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Früher in die Kripo-Lederjacke? Bouillon lehnt Reform der Polizeiausbildung ab

Die Verbrecher werden immer trickreicher: Ihre Internet-Fähigkeiten sind inzwischen derart gewachsen, dass die Polizei kaum noch mithalten kann. Die jüngst bekannt gewordenen Waffengeschäfte im so genannten „Dark-Net“, derer sich auch der Attentäter von München bediente, etwa werfen Fragen nach dem Ausbildungsstand und technischen Möglichkeiten der Kripo auf. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Saar-Landtag, Birgit Huonker , hat jetzt die CDU /SPD-Landesregierung aufgefordert, dem Beispiel Sachsen-Anhalts zu folgen und einen eigenen Studiengang für Kripo-Beamte einzurichten. „Es ist nicht damit getan, eine dreijährige Einheitsausbildung für Polizeibeamte an der Fachhochschule Göttelborn anbieten zu können, sowie einen nur dreimonatigen Qualifikations-Lehrgang, der die Beamten als Kriminalbeamte befähigen soll“, sagte Huonker. Aufgrund der Kriminalitäts-Entwicklungen in den vergangenen Jahren sei es für Polizeianwärter sinnvoll, von Anfang an eine fundierte Ausbildung im Kriminaldienst zu erhalten, betonte die Linken-Innenexpertin.

Huonker befürwortet ein einjähriges Grundstudium sowie eine zweijährige spartenspezifische Ausbildung. „Allein die Internet-Kriminalität hat rasant zugenommen, ganz zu schweigen von international agierenden Verbrecherbanden“, erklärte Huonker. Auf diese Entwicklungen müssten Polizeianwärter bestens vorbereitet werden. Das gehe nur mit einer spezialisierten Ausbildung, von der Schutz- und Kriminalpolizei gleichsam profitierten und damit die Polizeiarbeit professionalisierten. Sachsen-Anhalt habe dies erkannt und führe einen Kripo-Studiengang im Herbst 2017 ein. „Das müsste im Saarland auch zu schaffen sein“, sagte Huonker.

Da ist Innenminister Klaus Bouillon ( CDU ) aber gänzlich anderer Meinung. Er sieht in der momentanen dreijährigen Grundausbildung, die sich in fachwissenschaftliche und berufspraktische Abschnitte gliedert, den geeigneten Weg, die Kommissaranwärterinnen und -anwärter auf ihre kommenden beruflichen Tätigkeiten vorzubereiten, wie er der SZ auf Anfrage sagte. Eine polizeilich orientierte Grundausbildung, gewisse praktische Erfahrungen in der polizeilichen Organisation und im allgemeinpolizeilichen Handeln sowie funktionsbezogen eine auf die auszuübende Tätigkeit zugeschnittene kriminalpolizeiliche Fortbildung seien unabdingbar, betonte Bouillon.

Bei einer Verkürzung der Grundausbildung von drei Jahren auf ein Jahr würden auch grundlegende Lehrinhalte und Erfahrungen, die für den Polizeidienst notwendig sein, „übermäßig verkürzt“. Aufgrund der Kriminalitätsentwicklungen der vergangenen Jahre sei auf seine Initiative hin das Studium bereits modifiziert und die Studienfächer Kriminalistik und Kriminologie gestärkt worden. Bouillon nannte die Lerninhalte „Cybercrime“, also Verbrechen im Internet, und „Spurensicherung“.

Sein Ministerium habe sich bereits vor Huonker mit dem von ihr geforderten Modell, welches ein gemeinsam absolviertes Grundstudium und ab dem zweiten Ausbildungsjahr ein „zweigeteiltes“ Studium für Kripo und Schutzpolizei vorsieht, auseinandergesetzt. Dagegen spreche, dass die Grundausbildung auf ein Jahr verkürzt werde, die Entscheidung für den künftigen Berufsweg somit zu früh falle, höhere Kosten durch zusätzliche Kripo-Spezialisten als Lehrkräfte entstünden. Das aktuelle System biete eine bessere Gewähr, „persönlichkeitsbezogene Entwicklungen und Neigungen im Hinblick auf eine kriminalpolizeiliche Verwendung ausreichend und zum richtigen Zeitpunkt berücksichtigen zu können“, erklärte Bouillon .

 
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