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Frust bei den Flüchtlingshelfern in Lebach

Bei den freiwilligen Helfern in der Landesaufnahmestelle Lebach macht sich Frust breit. Seitdem das Sozialministerium Mitte September die Koordinierung der ehrenamtlichen Arbeit der rund 280 Helfer übernommen hat, läuft offenbar nicht alles reibungslos. „Zusammenarbeit sieht für mich anders aus“, sagt Uwe Weisenseel, der seit vier Monaten beinahe täglich vor Ort hilft. „Unter Zusammenarbeit verstehe ich, miteinander zu reden und den anderen in Entscheidungen einzubinden.“ Stattdessen würden in Saarbrücken „Entscheidungen getroffen, die für uns nicht nachvollziehbar sind“.

So wurde etwa ein Konzept für die Kinderbeschäftigung verfasst, das vorschreibe, dass die Betreuer pädagogische Erfahrung haben müssen und das Spielzeug desinfiziert werden muss. Sozialstaatssekretär Stephan Kolling ( CDU ), der gestern nach Lebach eilte, um die Wogen zu glätten, verweist auf hygienische Richtlinien: „Wenn hier etwa eine Noroviren-Epidemie ausbricht, haben wir ein Problem.“ Weisenseel leuchtet das nicht ein: In Lebach seien Ratten unterwegs, es liege Müll herum und die Kinder spielten im Dreck. Welchen Sinn mache es da, Spielzeug zu desinfizieren? Bürokratie prallt auf Pragmatismus.

Weisenseel kann auch nicht nachvollziehen, warum der Vorschlag der Ehrenamtler, Patenschaften für Flüchtlinge einzuführen, bisher nicht umgesetzt wurde. 170 Personen hatten sich auf einen Facebook-Aufruf hin dazu bereit erklärt. Doch die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Kolling zufolge hat es einige Zeit gedauert, alle zu kontaktieren, doch inzwischen seien 120 Patenschaften zustande gekommen.

„Die Kommunikation ist ein Grauen“, schimpft Weisenseel. Oft würden die Helfer gar nicht informiert, wann Busse mit Flüchtlingen ankommen, und müssten stundenlang warten. Dieser Vorwurf geht an die Adresse des Innenministeriums, das sich gestern aber nicht äußerte. „Viele freiwillige Helfer springen ab“, sagt Weisenseel. Auch er ist kurz davor, alles hinzuwerfen. Auf Facebook schilderte er in der Gruppe „Hilfe für Flüchtlinge im Aufnahmelager Lebach “, die rund 6200 Mitglieder hat, was aus seiner Sicht schief läuft – und stieß auf breite Resonanz. Auch andere berichten, dass sie sich aus Frust aus der Flüchtlingsarbeit zurückgezogen haben. Und die Gruppe „Refugees Welcome Saarland“ bestätigt: „Es macht sich Unmut bei den Ehrenamtlern breit, da Ämter und Ministerien seit ihrem späten Auftritt Mitte September, als bereits alles lief, viele Abläufe kontrollieren und oft leider erschweren.“

Kolling weist die Kritik zurück: „Wir wollen niemanden ausgrenzen, wir brauchen die Unterstützung des Ehrenamts. Aber wir müssen das Ehrenamt koordinieren.“ Die 280 Helfer könnten nicht einfach kommen, wann sie wollen. Die Arbeit müsse eingeteilt werden, damit etwa eine durchgehende Betreuung der Kinder möglich sei. Dass Weisenseel nun in aller Öffentlichkeit seinem Ärger Luft macht, hält er für „unfair“. Jeden Tag nähmen die Ehrenamtler an den Besprechungen teil, dort sei das Thema nie angesprochen worden.

Tatsächlich gibt es auch zufriedene Helfer: Sascha Simon vom Verein „Children Obstretics Relief Development“, der im Hebammen-Team arbeitet, lobt die Zusammenarbeit mit dem Ministerium als „hervorragend“. In anderen Bereichen laufe aber nicht alles glatt. Er formuliert es vorsichtig: „Einige vom Ministerium gehen mit den Hauptamtlichen genauso um wie mit den Ehrenamtlichen.“ Soll heißen, wer für seine Arbeit kein Geld bekommt, will nicht noch herumkommandiert werden.

Am Montag soll es ein Schlichtungsgespräch geben. Weisenseel hat seine Überlegungen, aufzuhören, erstmal verschoben: „Ich denke, wir werden eine Lösung finden.“  
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