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Frust und Missgunst hinter Gittern

. Ihr Arbeitsplatz ist hinter Gittern. Beruflich haben sie es täglich mit Schwerkriminellen und Gewalttätern zu tun. Aktuell arbeiten noch 506 Frauen und Männer (2013 waren es 518) im Justizvollzug: 343 im Hochsicherheitsgefängnis auf der Saarbrücker Lerchesflur, 149 in der Anstalt in Ottweiler , die für Jugendliche sowie für den offenen Erwachsenenvollzug zuständig ist, und 14 in der Jugendarrestanstalt in Lebach. Mit Blick auf die Schuldenbremse sollen bis zum Jahr 2020 insgesamt 61 Stellen wegfallen. Um für den Stellenabbau die Weichen zu stellen, wurden bereits 2011 Gefängnisse in St. Ingbert und Neunkirchen geschlossen und der offene Vollzug in Saarlouis unter der Gesamtregie der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ottweiler eingegliedert.

Reformen und Umstrukturierungen kommen bei der Belegschaft nicht gut an. Dies verdeutlicht eine umfangreiche Untersuchung des Centrums für Evaluation (CEval) der Universität des Saarlandes . Auftraggeber der Studie „Gute Arbeit im Vollzug – zu Arbeitsbedingungen und Gesundheit im saarländischen Justizvollzug“ war das Justizministerium. Die Wissenschaftler analysierten Dokumente, führten neben Gruppendiskussionen zahlreiche Einzelinterviews mit Mitarbeitern, ehe sie ihren über 220 Seiten umfassenden Abschlussbericht im November 2014 dem Ministerium präsentierten. Dieses Werk, das unserer Zeitung vorliegt, offenbart, dass bei den Beschäftigten hinter Gittern Frust, Missgunst und große Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen herrschen. Während in der kleinen Arrestanstalt in Lebach (14 Mitarbeiter) die Welt in Ordnung scheint, kommen massive Klagen aus den Gefängnissen in Ottweiler und Saarbrücken . Insbesondere das Führungsteam in Ottweiler bekommt sein Fett weg, während der neue Saarbrücker Anstaltsleiter positiver eingeschätzt wird. Nach der Experten-Analyse leiden in Ottweiler „Arbeitsmotivation und Zufriedenheit sowie Betriebsklima“ hauptsächlich unter drei Negativ-Einflüssen: einem „nicht immer angemessen empfundenen Führungsstil“, mangelnder Solidarität unter Kollegen bei der Einhaltung des Dienstplanes und der als zu gering eingeschätzten Personaldecke („Arbeitsverdichtung“).

In Ottweiler sitzen nach Ministeriumsangaben derzeit 198 Personen (67 Jugendliche in Strafhaft, neun Untersuchungshäftlinge und 122 Erwachsene im offenen Vollzug). In der JVA Saarbrücken sind 578 Männer inhaftiert, davon 87 in Untersuchungshaft.

Unmut und Unzufriedenheit mit dem sicheren Beamtenjob im Gefängnis macht sich insbesondere im Bereich des Allgemeinen Vollzugsdienstes (AVD) breit, dem in Saarbrücken 270 und in Ottweiler 119 uniformierte Mitarbeiter angehören. Hier werden Klagen über fehlende Beförderungsperspektiven und schlechte Bezahlung sowie mangelnde Wertschätzung laut. Ein AVD-Beamter in der Gehaltsgruppe A7 verdient etwa 2500 Euro brutto einschließlich der „Gitterzulage“ von knapp 90 Euro im Monat.

Mit Blick auf die hohen Krankenstände im allgemeinen Vollzugsdienst in Ottweiler (2014: 11,18 Prozent) und Saarbrücken (13,42 Prozent) fällt auf, dass JVA-Mitarbeiter auch von so genannten Blaumachern in den eigenen Reihen ausgehen, deren Fehlzeiten sie wiederum mit Überstunden ausbaden müssten. Dies belaste das Solidaritätsgefühl. In Einzelfällen soll, so ist in dem Bericht notiert, mit Krankenscheinen auf Umstrukturierungen und damit verbundene Mehrbelastungen reagiert worden sein.
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