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Freizeitpark Reden: Fällt der ganze Standort mit dem Urzeit-Park?

Blühende Landschaften wurden nicht nur den Ostdeutschen versprochen. Auch die Peter- Müller-Regierung malte 2001 den Saarländern rosarote Wolken über die Schwerindustrie-Brachen. Industriekultur sollte zum Motor des Strukturwandels werden, Reden sich zum „Garten Reden“ wandeln: durch eine Landesgartenschau, eine Dr. Oetker- Genuss-Manufaktur, Jugend- Hostel, Schmetterlings-Farm, Flamingo-Teich und Alpaca-Gehege. Nichts davon ließ sich realisieren, bis auf einen Urzeit-Park, der gigantische Dino-Sensationen und 100 Arbeitsplätze bringen sollte. Doch Gondwana schrumpfte dann auf ein Durchschnitts- Format, das die Besucher nicht elektrisierte.

Die Halle I dümpelte seit Eröffnung 2008, der gesamte Standort kam nicht hoch. „Reden ist von Landesseite aus zu Ende entwickelt“, mit diesen Worten zog Minister Karl Rauber dann 2010 die Reißleine. Allerdings erst, nachdem er mit dem Gondwana-Betreiber Matthias Michael Kuhl noch einmal einen höchst komplexen Vertrag für eine Erweiterung geschlossen hatte: Gondwana II. Daran sollte der schwächelnde Betrieb genesen. 7,7 Millionen Euro wollte das Land damals vorfinanzieren. Erst jetzt, nach dem Urknall, den Kuhls gestrige Rückzugs- Ankündigung ausgelöst hat, wissen die Bürger, dass das Land 9,2 Millionen Euro locker gemacht hat. Laut Generalunternehmer Kuhl wurden sogar elf Millionen Euro verbaut.

Ist Gondwana, ist der gesamte „Zukunftsstandort“ Reden ein Subventions- Fass ohne Boden? So sieht das die Opposition im Land, die gestern von einem „Debakel für die Landesregierung“ (Die Linke) sprach, vor einem „neuen Fiasko für die saarländischen Steuerzahler“ warnte (Piratenpartei) und über den „Nirwanapark“ herzog (Die Grünen). Handfeste Skepsis herrscht, ob Gondwana überhaupt wirtschaftlich geführt werden kann. Wobei die Piraten die Schuld für das jetzt bei Gondwana II aufgetauchte 1,4-Millionen-Euro-Defizit allein bei Kuhl sehen: Der Dresdner Rechtsanwalt habe im Saarland „eindrucksvoll bewiesen“, was er nicht kann: Vergnügungsparkbetreiber und Generalunternehmer sein.

Fallen also bald die Tore zu bei Gondwana? Genau das will das Land nicht. Wie gestern berichtet, arbeitet das Wirtschaftministerium an einer neuen Gesamtkonzeption und öffentlich-rechtlichen Trägerschaft für Reden: Gondwana, „Erbe“-Ausstellung im Zechenhaus, Fun-Park mit Seilbahn auf der Halde, Wassergärten, Almhütte, alles soll unter ein Dach. Bis zu 300 000 Menschen kommen bereits jetzt jährlich, allein zur SR-Sommeralm pilgern 50 000 Besucher. Und auf der Almhütte von FunBerg Saar soll sonntags kaum mehr ein Platz frei sein. 35 Millionen Euro hat die Redener Infrastruktur den Steuerzahler schon gekostet. „Es muss ein Bewirtschaftungs- Konzept aus einer Hand her, das die Gewinnbringer und die Kostenverursacher unter ein organisatorisches Dach bringt“, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD).

Er möchte zukünftig das „Rosinenpicken“ vermeiden. „Wir brauchen für Reden zukünftig aber eine Struktur, die verhindert, dass die profitablen Segmente von Privatinvestoren übernommen werden, und die öffentliche Hand für die defizitären Bereiche verantwortlich ist“, so Barke. Er sieht im Standort Reden „ein beachtliches Potenzial“: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es auch heben können.“ Dazu braucht Barke Partner und wohl auch ein Vor-Ort-Management. Eine Rückkehr zum Modell der erst jüngst aufgelösten Industriekultur Saar GmbH (IKS) schließt Barke jedoch aus.

