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Führungspositionen: Kommen Frauen im Saarland nicht zum Zug?

Auf den ersten Blick ist das Saarland ein Matriarchat. In der Staatskanzlei dirigiert eine Ministerpräsidentin, in der Landeshauptstadt schwingt eine Oberbürgermeisterin das Zepter. Was für eine Weiberwirtschaft, mag man meinen. Doch zwei Frauen machen noch lange keine Quote. Im Gegenteil. Gerade wenn es um die Chefplätze geht, sieht es hier nicht viel anders aus als im Rest der Republik.

In Deutschland sitzen in Aufsichtsräten nur rund 15,6 Prozent Frauen. Die Politik will den großen Unternehmen daher eine Frauenquote vorschreiben. Eine entsprechende Resolution für Dax-Unternehmen wurde auf Initiative der Hamburger SPD im Bundesrat verabschiedet. Dieser Gesetzentwurf sieht die Einführung einer gesetzlichen Mindestquote für Frauen bei der Besetzung von Aufsichts- und Verwaltungsräten börsennotierter oder mitbestimmter Unternehmen vor. Die Einführung hat zwei Stufen: ab Januar 2018 eine Mindestquote von 20 Prozent und ab Januar 2023 eine Quote von 40 Prozent. Diesem Vorschlag stimmte auch Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zu, die sich selbst offen als „Quotenfrau“ bezeichnete. Ob die Quote für Privatunternehmen kommen wird, darüber muss nun der Bundestag entscheiden.

Doch was ist eigentlich mit den vielen öffentlichen Gesellschaften? Die Stadt Saarbrücken hält Anteile an mehreren Dutzend. Hat Oberbürgermeisterin Charlotte Britz da vielleicht schon Vorreiterfunktion? Die Landeshauptstadt ist laut aktuellem Beteiligungsbericht von 2011 saarlandweit an 84 Gesellschaften beteiligt. Bei 67 dieser Gesellschaften lassen sich anhand des Berichts die Aufsichtsratsmitglieder bestimmen. Bei den anderen gibt es entweder kein Aufsichtsgremium, oder die Angaben zur Zusammensetzung des Aufsichtsrates sind auf den ersten Blick nicht eindeutig. Das Ergebnis ist ernüchternd: Frauen sind auch in öffentlichen Führungsgremien eine Ausnahme – in 76 Gremien dominiert das männliche Geschlecht. Die geforderte Mindestquote von 40 Prozent, die ab 2023 gelten soll, erreichen im Augenblick nur 17 Gesellschaften. Bei 44 Aufsichtsgremien liegt der Frauenanteil unter 30 Prozent, bei zehn gibt es gar keine weiblichen Mitglieder. Auffallend ist: Besonders bei bedeutenden Gesellschaften oder Verbänden, wie zum Beispiel der Sparkasse oder den Stadtwerken sind Frauen nur gering vertreten. Beim Sparkassenzweckverband stehen zwei Frauen siebzehn Männern gegenüber. Das führt dazu, dass der Anteil von Frauen durchschnittlich nur 25 Prozent beträgt.

Noch deutlicher fällt die Männer- Dominanz bei den Geschäftsführern, Werksleitern oder Verbandsvorstehern aus. Von 84 Gesellschaften, an denen die Stadt beteiligt ist und bei denen sich aus dem Beteiligungsbericht 2011 die Verantwortlichkeiten herauslesen lassen, sind nur sieben Frauen Geschäftsführerin, Werksleiterin oder Verbandsvorsteherin. Bei drei Beteiligungen gibt es eine Doppelspitze. Bei 69 Gesellschaften haben Männer die alleinige Verantwortung. 82 Prozent Männer-Dominanz.

Allerdings lässt sich in einigen Gremien die Frauenquote nur indirekt beeinflussen. Sie werden automatisch von Funktionsträgern, wie zum Beispiel Bürgermeistern, besetzt. Wenn dort Männer das Amt innehaben, kann man diese nicht einfach durch Frauen austauschen. Die müssen die Bürger selbst wählen.

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