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Fünftes Grundschuljahr: Kein Ende der Diskussion in Sicht

Vertreter von Lehrern und Eltern haben sich skeptisch zum Plan der Jamaika-Koalition geäußert, das fünfte Schuljahr an die Grundschulen verlagern. Sie monieren, dass für dieses Vorhaben bisher jegliches Konzept fehle.

Dillingen. Dass Schüler länger gemeinsam lernen, bevor sie getrennte Bildungswege gehen, hat die Sympathien vieler im Saarland. Sogar „ideale Voraussetzungen“ für eine Verfassungsänderung, die ein fünftes Grundschuljahr ermöglichen würde, sieht Bildungs-Staatssekretär Stephan Körner. Das sagte der Grünen-Politiker jetzt vor rund 100 Zuhörern bei einer Podiumsdiskussion des Jugendarbeitskreises der Stadt Dillingen.

Die Jamaika-Koalition möchte frühestens ab Herbst 2011 alle Fünftklässler durch Lehrerteams von Grundschule und weiterführenden Schulen im alten Klassenverband in Räumen der Grundschulen unterrichten lassen. Das sei nach einer noch laufenden Erhebung „in etwas mehr als der Hälfte der Fälle relativ unproblematisch“.

Für Reform Verfassungsänderung nötig

Hier und da müsse man fremdgenutzte Räume wieder freimachen, in Einzelfällen bleibe die fünfte Klasse in Räumen einer weiterführenden Schule, sagte Körner. Er unterstrich: „Die vierte Klasse ist oft zu früh für die Entscheidung über den Bildungsweg. Das führt zu einer Auslese nach sozialer Situation der Eltern statt nach Leistungsvermögen der Kinder.“ Für die Reform wäre eine Verfassungsänderung nötig, die eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag erfordert. „Wir legen die Diskussion mit der Opposition breit an, aber werden nicht endlos diskutieren, sondern die Frage Ende des Jahres zur Abstimmung bringen“, kündigte Körner an.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will eine durchgehend gemeinsame Schule plus gymnasiale Oberstufe, steht aber einer kleinen Reform sehr skeptisch gegenüber. „Wird die Benachteiligung allein durch ein fünftes Grundschuljahr aufgehoben?“, fragte Ilka Hoffmann vom Geschäftsführenden GEW-Vorstand. „Uns fehlen die Konzepte in dem Vorschlag. Das gemeinsame Lernen hängt nicht davon ab, wo die Schüler zusammensitzen.“ Die CDU-Regierung habe es in den letzten Jahren versäumt, Ansätze gegen die Über- und Unterforderung von Schülern zu entwickeln.

Was passiert im 5. Jahr?

Wolfgang Schäfer, stellvertretender Sprecher der Landeselterninitiative für Bildung, betonte: „Ein fünftes Grundschuljahr kann nur den Rahmen bilden. Vorher ist zu klären, was darin stattfindet.“ Es sei der Frontalunterricht, der bisher ein einheitliches Leistungsniveau in der Klasse nötig mache. Dieser sei das Problem. Nur eine Jahrgangsstufe zu verschieben, sei daher zu wenig. „Wir begrüßen eine Verfassungsänderung, wenn sie eine neue Schulform einführt“, sagte Schäfer, „eine Gemeinschaftsschule als echte Ganztagsschule, mit differenzierter Förderung, ohne Sitzenbleiben bis zur Klasse 9 – parallel dazu ein Gymnasium für G8-Abiturienten.“

Der Schulleiter des Dillinger Albert-Schweitzer-Gymnasiums, Erwin Schorr, warf dagegen ein, für individualisierten Unterricht in Lerngruppen brauche man keine neue Schulform, sondern nur die richtige personelle Ausstattung: „Am Gymnasium wird ständig herumoperiert: erst G8, dann die Oberstufenreform, nun eine neue Stundentafel. Wir brauchen die fünfte Klasse im Gymnasium, sonst wird diesem der Boden unter den Füßen weggezogen.“



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