Heute wird es ein erstes konkretes Gespräch mit dem Schiffweiler Bürgermeister Markus Fuchs (SPD) und der Neunkircher Landrätin Cornelia Hoffmann- Bethscheider (SPD) geben. Wie die Konstruktion aussehen könnte, ist unklar. Eine Zweckverbandslösung wäre denkbar. Auch ohne finanzielles Engagement der zukünftigen Partner? Hoffmann- Bethscheider sieht dafür jedenfalls „kaum Spielräume“, wie sie gestern auf Nachfrage der SZ sagte. Gleichwohl glaubt sie „immer noch“ an den Standort Reden. Sollte Kuhl sich verabschieden, gingen dort nicht die Lichter aus: „Wenn Gondwana wirtschaftlich zu betreiben ist, dann wird man einen Nachfolger finden“, so die Landrätin. Wenn.

Gondwana war und bleibt ein Politikum

Von Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken. Als Leit-Investition für die Entwicklung des früheren Gruben-Standortes Reden galt der Urzeit-Themenpark Gondwana von Matthias Michael Kuhl. Eröffnet wurde er 2008. Kuhl kaufte 20 Hektar für einen Euro vom Land und investierte 14 Millionen, das Land schoss aus Wirtschaftsförder- und Tourismusmitteln fünf Millionen zu. Zusätzlich sanierte Kuhl für 8,7 Millioen Euro das Zechengebäude. Das Land mietete es für Behördenunterbringung auf 25 Jahre zurück (1,2 Millionen Euro pro Jahr). 2010 kritisierte der Landsrechnungshof die Subventionspraxis. Kurz darauf drohte Kuhl mit der Schließung des Parks wegen Geschäftsschädigung.

Die neue Jamaika-Landesregierung geriet in Rettungs-Zwang: Gondwana II wurde angekündigt. Kurz darauf startete ein Reden- Untersuchungsausschuss. Im Abschlussbericht warfen SPD und Linke der CDU-Landesregierung Steuerverschwendung in Höhe von 20 Milionen Euro vor. Grüne und FDP – vor Eintritt in die Jamaika- Koalition scharfe Kritiker des Projektes, zwischenzeitlich in Mitverantwortung – rügten zumindest die „Intransparenz“ der Verträge. Inzwischen ist die SPD in Regierungsverantwortung. Anke Rehlinger, einst Vorsitzende des Reden-Ausschusses, ist heute als Wirtschaftsministerin zuständig für die Strukturholding Saar, der durch Rückkauf von Kuhl wieder ein Großteil des Areals in Reden gehört. ce


MEINUNG

Untauglicher Rettungsversuch

Noch ist Reden nicht verloren. Im Gegenteil. Die Überlegungen des Wirtschaftsministeriums, mehr lokale Partner in die Verantwortung zu nehmen, klingen vernünftig. So lässt sich mehr Engagement für den Standort generieren. Doch lohnt das überhaupt? Ist in Reden nicht alles Murks und Fiasko? Mitnichten. Die Bürger haben längst ihr Votum abgegeben. Sie beleben das Areal. Wobei sich herausstellt, dass nicht etwa Gondwana das Zugpferd ist, sondern Wassergärten, Halden- Ausblick, Almhütten-Gaudi.

All dies wird weiter Bestand haben, selbst wenn die Gondwana- Hallen geschlossen wären. Es ist dies eine diametral andere Situation als noch 2010. Damals löste Kuhls Rückzugs-Drohung Katastrophenstimmung aus. Heute kann die Landeregierung gelassener verhandeln. Freilich darf ihr dabei kein einziger Fehler mehr zu Lasten der Steuerzahler unterlaufen. Es pfeift zu Recht ein rauer politischer Wind rund um Reden. Weil spätestens jetzt bewiesen ist. Gonwana II war der untaugliche Versuch zu retten, was nicht zu retten ist. Jedenfalls nicht in der von Kuhl betriebenen Form.
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