Plan gerufen, die verhindern wollen, dass ihre Stadt sich dieser Art Druck beugt. Unter dem Motto „Wir sind dafür!“ haben 186 Privatpersonen, Vereine und Institutionen eine Petition des DAJC unterzeichnet und sich damit hinter das Frauenschwimmen gestellt. Das Spektrum der Unterzeichner reicht vom Verein Unternehmerinnenpotenzial im Saarland e.V, über Pro Familia Saarbrücken und die Arbeiterwohlfahrt Saarland bis zu Vertretern von Gemeinwesenprojekten und Kirchen.

„Man mag unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob und wie viel Sichtschutz ein solches Frauenschwimmen benötigt“ heißt es in der Petition.  Doch Drohgebärden trügen nicht zu einer inhaltlichen Diskussion bei, sondern forderten erst recht zu Solidarität mit den Initiatoren und den künftigen Teilnehmerinnen heraus.



Sexuell traumatisiert

Der DAJC habe seit 2009 bereits mehrere Frauenschwimmkurse angeboten, erklärt DAJC-Vertreterin Irene Krohn. Zu diesen Kursen seien rund 100 Frauen gekommen – und hätten so ihr Interesse an einem Frauenschwimmangebot bekundet. Dafür seien die bisher genutzten Schulschwimmbecken, die nur Platz etwa für 20 Teilnehmerinnen haben, zu klein. Den Samstagnachmittagtermin im Alsbachbad habe das Bäderamt angeboten, erklärt Krohn. Das Amt habe versichert, dass an Samstagnachmittagen die Bäder – auch das in Altenkessel – kaum genutzt würden. Wenn die Frauen sich beim Schwimmen nicht den Blicken von Männern aussetzen wollen, so habe das ganz verschiedene Gründe, betont Krohn. Unter den Frauen seien beispielsweise Mädchen, die sexuell traumatisiert sind, aber auch Frauen, die sich wegen vermeintlicher körperlicher Makel oder wegen Übergewicht genieren. Auch wollten die Teilnehmerinnen nicht im Burkini schwimmen, sondern in ganz normalen Badeanzügen und Bikinis. Die Initioren fürchten nun, dass sich gerade Musliminnen wegen der Drohungen und angekündigten Proteste nicht trauen könnten, am Samstag zu kommen. „Dafür haben aber viele Saarbrückerinnen ohne Migrationshintergrund ihre Teilnahme angekündigt,“ sagt Veronika Kabis.

Meinung

Lasst die Frauen schwimmen!

Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Reisende soll man nicht aufhalten, sagt der Volksmund weise. Man möchte ergänzen: Schwimmende auch nicht, auch keine Schwimmerinnen. Grundsätzlich gilt: Für Menschen mit einem Empfinden für Zumutungen ist der Ruf nach Bereitstellung einer steuerfinanzierten Schwimmgelegenheit plus Herrichtung eines sichtgeschützten Bades nicht schmerzfrei zu vernehmen. Da heutzutage aber Sonderinteressen nach Herzenslust und bedenkenfrei öffentlich gefordert und auch erlaubt werden, ist dem „interkulturellen Frauenschwimmen“, wie es nun in Altenkessel geplant ist, kein Vorwurf der Unbotmäßigkeit zu machen. Es ist Wettbewerb, bei dem jeder sehen muss, wo er bleibt.

Geschickt haben sich „die Frauenschwimmerinnen“ und ihre öffentlich vorsprechenden Mitstreiter bislang allerdings nicht verkauft, was man allein schon an der großen Zahl der Bedenkenträger ablesen kann. Auch sie sind Teil des Wettbewerbs und unbedingt ernst zu nehmen.

Andererseits ist es aber nicht ganz fair, den Bittstellern einen auf Unterwanderung der Werte angelegten Antrieb zu unterstellen, also Gesinnung, und daraus die Notwendigkeit abzuleiten, Frauenschwimmen kulturpolitisch oder religionsphilosophisch zu diskutieren. Anstatt die einzelne Schwimmerin für ihren Wunsch nach Sport, wenngleich in einem gschützten Raum, zu loben!

Auch wenn alle zwei Wochen samstags einige Frauen darunter sein mögen, die mit einem Kopf voller Politik ihre Bahnen ziehen - warum kann man nicht die Gelassenheit aufbringen, die Frauen für sich allein schwimmen zu lassen?

Meinung

Hier ist die Toleranz zu Ende!

Von SZ-Redakteur Alexander Will

Das so genannte „interkulturelle Frauenschwimmen“ ein Beitrag zur Integration? Kein Stück! Vielmehr ist es ein Beitrag zur Segregation, ein Beitrag zur Etablierung von Parallelgesellschaften. Es geht keineswegs darum, arme, wehrlose Frauen vor Blicken gieriger Männer zu schützen. Das „Frauenschwimmen“ bedient in vorauseilendem Gehorsam allein die rigiden Moralvorstellungen des Islam. Dass religiöse Ideen hier eine Rolle spielen, hat sogar der Getrennt-Schwimm-Befürworter Kajo Breuer erkannt, auch wenn er sie herunterspielt. In diesem Zusammenhang ist der Vergleich mit einer geschlechtergetrennten Sauna besonders ärgerlich. Kein Mensch schwimmt in einem öffentlichen Bad nackt.

Badekleidung verhüllt das Intime ausreichend, so lautet der gesellschaftliche Konsens in Europa. Nein, die Stadt Saarbrücken beugt sich hier einzig und allein illiberalen Vorschriften des Islam, die im Land nicht Brauch sind.
Das ist abzulehnen, ebenso wie der Stil der Auseinandersetzung, wie er von manchen Segregationsbefürwortern gepflegt wird. Wenn etwa der Deutsch-Ausländische Jugendclub Kritik an der neuen Regelung als „fremden- und frauenfeindliche Hetze“ tituliert, ist das Ende der Toleranz erreicht.

Diesen Leuten sei gesagt: Das Wesen der Demokratie besteht eben im Streit um die richtige Position. Denkverbote und Beschimpfungen sind dagegen Ausdruck einer Geisteshaltung, die keine abweichende Meinung zulassen will. Man nennt das eine Gesinnungsdiktatur.
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