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„Fremdenfeindlichkeit und Rassismus finde ich zum Kotzen“

Um den Fanclub Saarlandbrigade gibt es Ärger.

Um den Fanclub Saarlandbrigade gibt es Ärger.

Die Ehrung hat Wellen geschlagen. Am 9. November, dem 75. Jahrestag der Reichspogromnacht, ehrte Fußball- Drittligist 1. FC Saarbrücken die „Saarlandbrigade“ zum Fanclub des Monats (wir berichteten gestern). Dabei steht die Brigade im Verdacht, rechtsoffen zu sein. Fans hatten sich über die inzwischen zurückgezogene sowie zurückgegebene Ehrung beschwert.

Die Brigade bestreitet die Extremismus-Vorwürfe vehement. In einem Fan-Forum fordert zum Beispiel ein Brigademitglied, dass „es ein ganz klares Nein gegen jegliche Form des Rassismus und der Diskriminierung geben muss. Als Mitglied des Fanclubs Saarlandbrigade weise ich jegliche Vorwürfe bezüglich Rassismus, Diskriminierung oder Fremdenfeindlichkeit zurück. In diesem Zusammenhang sei vielleicht auch erwähnt, dass Enver Marina (Ex-FCS-Torhüter und Albaner; Anm. d. Red.) ein Ehrenmitglied in diesem Fanclub ist“.

Dass diese Ehrung dennoch unsensibel war, steht für Jörg Rodenbüsch vom Fanprojekt „Innwurf“ außer Frage. Den ehrenamtlichen Fanbeauftragten, die die Ehrung durchgeführt haben, macht er aber keinen Vorwurf: „Wenn du den sehr aufwendigen Job des Fanbetreuers nebenher machst und dann noch nebenher gesagt bekommst, mach mal noch die Ehrung. Jeden Monat. Das führt dazu, dass du Sachen vielleicht nicht so genau machst, wie du es machen müsstest.“

Damit liegt der Ball beim Verein. Bereits seit Monaten ist beim Drittligisten in der Diskussion, die Fanbetreuung auf hauptamtliche Beine zu stellen. „Damit rennen Sie bei mir offene Türen ein“, sagt Michael Arnold, seit 19. November Aufsichtsrats-Chef des 1. FC Saarbrücken. „Die Anliegen der Fans liegen mir sehr am Herzen. An einer hauptamtlichen Fanbetreuung arbeiten wir. Ich werde dazu nochmals Rücksprache mit dem Präsidium halten.“ Auch Aufsichtsratsmitglied Florian Kern ist dafür, die Fanbetreuung zu professionalisieren. „Dafür bin ich auch zur Aufsichtsratswahl angetreten“, sagt der 23-Jährige, der ebenfalls seit 19. November im Amt ist. Die Ehrung der Saarlandbrigade zu bewerten, fällt ihm schwer. Die Gruppe sei nicht genau verortbar, „das macht es für die Fanbetreuung auch nicht einfacher“, sagt er.

Dass Rassismus und Extremismus beim 1. FC Saarbrücken keinen Platz haben, betonen beide. Arnold, selbst jahrelang beruflich im Ausland unterwegs, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Fremdenfeindlichkeit und Rassismus finde ich zum Kotzen. Beides gehört nicht in ein Stadion – oder sonstwo hin“, erklärt der Aufsichtsrats- Chef, der vergangenen Samstag gegen Holstein Kiel (1:2) zum ersten Mal im Fanblock war und verspricht, dass „ich das öfter tun werde. Nur dort erfahre ich, was in der Kurve los ist, was die Fans bewegt.“

Kern kommt aus der Kurve, ist auch von dieser in den Aufsichtsrat gewählt: „Das Thema Extremismus haben wir auf der Agenda. Es ist ein sensibles Thema, das einer genauen Analyse bedarf. Ein Thema, das wir auch nur gemeinsam bearbeiten können: gemeinsam mit Fanbetreuung, Ordnungsdienst, Vorstand, Fanprojekt, Polizei und natürlich mit den Fans.“




MEINUNG

Es geht nur gemeinsam

Von SZ-Redakteur Michael Kipp

Extremismus ist verwerflich. Kaum einer will ihn in unserer Gesellschaft dulden. Das ist gut so. Aber auch kein Hindernis dafür, dass er entsteht und lebt. Ganz totzukriegen ist er leider nicht, das zeigt die Geschichte. Dennoch ist es wichtig, ihn zu erkennen – und dagegen anzugehen. Das ist nicht immer einfach und funktioniert am besten in der Gemeinschaft.

Auf einen Fußballverein heruntergebrochen heißt das: Alle müssen mitarbeiten. Fans, Ordnungsdienst, Polizei, Vorstand, Fanbetreuung – sie müssen alle für dieses unsensible Thema sensibel sein. Sie müssen Extremismus- Tendenzen in den Kurven frühzeitig erkennen. Vor allem müssen sie aber wissen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten können. Wer hilft, wer sind Ansprechpartner? Das ist aber nicht nur eine Aufgabe für den Fußball: Nazis gibt es überall. In der S-Bahn, im Tennisclub, und auch im Bundestag würde es sie geben – wenn es denn keine Fünf-Prozent- Hürde gäbe. Die gibt es im Stadion nicht. Die Zuschauer dort sind ein schlichtes Spiegelbild unserer Gesellschaft. Und wenn wir die besser machen wollen, geht das nur gemeinsam. Auch das zeigt die Geschichte.
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