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Freispruch im Messerstecher-Prozess - Gericht bewertet Angriff als Notwehr

Polizisten ermittelten 2014 nach der Bluttat in Elversberg. Foto: Becker&Bredel

Polizisten ermittelten 2014 nach der Bluttat in Elversberg. Foto: Becker&Bredel

Das Landgericht Saarbrücken hat gestern die 46-jährige Melanie S. vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Sie hatte am 16. Juli 2014 in Elversberg ihren 72 Jahre alten Vermieter Gerold B. mit neun Messerstichen tödlich verletzt. Das Gericht bewertete dies als Notwehr. Der Mann verblutete im Hausflur während die Frau blutüberströmt auf die Straße lief und den Notarzt bestellte. Im Prozess schwieg die Frau, sie hatte aber unmittelbar nach der Tat Angaben bei der Polizei gemacht.

Gestern rekonstruierte das Gericht mit zwei Rechtsmedizinern der Universität das Geschehen. Die Frau hatte damals erst kurz in der Wohnung gewohnt. Der Vermieter meinte offenbar, mit ihr keinen guten Griff gemacht zu haben. Die Miete kam verspätet, die Möbel waren verschmutzt und sie wollte ihm offenbar auch nicht gerne Gesellschaft leisten. Am liebsten wäre er sie schnell wieder losgeworden. So erschien er am Tattag vor der Wohnung. Er wollte die Tür ungefragt mit seinem Schlüssel öffnen, was nicht gelang, weil ihr Schlüssel von innen steckte. Widerwillig, weil kaum bekleidet, ließ sie ihn ein. Es kam demnach zu einem Wortwechsel und zu Handgreiflichkeiten. Mit einem großen Küchenmesser stach sie dann neun Mal auf ihn ein, es gab Verletzungen zwischen Schläfe und Oberschenkel. Eine Notwehrsituation sei nach der Spurenlage nicht auszuschließen, hieß es.

Bis auf die Nebenklagevertreterin billigten alle Prozessbeteiligte der Frau Notwehr zu. Der Verteidiger beantragte Freispruch ohne weitere Sanktionen, weil die Frau mit den Stichen zwar über das notwendige Maß hinausgegangen sei. Dies sei aber straffrei, weil sie aus Angst und Schrecken gehandelt habe.

Die gleiche Auffassung vertrat auch der Oberstaatsanwalt. Aber er ging einen Schritt weiter. Die Frau habe sich deswegen nicht angemessen verteidigt, weil sie wegen einer psychischen Störung dazu nicht in der Lage war. Es könne sich so etwas in einer ähnlichen Situation wiederholen, es bestehe daher eine Gefahr für die Allgemeinheit. Daher sei die Frau in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik unterzubringen.

Dieser Auffassung folgten in ihrem Urteil auch die Saarbrücker Richter. Der Bundesgerichtshof habe in einem Fall, in dem Notwehrüberschreitung und Schuldunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen zusammenfielen, eine zwangsweise Einweisung bejaht.

Gleichwohl kündigte der Verteidiger Revision gegen das Urteil an. Seine Mandantin werde schon jetzt in der Klinik von Mitpatienten als Mörderin beschimpft und angefeindet.
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