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Früher war alles besser – vor allem die 80er

Der Mauerfall machte die 80er zum Hoffnungsjahrzehnt der Deutschen. Auch deswegen ist es bei vielen so beliebt.

Der Mauerfall machte die 80er zum Hoffnungsjahrzehnt der Deutschen. Auch deswegen ist es bei vielen so beliebt.

Um es mit Loriot zu sagen: Früher war nicht nur mehr Lametta, sondern auch alles besser. Zumindest stimmen Letzterem immer mehr Deutsche zu, laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ganze 41 Prozent. Vor einem Jahr waren es noch 26 Prozent. Das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen sind nach wie vor die 80er, dicht gefolgt von den 90ern und 70ern. Was zeichnete sie aus, diese gefühlt goldenen Jahrzehnte? Drei Kurzporträts im Rückblick:

Die 90er: Nach 16 Jahren Kanzlerschaft verliert Helmut Kohl sein Amt an Gerhard Schröder. Erstmals regieren auch die Grünen mit, tragen aber nicht mehr Turnschuhe, sondern Dreiteiler. Zusammen kämpfen sie gegen Staatsverschuldung und hohe Arbeitslosigkeit. Vielleicht auch deshalb sehnen sich 1998 mehr als 17 Millionen Kinobesucher auf einen sinkenden Ozeandampfer, um Leonardo DiCaprio vorm Untergang zu retten. Der Kalte Krieg ist vorbei, statt vor Atomraketen ängstigt sich das wiedervereinigte Deutschland nun vor der Rinderseuche BSE und vor Windows-Ausnahmefehlern. Trotzdem tanzen sie, die Deutschen, vor allem zu Take That und den Backstreet Boys, und wenn sie vom Tanzen müde sind, singen sie Britpop-Songs von Oasis mit oder grölen „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana. „Baby One More Time“ macht Britney Spears zur Popkönigin.

Die 80er: Die Deutschen zwängen sich von Kopf bis Fuß in Jeansstoff und lassen sich die Haare wachsen wie Modern Talking. Waldsterben, Aids und Tschernobyl beherrschen die Schlagzeilen. Mit „Ein bisschen Frieden“ (Nicole) und „Forever Young“ (Alphaville) geben die Deutschen ihrer Hoffnung auf bessere Zeiten musikalisch Ausdruck. Ronald Reagan ist da schon fordernder: „Reißen Sie diese Mauer nieder!“, ruft er gen Osten, und die Menschen im Osten schaffen schließlich den Mauerfall. Peter Maffay und Udo Lindenberg treten ohnehin schon auf beiden Seiten der Mauer auf, sehr zur Freude ihrer ostdeutschen Fans. Im Westen herrscht derweil Kontinuität: Alt-Helmut (Schmidt) und Neu-Helmut (Kohl) regieren die Westdeutschen, an ihrer Seite je eine Hannelore. Auch im Sport bieten die 80er Konstanz. Steffi Graf und Boris Becker gewinnen, was es zu gewinnen gibt, 1989 sogar im Abstand von nur drei Stunden das Wimbledon-Turnier.

Die 70er: Die 68er bekommen selbst Kinder und müssen zeigen, dass sie es besser können. Der Vietnamkrieg wird auch in Deutschland bekämpft, von einigen friedlich mit Protesten, die Rote Armee Fraktion (RAF) reagiert mit Gewalt. Und doch ist es auch ein Jahrzehnt von Versöhnung und Vergebung: Willy Brandt kniet in Warschau nieder, Israel und Ägypten geben sich die Hand, Gleiches gilt für Polen und Deutschland. Die DDR und die Bundesrepublik treten 1973 den Vereinten Nationen bei. Die deutschen Fußballer um Beckenbauer und Co. können sich ein Jahrzehnt lang international fast nur selbst besiegen – etwa beim 1:0-Sieg der DDR-Mannschaft über die späteren Weltmeister aus Westdeutschland 1974. In den Charts streiten sich anfangs noch Simon & Garfunkel und die Beatles um die vorderen Plätze. Dann gründen Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid das erfolgreichste Akronym der Popgeschichte.


 

Und wie wird die Zukunft? – Düster, glauben viele


Laut der YouGov-Umfrage blicken die Deutschen pessimistischer in die Zukunft. Wie das Leben für Menschen in 50 Jahren aussehen werde? „Schlechter als heute“, meinen 49 Prozent der Befragten. „Besser als heute“, glauben nur 15 Prozent und „Genau so gut bzw. schlecht wie heute“, vermuten immerhin 22 Prozent.

 

Nach Meinung des Zukunftswissenschaftlers Professor Horst Opaschowski sei die „German Angst“ wieder da, wozu auch Flüchtlingskrise und Terrorbedrohungen beitragen. „Der demografische Wandel und die Überalterung der Bevölkerung in Deutschland lassen wenig Raum für Zukunftsoptimismus. Die Politik sagt immer nur, was gerade noch geht. Die Bürger aber wollen wissen, wohin es geht. Zukunftsgewissheit ist zum Fremdwort in Deutschland geworden“, meint der Experte. Faktoren wie der Klimawandel, unsichere Arbeitsbedingungen und die Flüchtlingsthematik verunsicherten die Deutschen, sagt auch Professor Ulrich Reinhardt von der Stiftung für Zukunftsfragen. Viele Deutsche sorgten sich um den Erhalt ihres persönlichen Lebensstandards . dpa
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