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Für illegale Autorennen drohen härtere Strafen

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Oft reicht ein Blick, die Fahrer treten aufs Gas und rasen los – mitten durch die Stadt. Ob fürs Prestige oder den Adrenalinkick, die Wettfahrten sind gefährlich. Erst am Samstag sollen Unbekannte auf der A 6 bei Kaiserslautern um die Wette gefahren sein. Illegale Autorennen haben schon mehrfach tödliche Folgen gehabt: Anfang August starb bei Berus eine 14-Jährige, als ein 22-jähriger Fahrer eine Vollbremsung hinlegte und in eine Gruppe Jugendlicher fuhr. Zeugenaussagen zufolge soll sich auch dieser Fahrer zuvor ein Rennen geliefert haben. Ob es wirklich ein Rennen gegeben habe, steht laut Polizei noch nicht fest. Aktuell würden die Ermittlungen noch andauern, teilte die Saarbrücker Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Bis auf diesen Vorfall ist Polizei-Pressesprecher Georg Himbert kein weiteres illegales Autorennen bekannt: „Außerdem muss sich bei diesem Fall erst zeigen, ob es wirklich ein Rennen war.“

 

Wenn es nach Nordrhein-Westfalen und Hessen geht, könnten Teilnehmern an illegalen Autorennen schon bald jahrelange Haftstrafen oder der Verlust des Fahrzeugs drohen. Anfang Juli hatten die Länder im Bundesrat einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Illegale Autorennen könnten dann mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden – und mit zehn Jahren, wenn jemand schwer verletzt oder getötet wird. Im September soll sich der Rechtsausschuss des Bundesrates damit befassen. Dass sich gesetzlich etwas tun muss, dafür ist auch Wilfried Pukallus vom Vorstand für Verkehr und Technik im ADAC Saarland. Aktuell werde die Teilnahme an einem Autorennen nach Paragraf 315 c des Strafgesetzbuches geahndet. Der Begriff des illegalen Autorennens wird dort jedoch nicht verwendet. „Der illegale Raser wird strafrechtlich wie ein Verkehrsteilnehmer, der grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, verfolgt“, erklärt Pukallus. Rechtssicherer wäre, nach seiner Ansicht, wenn ein weiterer Unterpunkt – „wer ein illegales Autorennen durchführt oder daran teilnimmt“ – eingeführt würde. Dann wäre es klar, dass man dafür bestraft werden könne, ohne dass das „grob Verkehrswidrige und auch Rücksichtlose“ speziell nachgewiesen werden müsse.

 

Bei Autorennen seien meist getunte Autos im Einsatz. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die eingebauten Teile illegal sind, ist bei Autorennen hoch“, sagt Pukallus. Doch tunen kann auch zulässig sein. „Manch einer will einfach eine bessere Lüftung oder seine Auspuffanlage erweitern“, sagt Eduard Martel, der eine Kfz-Werkstatt in Neunkirchen betreibt, die auch Tuning anbietet. „Es kommt auch immer auf den Fahrer an, wie verantwortungsbewusst dieser ist“, sagt Martel. Es gebe grundsätzlich einen grünen Bereich fürs Tuning, dieser entspreche der allgemeinen Betriebserlaubnis des Fahrzeugherstellers. Der gelbe Bereich sei zwar noch legal, der TÜV müsse in Einzelfällen die Zulässigkeit kontrollieren. „Wenn ein Auto zum Beispiel mehr PS fährt, muss bei der Bremse auch mal nachgebessert werden“, sagt Martel. Die dritte Kategorie ist rot und ist illegal. „Oft werkelt der Autorennen-Teilnehmer vorher an dem Wagen herum“, erläutert Pukallus. Denn verschiedene Teile könne man hierzulande kaufen, diese seien jedoch nur für den Export und nicht für den hiesigen Gebrauch gedacht. Diese würden dann oft privat eingebaut.

 

Meinung:

 

Strafen stoppen keine Jungbullen

Von SZ-Redakteur Dietmar Klostermann

 

Meist sind es junge Männer, die glauben, mit aufgemotzten Autos ihre Triebe ausleben zu müssen. Jeden Abend ist das in Saarbrücken zu beobachten, wenn die tiefergelegten Auspuff-Monster auf der Wilhelm-Heinrich-Brücke kurz mal auf Tempo 100 beschleunigt werden. Von dem „Posen“ zum echten Autorennen ist es nur ein kurzer Weg. Die Folgen sind oft katastrophal, sie können Menschenleben zerstören. Höhere Strafen werden die jungen Raser kaum bremsen können. Nur ein konsequentes Verbot des Umbaus von Autos zu rollenden PS-Waffen kann da helfen. Doch da traut sich der Gesetzgeber nicht ran.
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